Wissenschaftlicher Aufsatz, 1974
14 Seiten
Schicht:
Struktur:
Gattung:
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen den literaturwissenschaftlichen Begriffen Schicht, Struktur und Gattung durch einen ontologischen Vergleich der Modelle von Nicolai Hartmann und Roman Ingarden, um eine vereinheitlichte Grundlage für die Analyse von Kunstwerken zu schaffen.
Struktur:
Es stellt sich nun heraus, dass, was wir beim Sprachkunstwerk für gewöhnlich unter Struktur verstehen, nichts als das Zusammenwirken seiner oben erläuterten Schichten ist.
Strukturanalyse ist also Schichtanalyse, und das haben Kayser und Staiger zweifellos auch gemeint, wenn sie den Strukturbegriff etwa im Sinne von Herman Meyer verstanden: "Form und Inhalt sind beide Material im Sprachkunstwerk [. . .] sie gehören zur Struktur, insoweit sie miteinander in Verbindung treten und an der ästhetischen Ordnung des Werkes teilhaben, indem sie diese mitstatuieren." Die Gliederung in Stoff (oder Inhalt), Form (oder Gestalt) und Bedeutung (oder Gehalt) verträgt sich durchaus mit dem Schichtenmodell, ist aber im Vergleich dazu sehr grob. Nicolai Hartmann hat uns die Augen dafür geöffnet, "dass selbst die Form des Kunstwerks immer gestaffelt ist, d.h. jede einzelne Schicht ihre eigene Formung aufweist. Das zeigt sich bereits darin, dass wir nach jeder Schicht (vom Material bis zum Weltgefühl) sowohl mit WAS als auch mit WIE fragen können. Wenn wir es z.B. in der zweiten Schicht der Dichtung mit sinnvoll strukturiertem Wortmaterial zu tun haben, wäre noch immer zu fragen, wie es geformt ist (Stil). Die verschiedenen Schichten können überhaupt nur in einer bestimmten Form vorhanden sein. Es ist deshalb unsinnig, nach der Form eines Sprachkunstwerks zu fragen (allenfalls Formung), wie es naiv ist, den Inhalt mit Stoff oder Material der Dichtung zu verwechseln. Denn der Inhalt ist nach unserem Schema zumindest vierschichtig. Die Gestalt (besser: Gestaltung) kann sich auf das Psychologische, das Abbildhafte ebenso wie auf das Wortmaterial beziehen. Selbst der Gehalt kann nach unserer Ansicht zwei bis drei Schichten umfassen.
Schicht: Dieses Kapitel führt das Schichtenmodell nach Nicolai Hartmann ein und erläutert die ontologische Stufung von der Materie bis hin zum Geist, wobei auch die Übertragung auf das Kunstwerk thematisiert wird.
Struktur: Hier wird dargelegt, dass die Strukturanalyse eines literarischen Werkes im Kern eine Schichtanalyse ist, wobei das Zusammenwirken der verschiedenen Schichten die ästhetische Form bildet.
Gattung: Dieses Kapitel definiert Gattungen als wiederholbare, relativ konstante Strukturen, die sich für den Ausdruck menschlicher Standarderlebnisse eignen und in ihrer ontologischen Bedingtheit beschrieben werden.
Schichtentheorie, Ontologie, Nicolai Hartmann, Roman Ingarden, Sprachkunstwerk, Strukturanalyse, Gattungsbegriff, Ästhetik, kategoriale Dependenz, Überformungsverhältnis, Literaturwissenschaft, Grundhaltungen, Transparenz, Idealbegriffe, Schichtenmodell
Die Arbeit beschäftigt sich mit der begrifflichen Klärung und wechselseitigen Abhängigkeit der drei zentralen literaturwissenschaftlichen Termini Schicht, Struktur und Gattung.
Die zentralen Themen sind die ontologische Schichtentheorie, die Analyse der ästhetischen Struktur von Kunstwerken sowie die systematische Einteilung literarischer Gattungen.
Das primäre Ziel ist es, den Gattungsbegriff durch einen Vergleich mit dem Schicht- und Strukturbegriff befriedigend zu erklären und deren gegenseitige Abhängigkeit aufzuzeigen.
Die Methode basiert auf einer ontologisch-phänomenologischen Analyse und dem Vergleich der Schichtenmodelle von Nicolai Hartmann und Roman Ingarden.
Im Hauptteil werden die Schichtmodelle detailliert analysiert, miteinander verglichen, eine Synthese für darstellende Kunstarten entworfen und die Begriffe Struktur und Gattung vor diesem Hintergrund neu definiert.
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Schichtentheorie, Ontologie, Sprachkunstwerk, Strukturanalyse und Gattungsstruktur charakterisiert.
Hartmann unterscheidet diese Schichten, um den Aufbau des Kunstwerks von außen nach innen (vom Wortmaterial bis hin zur allgemeinen Idee) präzise abzubilden, wobei jede Schicht auf der ihr untergeordneten aufruht.
Ingarden ist stärker linguistisch orientiert und gliedert beispielsweise Hartmanns "Realschicht" feiner auf, während er zusätzlich "mannigfache schematisierte Ansichten" einfügt, die bei Hartmann fehlen.
Nein, die Entwicklung lässt sich nicht voraussagen, da Formen nicht aus sich selbst heraus leben, sondern sich mit dem sich wandelnden "Gehalt" bzw. neuen Welterfahrungen verändern.
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