Examensarbeit, 2007
96 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Methodische Begründung
2.1 Diskursanalytischer Sprachschatz
2.2 Die Diskursforschung
2.2.1 Discourse Analysis
2.2.2 Critical Discourse Analysis
2.2.3 Kritische Diskursanalyse
2.2.4 Kulturalistische Diskursforschung
2.3 Wissenssoziologische Diskursforschung
3 Perspektiven auf den Islam als Religion
3.1 Die Mannigfaltigkeit des Islam
3.2 Der Islam im heutigen Europa
3.3 Der Islam in Deutschland
3.4 Der Islam im deutschen Medienkontext
4 Das Entstehen von Zugehörigkeiten – die Konstruktion einer Kultur
4.1 Die Konstruktion einer „deutschen“ Kultur?
4.2 Was bedeutet Integration in Deutschland?
5 Die Ahmadiyya Muslim Jamaat im Eigen- und im Fremdbild
5.1 Im Selbstbild
5.2 Im Fremdbild
6 Analyse des Datenkorpus
6.1 Das Untersuchungsobjekt
6.2 Die Erstellung des Datenkorpus
6.3 Datenauswahl zur Feinanalyse
6.4 Ermittlung der Diskursformationen
6.5 Kodierungen der Diskursformationen
6.5.1 Ein Angebot zum Gespräch – Zwischen Befürwortern und Gegnern
6.5.2 Die Ipahb, ihre Stellung und ihre diskursiven Praktiken
6.5.3 Die Ahmadiyya – Zwischen Selbstpositionierung und Fremdpositionierung
6.5.4 Der Stein des Anstoßes – Dispositiv zwischen den Fronten
6.5.5 Recht bleibt Recht – Die Rechtschaffenheit der Institutionen
6.5.6 Über allem wacht die Politik – Das Handeln der politischen Akteure
6.5.7 „Weltoffenheit und Toleranz“ – Der Versuch einer Konstruktion eines Stadtteilimages
7 Analyse des Interviews mit Joachim SWIETLIK
7.1 Kodes innerhalb des Interviews
7.1.1 Europäisierung der deutschen Kultur
7.1.2 Integration – Nicht für alle geeignet?
7.1.3 Der Islam – Wurzel allen Übels?
8 Fenster der Beobachtung – Das Interpretationsrepertoire
8.1 Dialog der Kulturen
8.2 Konstruktion einer Kultur
8.3 Integrationspolitik
8.4 Das diskursive Feld als graphisches Ensemble
9 Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das diskursive Feld rund um den umstrittenen Moscheeneubau der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Berlin-Heinersdorf mithilfe einer Diskursanalyse zu untersuchen, um zu verstehen, wie Fremdzuweisungen, Identitätskonstruktionen und gesellschaftliche Debatten über Integration symbolisch aufgeladen werden.
3.3 Der Islam in Deutschland
Im Folgenden möchte ich nun die Entwicklung des Islam in Deutschland genauer betrachten. Auffallendes Merkmal in Deutschland ist nach LANDMAN (2005:587) die seit Jahrzehnten anhaltende Diskussion um die Diskrepanzen des Korans mit dem deutschen Grundgesetz. Dabei wurde in regelmäßigen Abständen auf die taqìya (LANDMAN 2005:587) hingewiesen. Damit ist gemeint, dass die Muslime sich nach außen hin an das Grundgesetz anpassen, aber ihre wahren Absichten dadurch verschleiern wollen. Als Belege dieser Taktik werden Schriften angeführt, die als deutschsprachige Publikationen die Achtung und den Respekt gegenüber der deutschen Gesellschaft betonen. Die türkischsprachigen Publikationen sind hingegen von einer triumphalen Ästhetik der islamischen Gesellschaft über die Andersgläubigen und die gottlosen Gesellschaften geprägt.
Eine weitere Besonderheit wurde im Jahre 2000 von Friedrich MERZ aufgegriffen, der Begriff der „Leitkultur“ (LANDMAN 2005:587). Die kontroverse Debatte um diesen Begriff und mögliche Alternativen, wie z.B. der Begriff des „Verfassungspatriotismus“ (KESKIN 2006:96) werde ich in Kapitel 4 näher ausführen.
Zurück zur Entwicklung des Islam in Deutschland.
Wie kam es aber überhaupt zur Ansiedelung der Muslime in Deutschland? Schließlich war Deutschland keine Kolonialmacht wie England oder Frankreich.
