Examensarbeit, 2004
143 Seiten, Note: 1,0
1. Leben in einer Welt der Vielfalt
1.1 Bedeutung von Toleranz für das Leben in einer Welt der Vielfalt
1.2 Anliegen und Ziel dieser Arbeit
2. Toleranzkonzepte
2.1 Zur Geschichte der Toleranz
2.2 Toleranzkonzepte in der Philosophie
2.3 Toleranzkonzepte in der Pädagogik
2.4 Toleranzkonzepte in der Psychologie und der Vorurteilsforschung
2.5 Toleranz – Kindern erklärt
2.6 Toleranzvorstellungen von Grundschulkindern - eine Fragebogenerhebung und Interviews in den Klassenstufen 4-6
3. Voraussetzungen, Chancen und Grenzen der Toleranzerziehung in der Grundschule
3.1 Psychologische, soziale, ökonomische und gesellschaftliche Voraussetzungen für Toleranz und Toleranzlernen
3.2 Nutzen und Risiken von Toleranz für Grundschulkinder
3.3 Chancen für die Toleranzerziehung in der Grundschule
3.4 Grenzen der Toleranzerziehung in der Grundschule
4. Toleranzerziehung als Aufgabe der Grundschule
4.1 Strategien der Toleranzvermittlung
4.2 Soziale Erziehung – Toleranz als Resultat sozialen Lernens
4.3 Interkulturelle Erziehung – Toleranz als Schlüsselkompetenz in einer multikulturellen Gesellschaft
4.4 Moralische Erziehung – Toleranz als moralisch-kognitive Kompetenz
4.5 Methoden der Toleranzerziehung
5. Toleranzerziehung in der grundschulpädagogischen Praxis
5.1 Toleranzerziehung als Thema in den Rahmenlehrplänen der Grundschule
5.2 Praxisorientierte Unterrichtsmaterialien zur Toleranzerziehung im Vergleich
5.2.1 Karina und Romana Merks: Toll, toller, tolerant
5.2.2 Bertelsmann Stiftung: Eine Welt der Vielfalt
5.2.3 Ute Behr/Christa Franz: Werte vermitteln mit Nele und Tom
6. Orientierungshilfen zur Förderung der Toleranzkompetenz in der Grundschule – Ein Resümee
Die Arbeit untersucht, wie Toleranz in der Grundschule vermittelt werden kann, um Kindern Handwerkzeuge für ein friedliches Zusammenleben in einer von Vielfalt geprägten Gesellschaft zu geben. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich dabei mit den Möglichkeiten, Chancen und Grenzen der Toleranzerziehung sowie mit der Erarbeitung eines altersangemessenen Konzepts zur Förderung von Toleranzkompetenz.
Bedeutung von Toleranz für das Leben in einer Welt der Vielfalt
Wir leben heute in einer Welt der Vielfalt, die einerseits geprägt ist von Globalisierung und Multikulturalität und andererseits von einer Individualisierung der Lebensentwürfe, Wünsche und Hoffnungen.
Tiefgreifende Umbrüche und Veränderungen in der Welt und Gesellschaften, die geprägt sind durch grenzüberschreitenden Handel, die Weiterentwicklung von technischen Möglichkeiten und eine weltweite wachsende Mobilität und Migration, lassen den Multikulturalismus zu einer zunehmend bedeutungsvollen Realität werden. Ungewohnte Traditionen, Bräuche und Werte sind immer wieder Auslöser von Überfremdungsängsten und Bedrohungsgefühlen, aber auch von offener Ablehnung und Aggression gegen alles was fremd ist. Solche Haltungen und Handlungen sind, wenn man ihnen nicht entgegentritt, eine ernsthafte Gefahr für die Demokratie und ein friedliches Zusammenleben der Menschen.
