Fachbuch, 2007
34 Seiten
Versöhnung
Der Beginn von Versöhnung
Die Trennung der Gemeinde
Die neue Versöhnung
Der Wunsch der Gemeinde
Das Sakrale
Raum der Einkehr
Der Weg zum neuen Haus
Weg und Raum der Kapelle
Das neue Haus der Gemeinde
Ästhetik und innerer Gehalt
Form als Botschaft
Gedenken und Sakralität
Der Ort des Gedenkens
Eine Zukunft für Versöhnung
Übersicht
Die vorliegende Arbeit untersucht die architektonische und spirituelle Entwicklung der Versöhnungskapelle in Berlin-Mitte als Ort, der sowohl als aktives Gotteshaus als auch als Mahnmal für die deutsch-deutsche Teilungsgeschichte fungiert.
Raum der Einkehr
Neben den Wunsch nach Sakralem trat die Suche nach Angemessenheit an die eigenen Möglichkeiten und Bedürfnisse. Die Entscheidung der Gemeinde, aufgrund gesunkener Mitgliederzahlen einen kleinen Kirchraum zu bauen, führte zum Entwurf einer Kapelle.
Ursprünglich war die Kapelle Aufbewahrungsort des legendären Mantels des heiligen Martinus am Hof der fränkischen Könige. Im Lateinischen steht das Wort cappa für den Mantel, von dem sich auch das deutsche Wort Kapelle ableitet. Später wurde der Bautypus als Pfalz-Kapelle adaptiert und diente fortan als Ort der Aufbewahrung von Reliquien und anderer heiliger Gedenkstücke.
Der Bautypus entwickelte sich bis in die Gegenwart zum Raum der Stille, des Nachdenkens, der Selbstbesinnung. Dieser Grundgedanke der Kapelle deckte sich mit dem Wunsch der Versöhnungsgemeinde nach einem Ort des Gedenkens und der individuellen Einkehr. Zugleich entstand mit der Versöhnungskapelle aber auch eine Gottesdienstkirche, die die Aufgaben einer Pfarrkirche übernimmt.
Die Versöhnungskapelle entstand im Spannungsfeld verschiedener Ansprüche. Nach dem Wunsch der Gemeinde dient sie dem Gedenken und der Dokumentation, dabei verkörpert sie Innerlichkeit und Öffentlichkeit in einem und untersteht folglich dem religiös-spirituellen und dem sozialen Leben. Im Wechsel von Ritus und Alltag wird sie Ausdruck von Fanum und Profanum. Letztlich wirkt sie als Zeichen der Gegenwart und legt Zeugnis der Geschichte ab.
Versöhnung: Einführung in die Rolle der Kirche als Ort der Versammlung und Abriss der wechselvollen Geschichte der Versöhnungsgemeinde bis zum Mauerbau.
Der Beginn von Versöhnung: Darstellung der Gründung der Gemeinde 1894 und des Baus der neugotischen Kirche unter Kaiserin Auguste Viktoria.
Die Trennung der Gemeinde: Analyse der Zäsur durch die Berliner Mauer 1961, die zur Entfremdung von Kirche und Gemeinde sowie zum späteren Abriss der alten Kirche führte.
Die neue Versöhnung: Dokumentation der Spurensicherung und der Entscheidung für einen Neubau am historischen Ort nach 1989.
Der Wunsch der Gemeinde: Erläuterung der Anforderungen an den Neubau, der kein multifunktionaler Raum, sondern ein reiner Sakralraum sein sollte.
Das Sakrale: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff des Sakralen und dessen Anwendung auf den modernen Kirchbau.
Raum der Einkehr: Untersuchung der Kapelle als Ort der Stille und der persönlichen Begegnung mit der Geschichte.
Der Weg zum neuen Haus: Beschreibung des Bauprozesses unter Mitwirkung internationaler Helfer und der Integration historischer Trümmersteine.
Weg und Raum der Kapelle: Analyse der städtebaulichen Einbettung und der Raumabfolge von Kirchplatz, Wandelgang und Innenraum.
Das neue Haus der Gemeinde: Geometrische Analyse der Kreis- und Ovalformen des Kapellenbaus.
Ästhetik und innerer Gehalt: Betrachtung des Purismus und der Materialwahl als Spiegel der historischen Verluste.
Form als Botschaft: Zusammenfassende Interpretation der Kapelle als Ort für den Einzelnen und die Gemeinschaft.
Gedenken und Sakralität: Reflexion über die doppelte Funktion des Baus als Gedenkstätte und sakraler Raum.
Der Ort des Gedenkens: Einordnung der Kapelle in das Kontextumfeld des Dokumentationszentrums Berliner Mauer.
Eine Zukunft für Versöhnung: Ausblick auf die Bedeutung stetigen Gedenkens und zukunftsorientierten Handelns.
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Die Arbeit behandelt die Geschichte und die architektonische Bedeutung der Versöhnungskapelle in Berlin-Mitte als einem Ort, der die Erinnerung an die deutsch-deutsche Teilung mit christlicher Sakralität verbindet.
Zu den zentralen Themen gehören die Architekturgeschichte, die kirchliche Gedenkkultur, der Umgang mit historischem Erbe und die soziale sowie spirituelle Funktion von Kirchenbauten in einer modernen, urbanen Umgebung.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie durch den Neubau der Kapelle ein Ort geschaffen wurde, der die Zerstörung und Teilung der Vergangenheit reflektiert und gleichzeitig einen Raum für Frieden und individuelle Einkehr bietet.
Die Arbeit basiert auf einer historischen und architekturtheoretischen Analyse, die sowohl archivalische Quellen zur Gemeindegeschichte als auch eine detaillierte bauliche Untersuchung des Kapellenentwurfs umfasst.
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einleitung, die architektonische Konzeption des Lehmbaus, die philosophische Einordnung des Sakralbegriffs sowie die Einbindung der Kapelle in das umliegende Dokumentationszentrum.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Versöhnung, Mauergedenkstätte, Stampflehmbau, Sakralität und Zeitgeschichte geprägt.
Lehm wurde aufgrund seiner Natürlichkeit und Nachhaltigkeit gewählt; zudem unterstreicht das Material den bewussten Verzicht auf den als unzumutbar empfundenen Beton der ehemaligen Mauer und symbolisiert Schutz sowie Vergänglichkeit.
Die Integration von Bruchsteinen der gesprengten alten Versöhnungskirche in den Stampflehm schafft eine physische Verbindung zur Geschichte und symbolisiert den Kreislauf von Destruktion und konstruktivem Neuanfang.
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