Die ersten Kontakte zwischen Muslimen und Deutschen auf deutschem Boden können auf das Jahr 777 datiert werden, als im Reichstag von Paderborn KARL DER GROßE den Stadthalter von Saragossa empfing. Neben der Beteiligung einiger deutscher Fürsten an den Kreuzzügen, welche das muslimische Bild der Europäer bis heute mitprägt, spielt auch das Bild der Türken vor Wien im 16. Jahrhundert ein wichtige Rolle für die europäische Wahrnehmung der Muslime (SPULER-STEGMANN 1998:32).
In der neueren Zeit ist ein wichtiger Ausgangspunkt für die Entwicklung die Verpflichtung von zwanzig Muslimen als Elitegarde von Friedrich WILHELM I. Die Handlungen beider Seiten reichten aber nicht über Kriegsereignisse hinaus. Erst 1761 wurde der erste
1 Einleitung: Einführung in die Problematik des Moscheebaus in Berlin-Heinersdorf als symbolisch aufgeladenes Konfliktfeld und die wissenschaftliche Herangehensweise.
2 Methodische Begründung: Darlegung der theoretischen Grundlagen der Diskursforschung und Erläuterung der angewandten Untersuchungsmethode.
3 Perspektiven auf den Islam als Religion: Historischer Überblick über die Entwicklung des Islam, dessen Ausprägungen in Europa und Deutschland sowie die mediale Darstellung.
4 Das Entstehen von Zugehörigkeiten – die Konstruktion einer Kultur: Theoretische Auseinandersetzung mit den Begriffen Kultur, Identität und Integration im Kontext moderner Gesellschaften.
5 Die Ahmadiyya Muslim Jamaat im Eigen- und im Fremdbild: Vorstellung der spezifischen Glaubensgemeinschaft und ihres Selbstverständnisses im Vergleich zur öffentlichen Wahrnehmung.
6 Analyse des Datenkorpus: Empirischer Hauptteil mit der Analyse von Zeitungsartikeln zum Moscheekonflikt und der Identifizierung von Diskursformationen.
7 Analyse des Interviews mit Joachim SWIETLIK: Auswertung eines Experteninterviews mit dem Vorsitzenden der Bürgerinitiative zu verschiedenen diskursiven Aspekten.
8 Fenster der Beobachtung – Das Interpretationsrepertoire: Zusammenfassende Abstraktion der Beobachtungen in Kategorien wie Dialog der Kulturen und Integrationspolitik.
9 Zusammenfassung und Ausblick: Reflexion über die Ergebnisse der Diskursanalyse und Ausblick auf die Zukunft multikultureller Gesellschaften.
Ahmadiyya, Diskursanalyse, Integration, Moscheebau, Berlin-Heinersdorf, Identitätskonstruktion, Islam, Leitkultur, interkultureller Dialog, Diskursformation, Medienanalyse, Symbolik, Religion, Gesellschaft, Konflikt.
Die Arbeit befasst sich mit dem öffentlichen Diskurs rund um einen geplanten Moscheeneubau in Berlin-Heinersdorf und wie dieser als Brennglas für breitere gesellschaftliche Debatten über Integration und Kultur dient.
Zentrale Themen sind die Konstruktion von kultureller Identität, die Integrationspolitik, der mediale Umgang mit dem Islam in Deutschland sowie die Spannungsfelder zwischen religiöser Praxis und säkularer Mehrheitsgesellschaft.
Das Ziel ist es, das diskursive Feld des Konflikts zu dekonstruieren und aufzuzeigen, wie Akteure durch symbolische Aufladungen Wirklichkeit konstruieren und voneinander abgrenzen.
Es wird eine wissenssoziologische Diskursanalyse durchgeführt, ergänzt durch die Methode der maximalen und minimalen Kontrastierung anhand von Zeitungsartikeln und einem Experteninterview.
Im Hauptteil werden Diskursformationen rund um Ereignisse wie den Bauantrag, Brandanschläge und Grundsteinlegungen kodiert und analysiert, um die diskursiven Strategien der beteiligten Akteure offenzulegen.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Diskursanalyse, Ahmadiyya, Identitätskonstruktion, Integration und Moscheebau charakterisiert.
Heinersdorf ist deshalb so bedeutend, weil es sich um die erste Moschee in einem ostdeutschen Ortsteil handelte, was zu einer besonders starken symbolischen Aufladung und einem intensiven, konfliktreichen Diskurs führte.
Die Medien fungieren als Arena des Diskurses, in der durch framing und die Auswahl spezifischer Symbole wie „Landnahme“ oder „Vorposten des Islam“ die Wahrnehmung des Moscheebaus maßgeblich mitgeprägt wird.
Der Autor stellt fest, dass der Dialog zwar stattfindet, aber oft aneinander vorbeigeführt wird, da die Akteure auf unterschiedlichen Diskursebenen (Politik, Medien, Alltag) agieren.
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