Magisterarbeit, 2007
114 Seiten, Note: gut
1. Einleitung
2. Die Bedeutung der Tierverehrung
2.1 Definition der heiligen Tiere bzw. Tempeltiere
2.2 Wahrnehmungen des altägyptischen Tierkultes bei Angehörigen zeitgenössischer Völker und Glaubensgemeinschaften
2.3 Wahrnehmungen des altägyptischen Tierkultes aus der moderneren Sicht
3. Die Wc b.t–Anlage und der dazugehörige Mundöffnungsraum
3.1 Der allgemeine Aufbau der Tierkultanlage
3.2 Der allgemeine Aufbau der Wc b.t–Anlage
3.3 Bestimmung des Mundöffnungsraumes mit Hilfe der archäologischen Funde
4. Diverse Funktionen der Wc b.t–Anlage und des dazugehörigen Mundöffnungsraumes
4.1 Exkurs: Der allgemeine Aufbau von Festen
4.1.1 Die Choiakfeste
4.1.2 Das Neujahrsfest
4.2 Das Einwirken des Osiris–Mythos in den Tierkult
4.2.1 Die Natur des Osiris
4.2.2 Die Wiederspiegelung des Osiris–Mythos im Tierkult
4.3 Die Einbalsamierung
4.4 Das Mundöffnungsritual
4.4.1 Zur Geschichte des Rituals
4.4.2 Der Verlauf des Mundöffnungsrituals
4.4.3 Die verschiedenen Räumlichkeiten des Mundöffnungsrituals
4.5 Die Zusammenfassung der Funktionen der Wc b.t–Anlage und des dazugehörigen Mundöffnungsraumes
5. Die Rekonstruktion der verschiedenen Mundöffnungsräume
5.1 Der Mundöffnungsraum vom Serapeum von Memphis
5.1.1 Hintergrundinformationen über das Serapeum
5.1.2 Die 3–D Rekonstruktion des Mundöffnungsraumes
5.2 Der Mundöffnungsraum von Tuna el–Gebel
5.2.1 Hintergrundinformationen über Tuna el–Gebel
5.2.2 Die 3–D Rekonstruktion des Mundöffnungsraumes
5.3 Der Mundöffnungsraum von Elephantine
5.3.1 Hintergrundinformationen über Elephantine
5.3.2 Die 3–D Rekonstruktion des Mundöffnungsraumes
6. Zusammenfassung
7. Anhang
7.1 Eine 3–D Bildergalerie des rekonstruierten Mundöffnungsraums
7.2 Eine 3–D Bildergalerie des rekonstruierten Mundöffnungsraums vom Serapeum in Memphis
7.3 Eine 3–D Bildergalerie des rekonstruierten Mundöffnungsraums in Tuna el–Gebel
7.4 Eine 3–D Bildergalerie des rekonstruierten Mundöffnungsraums in Elephantine
Die vorliegende Arbeit untersucht die funktionale Bedeutung der sogenannten Wc b.t-Anlagen und insbesondere des Mundöffnungsraumes innerhalb altägyptischer Tierkultanlagen. Dabei wird analysiert, wie diese spezifischen Räumlichkeiten in den rituellen Kontext der Tierverehrung, der Mumifizierung und der königlichen Festkultur eingebettet sind, wobei der Fokus auf dem Versuch liegt, diese Orte archäologisch und rituell zu lokalisieren und zu interpretieren.
4.4.1 Zur Geschichte des Rituals
Der ursprüngliche Sinn und Zweck des Mundöffnungsrituals (ägyptischer Titel wp.t–r c) bestand in der Beseelung von Statuen. Im Laufe der Zeit hat es sich dann zu einem Konsekrationsritual entwickelt, das an allen möglichen heiligen Gegenständen, vom Opferständer bis hin zum gesamten Tempel, durchgeführt wird, um sie ihrem heiligen Zweck zu weihen. Mit diesem Ritual wird die Statue von einem Objekt handwerklicher Kunst in einen Kultleib umgewandelt, der im Rahmen der heiligen Handlungen zur Beseelung durch einen Gott oder Ahnengeist befähigt ist.
Das Mundöffnungsritual darf hinsichtlich seiner Komposition und seiner Traditionsgeschichte als eines der Komplexesten innerhalb der altägyptischen Religionsgeschichte bezeichnet werden. Sein Überlieferungszeitraum erstreckt sich von der ersten Erwähnung bei Metjen (Übergang 3. – 4. Dynastie) bis in die spätrömische Epoche. Dank der nach wie vor grundlegenden Edition und Bearbeitung durch E. OTTO, der vom „komplexe[n] Charakter des Neuen Reiches–Rituals“ spricht, kann man die verschiedenen Schichten, aus denen es sich spätestens seit dieser Zeit zusammensetzt, einigermaßen deutlich voneinander unterscheiden.
