Magisterarbeit, 2007
104 Seiten, Note: 1,3
1. KURZBESCHREIBUNG
3. EINLEITUNG
4. BEFREIUNG VOM BALLAST DER GESCHICHTE – STRATEGIEN DER POLNISCHEN PROSA NACH 1989
4.1. 1989 – Ein Jahr des Umbruchs?
4.2. Mühsame Klassifizierungsversuche und der schwierige Begriff der „Generation“
4.3. Prosa am Wendepunkt – Drei neue Herausforderungen
4.3.1. Zaczarowania świata – Mythisierung als mimetisches Verfahren
4.3.2. Kwestia tożsamości- Biografie und Initiationsprosa
4.3.3. „Powrót fabuły“- Die neue Lust am Erzählen und die Entdeckung der Metafiktionalität
5. ANDRZEJ STASIUK ALS PROSAIST DER 90ER JAHRE
6. LITERATUR- UND KULTURWISSENSCHAFTLICHE RAUMKONZEPTIONEN – ZU ENTWICKLUNG UND STAND DER MODERNEN RAUMFORSCHUNG
6.1. Literaturwissenschaftlich-narratologische Ansätze und Problemstellungen
6.2. Die Bedeutung des Raumes für die Struktur narrativer Texte
6.3. Der Begriff des literarischen Raums
6.4. Der „Topographical Turn“ der 90er Jahre und der Einfluss kulturwissenschaftlicher Raumkonzeptionen auf die literarische Hermeneutik
6.5. Der mythische Raum in der Philosophie Ernst Cassirers
6.6. Fazit und Untersuchungsaspekte
7. JADĄC DO BABADAG – DER GEOPOETISCHE KOSMOS DES ANDRZEJ STASIUK ( Teil I: Inhaltliche Analyse)
7.1. Die Strukturierung und Konzeption des erzählten Raumes
7.1.1. Das ‚vergessene Mitteleuropa’ – Andrzej Stasiuks persönliche Geografie und die Rolle des faktischen Lokals in Jadąc do Babadag
7.1.2. Die literarische Verarbeitung des Mitteleuropa- Konzepts – Mental Mapping als mimetisches Verfahren
7.1.3. Die Transgression nationaler Grenzen
7.2. Einheit in der Vielfalt – Die literarische Konstruktion eines homogenen Raumes Mitteleuropa
7.2.1. Die Äquivalenz geografischer Gegebenheiten
7.2.2. Armut und Verfall – similare Lebensräume
7.2.3. Kulturelle Defizienz als Verbindungsglied
7.2.4. Gemeinsame Erfahrungen der Vergangenheit – Die Beschwörung des Habsburgmythos
7.2.5. Mitteleuropa als Schicksalsgemeinschaft – Das Erbe des Kommunismus
7.2.6. Vergleichbarkeit und Austauschbarkeit als Kriterium räumlicher Übereinstimmung
7.3. Räumliche Dezentralisierung und die Aufwertung der Peripherie
7.3.1. Die Umkehrung topografischer Hierarchien
7.3.2. Erhöhung der Provinz durch Degradierung der „klassischen Zentren“
7.3.3. Ästhetik und Zeichenhaftigkeit der Provinz
7.3.4. Die Rolle des Lichts
7.3.5. Der individuelle Wert der Peripherie
7.4. Die Geografie als Schnittstelle zwischen Realität und Fiktion
7.4.1. Mitteleuropa als Erinnerungsraum
7.4.2. Mitteleuropa als mythischer Raum
8. JADĄC DO BABADAG – DER GEOPOETISCHE KOSMOS DES ANDRZEJ STASIUK (Teil II: Formale Analyse)
8.1. Der Raum als Komponente der Textstruktur
8.1.1. Na co komu chronologia? – Raum und Tempus
8.1.2. Raum und Handlung
8.1.3. Raum und Gattung
8.1.4. Die Konstruktion des Raumes durch den Erzähler
8.1.5. Raum und Figuren
9. SCHLUSS
10. BIBLIOGRAFIE
Die Arbeit untersucht das Raumkonzept im Werk des polnischen Schriftstellers Andrzej Stasiuk, insbesondere in seinem 2004 erschienenen Buch Jadąc do Babadag (Unterwegs nach Babadag). Ziel der Analyse ist es aufzuzeigen, wie Stasiuk durch die Erzählweise und die subjektive Kartografie einen „geopoetischen Kosmos“ Mitteleuropas konstruiert, der sich von nationalstaatlichen Grenzen und klassischen Zentren löst und die Peripherie sowie die Provinz ästhetisch und inhaltlich aufwertet.
7.1.1. Das ‚vergessene’ Mitteleuropa – Andrzej Stasiuks persönliche Geografie und die Rolle des faktischen Lokals in Jadąc do Babadag
Bevor die Beschaffenheit des Raumes in Jadąc do Babadag (Unterwegs nach Babadag) analysiert werden kann, muss zunächst geklärt werden, in welchem topografischen Rahmen sich das Werk abspielt bzw. welche konkreten Ausdehnungen der erzählte Raum umfasst.
