Examensarbeit, 2007
83 Seiten, Note: 1,7
1. EINLEITUNG
2. „FRAUENLITERATUR“
3. DIE GESCHICHTE DES WEIBLICHEN – EINE GESCHICHTE DER ABSENZ
4. LITERARISCHE KONSTRUKTIONEN DER WEIBLICHKEIT
4.1 Die Mutter als mystisches Urbild
4.2 Die „enteignete“ Mutter und „kastrierte“ Frau
4.3 Die Frau als Rätsel, Gefahr und Verheißung
4.4 Objekt- und Subjektcharakter der Frau
4.5 Die „gleichwertige“ Frau
4.6 Die „scheinemanzipierte“ Frau der Aufklärung
4.7 Die ökonomisch und gesellschaftlich abhängige Frau
5. LITERARISCHE KONSTRUKTIONEN WEIBLICHER IDENTITÄT BEI JELINEK
5.1 Weibliche Identität als männlicher Schöpfungsakt
5.1.1 Gerti (Lust)
5.1.2 Dornröschen (Der Tod und das Mädchen II)
5.2 Weibliche Autorschaft
5.2.1 Elfi Elektra (Ein Sportstück)
5.3 Die „emanzipierte“ Frau
5.3.1 Erika Kohut (Die Klavierspielerin)
5.4 Mütter und Töchter
5.4.1 Paula (Die Liebhaberinnen)
5.4.2 Anna Witkowski (Die Ausgesperrten)
5.5 Die „kranke“, „moderne“ Frau
5.5.1 Emily und Carmilla (Krankheit oder Moderne Frauen)
6. SCHLUSSBEMERKUNG
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht literarische Konstruktionen weiblicher Identität in ausgewählten Werken von Elfriede Jelinek und ordnet diese in den literaturhistorischen Kontext ein, wobei insbesondere das Spannungsfeld zwischen männlich geprägten Identitätsbildern und dem Diskurs der „Frauenliteratur“ beleuchtet wird.
5.1 Weibliche Identität als männlicher Schöpfungsakt
Elfriede Jelinek greift das Motiv der durch den Mann konstruierten weiblichen Identität häufig in ihren Werken auf. In „Clara S. Musikalische Tragödie” stellt die Protagonistin Clara S. fest: „Der Mann bildet ab, die Frau wird nachgebildet.“ (C 124) Der Mann stellt die Vorlage, nach der die Frau gebildet wird, dar. Dies ist ein traditionelles Bild, welches schon in der biblischen Schöpfungsgeschichte zu finden ist. Eva wird aus der Rippe Adams erschaffen, d.h. die Frau wird nicht nur auf der zeitlichen Ebene nach dem Mann gebildet, ihre Existenz ist auch nur durch die des Mannes möglich. Jelinek spielt auf die biblische Schöpfungsgeschichte explizit an, als sie Carmilla, eine weibliche Figur aus „Krankheit oder Moderne Frauen“, sagen lässt: „Ich bin schließlich aus Beseeltem gemacht, nicht aus Staub. Ich bin aus einer Rippe entstanden. Spricht das nicht ein wenig für mich?“ (KM 200) In der heutigen Gesellschaft beherrscht der „Herr Gott“ zwar nicht mehr die Existenz der Frau, aber deren Identität. Das Bild der Frau in der heutigen medialen Gesellschaft wird zumeist von Männern geprägt und dient als Identitätsvorlage für Frauen. So wird der Mann zum Schöpfer der Frau.
1. EINLEITUNG: Einführung in die Forschungsaufgabe, die Untersuchung literarischer Weiblichkeitskonstruktionen bei Elfriede Jelinek im Kontext feministischer Diskurse zu beleuchten.
2. „FRAUENLITERATUR“: Definition und geschichtliche Einordnung des Begriffs sowie die Forderung nach einer neuen, dekonstruktiven Ästhetik.
3. DIE GESCHICHTE DES WEIBLICHEN – EINE GESCHICHTE DER ABSENZ: Analyse der soziopolitischen und kulturhistorischen Marginalisierung der Frau als Ursache für die Produktion stereotyper Bilder.
4. LITERARISCHE KONSTRUKTIONEN DER WEIBLICHKEIT: Vorstellung historischer, männlich geprägter Frauenbilder wie der Mutter, des Objekts oder der „scheinemanzipierten“ Frau.
5. LITERARISCHE KONSTRUKTIONEN WEIBLICHER IDENTITÄT BEI JELINEK: Tiefgehende Untersuchung von Jelineks Werk, in dem weibliche Figuren männliche Schöpfungsakte und Rollenzuweisungen dekonstruieren oder an diesen zerbrechen.
6. SCHLUSSBEMERKUNG: Fazit über die Resignation Jelineks hinsichtlich eines positiven weiblichen Identitätsentwurfs angesichts der fortbestehenden männlichen Herrschaftsstrukturen.
Elfriede Jelinek, Frauenliteratur, Weibliche Identität, Geschlechterdifferenz, Dekonstruktion, Mythenzertrümmerung, Patriarchat, Subjektcharakter, Schöpfungsakt, Mutter-Tochter-Verhältnis, Moderne Frau, Körperkult, Autorschaft, Psychoanalyse, Herrschaftsdiskurs
Die Arbeit analysiert, wie literarische Texte von Elfriede Jelinek traditionelle, männlich geprägte Vorstellungen von Weiblichkeit dekonstruieren und ob diese Werke einen neuen, emanzipatorischen Entwurf weiblicher Identität bieten.
Im Zentrum stehen die Kategorien von Autorschaft, das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter, die Inszenierung der Frau als Objekt oder Konstrukt und der Zusammenhang zwischen moderner Emanzipation und Krankheit.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Jelineks Frauenfiguren zwar patriarchale Mythen entlarven, aber aufgrund der tief verwurzelten männlichen Herrschaftsstrukturen selbst an ihrer Identitätsfindung scheitern oder „krank“ werden.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die feministische Literaturtheorie (u.a. Bovenschen, Richter-Schröder) mit psychoanalytischen Ansätzen (Freud, Hegel) und kulturkritischen Theorien (Barthes) verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Vorbetrachtung historischer Frauenbilder und eine detaillierte, textnahe Untersuchung von Jelineks Romanen und Theaterstücken (u.a. „Lust“, „Die Klavierspielerin“, „Ein Sportstück“).
Wichtige Begriffe sind Dekonstruktion, Mythenzertrümmerung, weibliche Autorschaft, Geschlechterdifferenz und die Problematik des (Kunst-)Objekt-Status der Frau.
Jelinek stellt die Mutter-Tochter-Beziehung oft als dysfunktionales Konkurrenzverhältnis dar, in dem die Mutter der Tochter ihre eigenen unerfüllten Lebensträume aufbürdet oder als Spiegel ihrer eigenen Vergänglichkeit instrumentalisiert.
Nach Jelinek scheitert die „moderne“ oder „emanzipierte“ Frau oft daran, dass sie lediglich männliche Verhaltensweisen imitiert, ohne eine eigene weibliche Identität außerhalb der patriarchalen Logik zu finden; dieser Widerspruch führt zur psychischen und physischen Erkrankung.
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