Auch Kinder erfahren schon frühzeitig im Kindergarten, in der Schule, durch Freunde und Familie und natürlich durch die Medien, dass ihre Art zu wohnen, zu essen, sich zu kleiden oder zu feiern nicht die einzige Möglichkeit ist, ein erfülltes Leben zu haben. Sie treffen auf fremde Kulturen oder ungewohnte Sitten und Gebräuche, die für sie nicht immer nachvollziehbar und akzeptabel sind, da sie nicht ihren Normen und Einstellungen entsprechen oder so fremd sind, dass sie abstoßend wirken. Diese Vielfalt kann Kinder, aber auch viele Erwachsene, überfordern, denn eigene Werte, Normen und Vertrautes werden dadurch in Frage gestellt und relativiert. Um die Sicherheit von Normen und Werten und dadurch die Orientierung nicht zu verlieren, reagieren viele Kinder wie auch Erwachsene auf solche Verunsicherungen mit stereotypen Abwehrmechanismen.
1. Leben in einer Welt der Vielfalt: Einführung in die Multikulturalität unserer Gesellschaft und die Notwendigkeit, Kinder frühzeitig zu Toleranz zu erziehen.
2. Toleranzkonzepte: Beleuchtung des Begriffs Toleranz aus Sicht der Geschichte, Philosophie, Pädagogik und Psychologie sowie Erhebung der Toleranzvorstellungen bei Kindern.
3. Voraussetzungen, Chancen und Grenzen der Toleranzerziehung in der Grundschule: Diskussion der psychologischen Grundlagen und der Vor- und Nachteile von Toleranz speziell für das Grundschulalter.
4. Toleranzerziehung als Aufgabe der Grundschule: Erörterung pädagogischer Ansätze wie sozialer, interkultureller und moralischer Erziehung zur Vermittlung von Toleranzkompetenz.
5. Toleranzerziehung in der grundschulpädagogischen Praxis: Untersuchung der Rahmenlehrpläne sowie ein praktischer Vergleich verschiedener Lehrmaterialien zum Thema.
6. Orientierungshilfen zur Förderung der Toleranzkompetenz in der Grundschule – Ein Resümee: Zusammenfassende Handlungsempfehlungen für Lehrkräfte zur Implementierung von Toleranzerziehung im Unterricht.
Toleranz, Toleranzerziehung, Grundschule, Multikulturalität, Sozialkompetenz, Interkulturelles Lernen, Vorurteile, Stereotype, Konfliktmanagement, Moralentwicklung, Identitätsbildung, Wertevermittlung, Demokratieerziehung, pädagogische Praxis.
Die Hausarbeit befasst sich mit der theoretischen Begründung und praktischen Umsetzung der Toleranzerziehung innerhalb der Grundschule.
Die Schwerpunkte liegen auf Toleranzkonzepten in verschiedenen Fachbereichen, der Untersuchung des Toleranzverständnisses bei Kindern sowie der kritischen Analyse von Lehrplänen und Unterrichtsmaterialien.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Grundschulkinder durch fundierte pädagogische Strategien dazu befähigt werden können, Heterogenität als Chance zu begreifen und Konflikte gewaltfrei zu lösen.
Neben einer umfangreichen Literatur- und Theorieanalyse führt die Autorin eine eigene empirische Erhebung durch, bestehend aus Fragebögen und qualitativen Schülerinterviews.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Darstellung der schulpädagogischen Möglichkeiten (soziale, interkulturelle und moralische Erziehung) und die praktische Überprüfung konkreter Lernmaterialien.
Zentrale Begriffe sind Toleranzkompetenz, soziale Erziehung, Multikulturalität, Vorurteilsabbau und Konfliktbewältigung.
Die Befragung zeigt, dass Kinder oft Schwierigkeiten haben, den abstrakten Begriff Toleranz zu definieren und ihn häufig intuitiv mit Hilfsbereitschaft oder genereller Nettigkeit gleichsetzen.
Die Autorin resümiert, dass Schule zwar nicht alle sozialen Einflüsse steuern kann, aber durch gezielte Lernarrangements und einen reflektierten Umgang mit Stereotypen die Entwicklung einer echten Toleranzkompetenz wesentlich fördern kann.
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