Diese Frage scheint auf den ersten Blick nicht schwer beantwortbar, da innerhalb des Werkes geradezu eine Fülle an Ortsnamen dominiert, die zwar zum Teil, dem Namen nach, recht exotisch anmuten und auf gewöhnlichen Landkarten kaum zu finden sind, die jedoch allesamt keineswegs der Phantasie des erzählenden Subjekts entsprungen sind, sondern tatsächlich existieren. Orte wie Gönc, Konieczna, Zborov, Babadag, Huşi u.a., das sind die zentralen Orte, in die der Erzähler den Leser stets von Neuem entführt. Die Bewegung im Raum, die planlose Reise, stellt dabei das entscheidende Medium der Raumaneignung durch den Erzähler dar und ist zugleich Voraussetzung für dessen literarische Konstruktion. Immer wieder unternimmt der Erzähler Ausflüge in die entlegendsten Gefilde Ostmitteleuropas, in Länder, von denen man so wenig weiß (Babadag d, 202), die Jahrhunderte von der Gegenwart entfernt zu sein scheinen, in Gebiete, die zum Teil kein Westeuropäer je betreten hat und die doch zu Europa gehören.
3. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet den Wandel der polnischen Literatur nach 1989 und die Abkehr von nationalen historischen Instanzen hin zu einer individuellen, regionalen Geschichte, wobei das Werk Andrzej Stasiuks als zentraler Untersuchungsgegenstand eingeführt wird.
4. BEFREIUNG VOM BALLAST DER GESCHICHTE – STRATEGIEN DER POLNISCHEN PROSA NACH 1989: Das Kapitel analysiert die narrativen Umbrüche und Herausforderungen, vor denen die polnische Literatur nach dem Fall des Eisernen Vorhangs stand, und diskutiert Begriffe wie „Generation“ und „Mythisierung“ als neue literarische Strategien.
5. ANDRZEJ STASIUK ALS PROSAIST DER 90ER JAHRE: Hier wird Andrzej Stasiuk in den Kontext der zeitgenössischen polnischen Literatur eingeordnet, wobei seine Abkehr von kollektiven Themen zugunsten einer ästhetischen Ausgestaltung der osteuropäischen Provinz hervorgehoben wird.
6. LITERATUR- UND KULTURWISSENSCHAFTLICHE RAUMKONZEPTIONEN – ZU ENTWICKLUNG UND STAND DER MODERNEN RAUMFORSCHUNG: Dieser theoretische Teil setzt sich mit der wissenschaftlichen Literatur zur Raumforschung auseinander, von Lessings Zeit-These bis zu Cassirers Philosophie des mythischen Raumes, und bereitet das methodische Instrumentarium für die Textanalyse vor.
7. JADĄC DO BABADAG – DER GEOPOETISCHE KOSMOS DES ANDRZEJ STASIUK ( Teil I: Inhaltliche Analyse): Dieses Hauptkapitel untersucht, wie Stasiuk durch persönliche Geografie, Mental Mapping und die Aufwertung der Peripherie einen homogenen, mitteleuropäischen Raum erschafft, der als Identitätskonstrukt fungiert.
8. JADĄC DO BABADAG – DER GEOPOETISCHE KOSMOS DES ANDRZEJ STASIUK (Teil II: Formale Analyse): Der zweite Analyseteil konzentriert sich auf formale Aspekte der Textstruktur, wie die Rolle des Tempus, die fragmentarische Handlung und die Interdependenz zwischen Raum und erzählendem Ich.
9. SCHLUSS: Zusammenfassende Betrachtung der zentralen Ergebnisse, die den Raum als konstitutive Komponente von Stasiuks Poetik und als Ausdruck einer tiefen, individuellen existentiellen Identität innerhalb eines als fragmentarisch erlebten Mitteleuropas hervorhebt.
Andrzej Stasiuk, Jadąc do Babadag, Mitteleuropa, Raumforschung, Topographical Turn, Mental Mapping, Peripherie, Prosa nach 1989, Poetik, Identität, Mythos, Ernst Cassirer, Erinnerungsraum, geopoetischer Kosmos, polnische Literatur.
Die Arbeit untersucht die literarische Gestaltung und die Bedeutung des Raumes im Werk des polnischen Schriftstellers Andrzej Stasiuk, insbesondere in seinem Werk „Jadąc do Babadag“.
Die zentralen Themen sind die Neuerfindung einer mitteleuropäischen Identität, die Ästhetisierung der osteuropäischen Provinz, die Verbindung von Raum und Erinnerung sowie die Abkehr von nationalen Geschichtsnarrativen.
Ziel ist es, die narrative Kategorie des Raumes in Stasiuks Prosa zu analysieren und aufzuzeigen, wie das subjektive Erleben des Autors die traditionelle Kartografie des Raumes ersetzt.
Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche und narratologische Ansätze zur Raumforschung, integriert kulturwissenschaftliche Raumtheorien wie die von Ernst Cassirer und analysiert die Verknüpfung von Psychologie und Geografie.
Der Hauptteil ist in eine inhaltliche und eine formale Analyse unterteilt. Er untersucht die Konstruktion des „vergessenen Mitteleuropa“, die Bedeutung des Zerfalls als ästhetisches Motiv und die formale Strukturierung des Textes durch das Ich-Erzähler-Konzept.
Wichtige Begriffe sind „geopoetischer Kosmos“, „Mental Mapping“, „Aufwertung der Peripherie“, „mythischer Raum“ und die „Auflösung nationaler Grenzen“.
Das Mental Mapping ist für Stasiuk zentral, da er den geografischen Raum nicht objektiv vermisst, sondern durch seine persönliche Erinnerung, seine emotionalen Assoziationen und seine subjektive Wahrnehmung narrativ neu erschafft.
Der materielle Verfall ist für den Erzähler nicht bloß ein Zeichen von Trostlosigkeit, sondern ein ästhetisches und metaphysisches Motiv, das eine zyklische Weltsicht unterstreicht und die Flüchtigkeit der menschlichen Existenz verdeutlicht.
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