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Bedeutung der altägyptischen Tierverehrung und die Motivation hinter der aufwendigen Vorsorge für heilige Tiere sowie das Ziel der Arbeit, die räumlichen Zusammenhänge der Tierkultanlagen zu untersuchen.
2. Die Bedeutung der Tierverehrung: Dieses Kapitel erörtert die Definitionen und Gruppierungen heiliger Tiere und beleuchtet deren Wahrnehmung durch Zeitgenossen sowie aus moderner ägyptologischer Sicht.
3. Die Wc b.t–Anlage und der dazugehörige Mundöffnungsraum: Hier wird der bauliche Aufbau von Tierkultanlagen analysiert, mit Fokus auf die Wc b.t-Anlage und die Bestimmung des Mundöffnungsraumes anhand archäologischer Funde.
4. Diverse Funktionen der Wc b.t–Anlage und des dazugehörigen Mundöffnungsraumes: Dieses umfangreiche Kapitel untersucht die rituellen Funktionen der Anlagen, insbesondere im Rahmen von Festen, Prozessionen, dem Osiris-Mythos, der Einbalsamierung und dem Mundöffnungsritual.
5. Die Rekonstruktion der verschiedenen Mundöffnungsräume: Es erfolgt eine detaillierte Betrachtung der archäologischen Befunde und 3-D-Rekonstruktionen der Mundöffnungsräume in den bedeutenden Kultorten Serapeum (Memphis), Tuna el-Gebel und Elephantine.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung führt die zentralen Erkenntnisse der Arbeit über die Funktion und Struktur der Wc b.t-Anlagen sowie die Rolle des Mundöffnungsrituals zusammen.
7. Anhang: Der Anhang präsentiert Bildmaterial, inklusive einer 3-D-Bildergalerie, die die rekonstruierten Mundöffnungsräume an den untersuchten Kultstätten visualisiert.
Tierkult, Mundöffnungsritual, Wc b.t-Anlage, Osiris, Altägypten, Tempelarchitektur, Bestattungsriten, Einbalsamierung, Serapeum, Tuna el-Gebel, Elephantine, Königsideologie, Kultpraxis, Jenseitsvorstellungen, Ibis-Galerien
Die Magisterarbeit untersucht die Rolle und Funktion der Wc b.t-Anlagen und spezieller die Funktion des Mundöffnungsraumes innerhalb der altägyptischen Tierkultanlagen.
Im Zentrum stehen die altägyptische Tierverehrung, die Festkultur, der Einbalsamierungsprozess und die damit verbundenen rituellen Handlungen, die zur Einordnung der Tierkultstätten in die Königsideologie dienen.
Das primäre Ziel ist es, die räumliche Struktur und die sakrale Funktion von Mundöffnungsräumen in Tierkultanlagen zu analysieren und deren Bedeutung durch den Vergleich archäologischer Funde und ritueller Überlieferungen besser zu verstehen.
Die Autorin nutzt eine Kombination aus archäologischer Befundanalyse, literaturwissenschaftlicher Untersuchung von Festritualen sowie eine visuelle Rekonstruktion mittels 3-D-Modellen, um die Örtlichkeiten und Abläufe zu veranschaulichen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Tierverehrung, die Analyse des Aufbaus der Wc b.t-Anlagen, die Funktionen innerhalb der Festriten, das Mundöffnungsritual und schließlich die detaillierte archäologische Rekonstruktion der spezifischen Mundöffnungsräume in drei ausgewählten Kultorten.
Zentrale Begriffe sind Tierkult, Mundöffnungsritual, Wc b.t-Anlage, Osiris-Mythos, Einbalsamierung und die archäologische Untersuchung der Anlagen von Memphis, Tuna el-Gebel und Elephantine.
Die Arbeit stellt fest, dass Tiere eine analoge Verehrung wie Menschen erfuhren, jedoch deuten archäologische Indizien darauf hin, dass die Mundöffnung bei Tieren oftmals innerhalb der dafür vorgesehenen Wc b.t-Anlagen stattfand, während sie in Darstellungen beim Menschen häufiger vor dem Grab lokalisiert wird.
Das "Goldhaus" (h. w.t-nb) wird in der Arbeit als funktional äquivalent zur "reinen Stätte" (Wc b.t) identifiziert, wobei es als zentraler Ort sowohl für die Herstellung ritueller Statuen als auch für Balsamierungs- und Mundöffnungsriten fungierte.
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