Bachelorarbeit, 2004
55 Seiten, Note: 5.75 (von 6)
1. Einleitung
2. Das Hotelling-Modell
2.1. Problemstellung und Ausgangslage
2.2. Die sozial optimale Abbaurate
2.3. Lösung bei Konkurrenz
2.4. Lösung bei Monopol
2.5. Eigentumsschutz und Marktversagen
3. Eine Heuristik der Eigentumsrechte
3.1. Formale vs. informale Eigentumsrechte
3.2. Kriterien zur Abgrenzung unterschiedlicher Systeme von Eigentumsrechten
4. Eigentumsverhältnisse an Ölreserven im arabischen Raum
4.1. Vom Konzessionsmodell zur staatlichen Souveränität
4.2. Charakterisierung des Konzessionsmodells als Eigentumsrechtssystem
4.3. Einfluss der Eigentumsordnung auf das Abbauverhalten
4.4. Besitzverhältnisse bezüglich Infrastruktur
5. Regionale sicherheitspolitische Herausforderungen und Eigentumsschutz
5.1. Innenpolitische Risikofaktoren
5.2. Aussenpolitische Risikofaktoren
5.3. Auswirkungen auf die Eigentumsverhältnisse
6. Das Abbauverhalten Öl exportierender Staaten im Lichte regionaler sicherheitspolitischer Herausforderungen
7. Schlussbemerkung
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Sicherheit von Eigentumsrechten an Ölreserven und dem Abbauverhalten Öl exportierender Staaten im Mittleren Osten unter Anwendung des Hotelling-Modells, um zu klären, ob politische Instabilität zu einem suboptimalen Ressourcenabbau führt.
3.1. Formale vs. informale Eigentumsrechte
Eigentumsrechte haben institutionellen Charakter und stellen in dieser Eigenschaft ein stabiles Set von Erwartungen bezüglich der Frage dar, wie sich das Verhalten eines Personenkreises in Abhängigkeit von unterschiedlichen Umweltzuständen verändert (Weimer, S. 2 ff.). Dabei sind formale und informale Institutionen auseinander zu halten: während erstere auf staatlichen Regelungen und Gesetzen basieren, entstehen letztere aufgrund von Normen und Konventionen. Entscheidend ist nun in beiden Fällen, welche Erwartungen sich an die jeweilige Form der Institution knüpfen.
Formale Institutionen, welche rechtsstaatlich abgesichert sind, schränken den individuellen Handlungsspielraum mehr oder weniger stark ein und mindern damit das Risiko willkürlichen und sozial schädlichen Verhaltens. Mit Bezug auf die Situation der Eigentumsrechte heisst dies, dass die Erwartungen an deren Fortbestand innerhalb eines realistisch abschätzbaren Zeitraums stabil optimistisch sind. Unter Einbezug aller Eventualitäten besteht netto eine relative Sicherheit, dass ein angemessener Eigentumsschutz gewährleistet ist. Im Falle informaler Institutionen, die sich ausserhalb rechtsstaatlicher Prozesse herausbilden, ist im Gegensatz dazu schon bei ihrer Entstehung mit Willkür zu rechnen. Normen und Konventionen sind instrumentalisierbar und werden jeweils von jenem Personenkreis beansprucht bzw. einseitig geändert, der über die effektive Machtposition verfügt. Weil informale Institutionen über keine absolut geltenden und rechtsstaatlich legitimierten Regeln verfügen, lassen sich verbindliche Prognosen über das individuelle Verhalten gegenüber derartigen Institutionen nur schwerlich ableiten und es besteht ein erhöhtes Risiko sozial schädlichen Verhaltens. Dieser hohe Unsicherheitsfaktor wirkt sich in der langen Frist negativ auf die Erwartungen bezüglich eines wirksamen Eigentumsschutzes aus, dessen Fortbestand pessimistisch betrachtet wird.
