Examensarbeit, 2007
97 Seiten, Note: 2,0
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
I. Einleitung
II. Hinführung
a. Der Nationalsozialismus als politische Ersatzreligion
b. Der Tod als Gefahr für das politische Kollektiv des NS
III. Der Soldatentod in der Wehrmacht des Zweiten Weltkrieges
a. Quantitative Aspekte: Anzahl, Zeiträume und Orte des Sterbens
b. Qualitative Aspekte: Formen des Soldatentodes
c. Kenntnisnahme und –stand über den Soldatentod bei der NS-Führung
IV. Nationalsozialistische Propagandaformen
a. Begriffe
i. Held
ii. Opfer
b. Feiern, Gedenken und Verehren während des Zweiten Weltkrieges
i. Feiern am Heldengedenktag
ii. Der 9. November als Gedenktag
iii. Örtliche Heldenehrungsfeiern / Gedenkfeiern im Reich
iv. Kriegerdenkmäler, Monumentalbauten und Kriegsfriedhöfe
c. Todesanzeigen
i. Funktionen
ii. Ausgestaltung
iii. Wirkung
V. Stalingrad als Bruchstelle nationalsozialistischer Mythen
a. Militärischer Verlauf bis zur Niederlage
b. Die nationalsozialistische Deutung und deren Rezeption
VI. Fazit
Diese Arbeit untersucht, in welcher Form die nationalsozialistische Propaganda den Soldatentod im Zweiten Weltkrieg instrumentalisierte, um die Akzeptanz totalitärer Herrschaft trotz zunehmender Kriegsniederlagen aufrechtzuerhalten. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie durch die Deutung des Todes als Opfer oder Heldentat Verarbeitungsmechanismen bei der Bevölkerung beeinflusst werden sollten und inwieweit diese Propaganda an der Realität des Massensterbens scheiterte.
i. Held
Das Wörterbuch der Deutschen Sprache von Gerhard Wahrig beschreibt einen Helden als „einen mutigen und tapferen Krieger“ und als „jemand, der etwas erstaunliches leistet oder leisten kann“76. Der Held ist aufgrund seiner Vielgestaltigkeit der zentrale Akteur totalitärer Mythen.77 Insbesondere spielte der Heroismus als Einstellung im NS eine außerordentliche Rolle. Nach Viktor Klemperer hatte kein anderer Begriff vor allem die junge Generation so tief geprägt und sie gleichzeitig in ein gegensätzliches Verhältnis zum „Wesen der Humanität, der Kultur und der Demokratie“ gesetzt.78
Hitlers persönliche, konkrete Heldenvorstellungen basieren auf 3 Säulen. Zum ersten befindet sich der Held in einem ständigen Kampf, zum Zweiten ist das Volk bzw. die Rasse das Zentrum aller Handlungen des Helden, er kämpft für dessen Überleben und Vorherrschaft. Drittens ist der Held eine Einzelpersönlichkeit, die der Mehrheit ihren Willen aufzwingt. Aus diesen drei Säulen ergeben sich für Hitler zwei Typen von Helden: der Carlylesche Heldentypus,79 welcher als Lenker und Führer handelnd die Geschichte eines Volkes bestimmt und der opfernde und rettende Held, welcher als Verfügungsmaterial des Herrschers für das Volk kämpft.80 Für Hitler ist diese Aufteilung in zwei Heldenvarianten persönlich bedeutsam, weil er damit sich selbst eindeutig dem führenden Held zuordnen kann. Diese Aufteilung widersprach sich in mancherlei Punkten. Wichtiger war dabei jedoch, dass auch ohne die Verschmelzung dieser Heldenfiguren die Überzeugungsfähigkeit Hitlers nichts von ihrer Kraft verlor.81
I. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Untersuchungsfeld der NS-Propaganda im Kontext der totalitären Herrschaft und des Zweiten Weltkriegs vor und formuliert die zentralen Forschungsfragen zur Bewältigung des Soldatentodes.
II. Hinführung: Das Kapitel analysiert den Nationalsozialismus als politische Ersatzreligion und beleuchtet den Tod als fundamentale Gefahr für das Integrationsversprechen der NS-Volksgemeinschaft.
III. Der Soldatentod in der Wehrmacht des Zweiten Weltkrieges: Dieser Abschnitt bietet eine quantitative und qualitative Analyse der deutschen Militärverluste sowie einen Einblick in die Bemühungen der Wehrmachtsauskunftstelle zur Erfassung des Sterbens.
IV. Nationalsozialistische Propagandaformen: Hier werden die zentralen Begriffe "Held" und "Opfer" sowie die verschiedenen rituellen Gedenkformen und Todesanzeigen als Instrumente der Propaganda untersucht.
V. Stalingrad als Bruchstelle nationalsozialistischer Mythen: Dieses Kapitel arbeitet die Niederlage bei Stalingrad als Wendepunkt heraus, an dem die nationalsozialistische Deutungshoheit und die Glaubwürdigkeit der Todespropaganda in sich zusammenbrachen.
VI. Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zur Instrumentalisierung des Soldatentodes zusammen und unterstreicht das Scheitern der nationalsozialistischen Propaganda an der Realität des zunehmenden Massensterbens.
Nationalsozialismus, Propaganda, Soldatentod, politische Ersatzreligion, Heldenmythos, Opfermythos, Volksgemeinschaft, Zweiter Weltkrieg, Stalingrad, Totenkult, Kriegerdenkmäler, Todesanzeigen, Wehrmacht, Feldpost, Kontingenzbewältigung
Die Arbeit untersucht, wie das nationalsozialistische Regime mittels Propaganda versuchte, den Tod deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg ideologisch zu interpretieren, um die Unterstützung der Bevölkerung zu sichern.
Zentrale Themen sind die religiöse Überhöhung des Nationalsozialismus, die Konstruktion von Helden- und Opferbildern, die Bedeutung öffentlicher Gedenkrituale sowie die Reaktion der Bevölkerung auf offizielle Propaganda angesichts steigender Verlustzahlen.
Ziel ist es zu ergründen, ob die nationalsozialistische Propaganda ihrem Legitimierungsanspruch in Bezug auf den Soldatentod gerecht werden konnte und wie sich die Akzeptanz dieser Deutungsmuster im Kriegsverlauf veränderte.
Die Arbeit basiert auf einer Analyse historischer Quellen, darunter Feldpostbriefe, Meldungen aus dem Reich, NS-Propagandavorgaben sowie eine Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Forschungsliteratur zur politischen Religion.
Der Fokus liegt auf der Diskrepanz zwischen der offiziellen, heldenhaften Darstellung des Sterbens durch das NS-Regime und der zunehmend kritischen Wahrnehmung sowie den Verarbeitungsmechanismen innerhalb der Bevölkerung.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Heldengedenktag", "Opfermythos", "politische Ersatzreligion", "Kontingenzbewältigung" und "Stalingrad" charakterisiert.
Stalingrad markiert eine Zäsur, in der die offizielle Deutung des Todes als "heldenhaftes Opfer" an der harten Realität des Massensterbens und der Gefangennahme scheiterte, wodurch die Glaubwürdigkeit des Regimes nachhaltig erschüttert wurde.
Todesanzeigen entwickelten sich von einem privaten Trauerritual zu einem gesellschaftlichen Indikator, an dem die Bevölkerung die wahren Ausmaße der deutschen Verluste abzulesen versuchte, was das Regime durch Zensur zu unterbinden suchte.
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