Wissenschaftlicher Aufsatz, 1987
23 Seiten
Ein (digitalisierter) Thesaurus der Literaturwissenschaft?
ANMERKUNGEN
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit und praktische Umsetzbarkeit eines Thesaurus der Literaturwissenschaft, um die oft als unwissenschaftlich kritisierte Terminologie des Fachbereichs zu vereinheitlichen und systematisieren. Der Autor erörtert dabei, wie ein solches Werk als Werkzeug für die internationale Forschung dienen kann und diskutiert die methodischen Herausforderungen bei der Erfassung und Strukturierung literaturwissenschaftlicher Begriffe.
Ein (digitalisierter) Thesaurus der Literaturwissenschaft?
Wie I. A. Richards in seiner Einleitung zu Roget's Pocket Thesaurus gesagt hat, ist ein Thesaurus "das Gegenteil eines Wörterbuchs. Man greift zum Wörterbuch, wenn man ein Wort hat, aber nicht ganz sicher ist, was es bedeutet [...] Man greift zum Thesaurus, wenn man schon die Bedeutung im Sinn hat, jedoch noch nicht das passende Wort. Es mag einem auf der Zungenspitze liegen [...] aber man hat es noch nicht parat. Es ist wie das fehlende Wort eines Kreuzworträtsels. Man spürt genau, dass andere Worte, die man durchprobiert, den Sinn nicht genau treffen [...] Sie sagen zu viel oder zu wenig, sind zu banal oder zu pompös, zu wohlwollend oder zu abwertend. Aber das Wort, das gerade passt, stellt sich nicht ein. Dann greift man zum Thesaurus." - Diese Begründung, die sich auch in dem bekannten Buchtitel "Word Power Made Easy" andeutet, hat wahrscheinlich vor mehr als 130 Jahren die Zusammenstellung des ersten Thesaurus motiviert.
Im Finden des passenden Wortes liegt jedoch nicht sein einziger Sinn. Denn diese Aufgabe erfüllt auch ein Synonymenlexikon. Vor allem macht ein echter Thesaurus (wie der von Roget in seinen vielen Überarbeitungen und Neuauflagen) den Begriffsschatz einer Sprache erst übersichtlich. Das gilt noch viel mehr für den Begriffsschatz einer einzelnen Disziplin, besonders der Literaturwissenschaft, die seit langem an der „Unwissenschaftlichkeit“ ihrer Terminologie leidet.
Ein (digitalisierter) Thesaurus der Literaturwissenschaft?: Das Kapitel legt die theoretische Motivation für einen literaturwissenschaftlichen Thesaurus dar, diskutiert die Problematik bestehender Lexika und skizziert die methodischen Anforderungen an eine systematische Begriffserfassung sowie den Nutzen einer computergestützten Umsetzung.
ANMERKUNGEN: Dieser Abschnitt bietet weiterführende Erläuterungen, bibliographische Angaben und kontextuelle Hinweise zu den im Haupttext behandelten Aspekten der Thesaurus-Erstellung und Lexikographie.
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Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Konzeption und den praktischen Anforderungen an einen Thesaurus der Literaturwissenschaft, der über herkömmliche Wörterbücher hinausgeht und als Grundlage für eine präzisere Fachterminologie dienen soll.
Das Ziel ist die Schaffung eines systematischen Instrumentariums, das literaturwissenschaftliche Begriffe ordnet, ihre Verwandtschaftsgrade aufzeigt und so zur "Verwissenschaftlichung" der fachsprachlichen Terminologie beiträgt.
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Begriffen, das Verhältnis von historischer und systematischer Poetik, die internationale Vergleichbarkeit von Literaturterminologien sowie die Chancen der elektronischen Datenverarbeitung für die Lexikographie.
Der Autor schlägt ein flexibles "Koordinatensystem" von Einteilungskategorien vor, das Hauptaspekte (theoretisch/historisch) mit Interessenrichtungen und Methoden kombiniert, um Begriffe logisch und strukturiert zu erfassen.
Der Computer dient sowohl als Werkzeug für die Roharbeit bei der Zusammenstellung und Korrektur als auch als zukünftiger Speicher (Datenbank), der eine ständig revidierte und für Fachleute abrufbare Terminologieverwaltung ermöglicht.
Er soll ein echtes Werkzeug sein, das nicht nur Synonyme listet, sondern den gesamten Begriffsschatz durch ein systematisches Einteilungsschema überschaubar macht, inklusive Verweisen auf Definitionen in Standardwerken und der Einbindung von "Familienähnlichkeiten" zwischen Begriffen.
Der systematische Teil dient der "Bezeichnislehre" (inhaltliche Felder), während der Index der "Bedeutungslehre" (Alphabetisierung) dient; beides zusammen ermöglicht sowohl das Auffinden bekannter Begriffe als auch das Entdecken kontextueller Zusammenhänge.
Der Autor schlägt eine differenzierte Auffächerung vor: Begriffe werden unter verschiedenen Hauptaspekten (z.B. Redeform vs. Gattung) erfasst, wobei Synonyme, Halbsynonyme und Antonyme durch Satzzeichen und Symbole systematisch in ihren Verwandtschaftsgraden markiert werden.
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