Die soeben beschriebenen Fälle rein formaler oder informaler Eigentumsrechte sind idealtypisch und in Realität kaum in dieser eindeutigen Ausprägung anzutreffen. Gerade was Eigentumsrechte in ihrer formal-institutionellen Ausprägung angeht, weist Weimer (S. 3) darauf hin, dass „laws do not always define institutions. For laws to be defining, people must expect that they will be followed“.
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Arbeit und erläutert, warum das Hotelling-Modell eine Erweiterung um politische Faktoren der Eigentumssicherung im Mittleren Osten benötigt.
2. Das Hotelling-Modell: Dieses Kapitel führt in die ökonomische Theorie der nicht-erneuerbaren Ressourcen ein und diskutiert die Bedingungen für optimale Abbauraten unter verschiedenen Marktformen.
3. Eine Heuristik der Eigentumsrechte: Hier werden formale und informale Eigentumsrechte unterschieden und Kriterien definiert, um die Stabilität und den Schutz von Ressourcenrechten theoretisch zu erfassen.
4. Eigentumsverhältnisse an Ölreserven im arabischen Raum: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Wandel vom Konzessionsmodell hin zur staatlichen Souveränität nach und analysiert deren Auswirkungen auf die Ölproduktion.
5. Regionale sicherheitspolitische Herausforderungen und Eigentumsschutz: Die Analyse von innen- und aussenpolitischen Risiken zeigt, wie Instabilität die Wirksamkeit des Eigentumsschutzes gefährdet.
6. Das Abbauverhalten Öl exportierender Staaten im Lichte regionaler sicherheitspolitischer Herausforderungen: Dieses Kapitel prüft empirisch, ob sich theoretische Hotelling-Vorhersagen in der Realität der Öl exportierenden Staaten bestätigen lassen.
7. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, die unterstreicht, dass politische Risiken tendenziell zu einem verlangsamten Ressourcenabbau führen.
Hotelling-Modell, Eigentumsrechte, Ölreserven, Ressourcenökonomie, Mittlerer Osten, Konzessionsmodell, Staatliche Souveränität, Sicherheitspolitik, Marktversagen, Abbauverhalten, Rentier-Staat, Politische Instabilität, Erdöl, Infrastruktur, Diskontierung
Die Arbeit untersucht das Ressourcenmanagement von Öl exportierenden Staaten im Mittleren Osten unter dem Blickwinkel, wie politische Sicherheit und Eigentumsrechte die Abbaustrategien beeinflussen.
Die Arbeit verknüpft Ressourcenökonomie (Hotelling-Modell) mit Politikwissenschaft, insbesondere im Kontext von Eigentumsschutz, nationaler Souveränität und geopolitischer Instabilität.
Es wird untersucht, wie sich institutionelle Defizite und Sicherheitsbedrohungen in arabischen Ölstaaten auf das Abbauverhalten auswirken und ob diese Akteure den optimalen Abbaupfad einhalten.
Die Arbeit nutzt einen theoretischen Analyserahmen basierend auf dem Hotelling-Modell sowie eine empirische Überprüfung mittels Preis- und Produktionsdaten im Vergleich zu Zinssätzen.
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Heuristik der Eigentumsrechte, eine historische Aufarbeitung des Wandels vom Konzessionsmodell zur staatlichen Kontrolle sowie eine detaillierte sicherheitspolitische Umweltanalyse.
Zentrale Begriffe sind Eigentumsrechte, Hotelling-Modell, Ölreserven, Rentier-Staat und politische Sicherheit im Mittleren Osten.
Im Gegensatz zu den Ölreserven selbst, die aufgrund der staatlichen Macht relativ geschützt sind, ist die physische Ölinfrastruktur (Pipelines, Raffinerien) durch terroristische Anschläge hochgradig exponiert und gefährdet.
Nein, die empirische Analyse zeigt, dass die betroffenen Staaten in riskanten Phasen paradoxerweise ihre Abbauraten verlangsamen, was eine Abweichung vom klassischen Modell darstellt.
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