Diplomarbeit, 2007
91 Seiten, Note: 1,7
Jura - Europarecht, Völkerrecht, Internationales Privatrecht
1 Einleitung
2 Der Begriff der sozialen Dienste in Europa und den Mitgliedstaaten
2.1 Überprüfung einer einheitlichen Begriffsdefinition auf EU-Ebene
2.1.1 Dienste von allgemeinem wirtschaftlichen Interesse
2.1.2 Nicht-wirtschaftliche Dienstleistungen von allgemeinem Interesse
2.1.3 Leistungen der Daseinsvorsorge
2.1.4 Dienstleistungen von allgemeinem Interesse
2.1.5 Sozialdienstleistungen von allgemeinem Interesse
2.2 Abweichendes Begriffsverständnis in den Mitgliedstaaten
2.2.1 Soziale Dienste in Deutschland
2.2.2 Soziale Dienste in Frankreich
2.2.3 Soziale Dienste in Großbritannien
3 Soziale Dienste und die Dienstleistungsfreiheit
3.1 Soziale Dienste im Anwendungsbereich der Dienstleistungsfreiheit?
3.1.1 Persönlicher Schutzbereich der Dienstleistungsfreiheit
3.1.2 Sachlicher Schutzbereich der Dienstleistungsfreiheit
3.1.3 Beschränkungen der Dienstleistungsfreiheit
3.2 Die Rechtsprechung des EuGH zu sozialen Diensten
3.2.1 Urteile des Sozial- und Gesundheitssektors in Abgrenzung zur Dienstleistungsfreiheit
3.2.2 Urteile zur Beschränkung der Dienstleistungsfreiheit und sozialer Dienste
3.3 Die Dienstleistungsrichtlinie und soziale Dienste
3.3.1 Kritische Stimmen der Interessenvertreter im Vorfeld der Richtlinie
3.3.2 Allgemeine Regelungen der Dienstleistungsrichtlinie
3.3.2.1 Ausdrückliche Bereichsausnahmen sozialer Dienste
3.3.2.2 Rechtsbegriffe, die soziale Dienste erfassen können
3.3.3 Soziale Dienste ohne ausdrückliche Bereichsausnahme
4 Risiken und Chancen für die Wohlfahrtsverbände und freien Träger in Deutschland
4.1 Allgemeine Risiken
4.2 Besondere Risiken
4.2.1 Risiken für den Bildungssektor
4.2.2 Risikofaktoren für den sozialen Sektor in Deutschland durch Anbieter aus Mittel- und Osteuropa
4.2.3 Soziale Dienstleister und Dienstleistungen in Tschechien
4.3 Chancen für die Wohlfahrtsverbände und freien Träger
4.3.1 Nationale Chancen
4.3.2 Europäische und Internationale Chancen
4.3.3 Strategische Vorüberlegungen zur Auslandstätigkeit eines Sozialdienstleisters
4.3.4 Markteintritts-/Marktbearbeitungsstrategien
4.3.5 Ausblick auf ein Auslandsengagement in Tschechien
5 Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der europäischen Dienstleistungsrichtlinie auf deutsche Wohlfahrtsverbände und freie Träger als gemeinnützige Erbringer sozialer Dienste. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich der neue Rechtsrahmen auf den sozialen Sektor in Deutschland auswirkt und welche Handlungsspielräume sowie nationalen wie internationalen Maßnahmen für diese Akteure bestehen, um auf den potenziell zunehmenden Wettbewerb zu reagieren.
Soziale Dienste in Deutschland
Der Begriff der sozialen Dienste erfährt in den deutschen Rechtsnormen keine einheitliche inhaltliche Ausprägung. Das aus den Art. 20 I, 28 I 1 Grundgesetz entwickelte Sozialstaatsprinzip bildet die Basis für die Teilhabe an sozialen Leistungen, die zwar in den Normen der Sozialgesetzbücher (SGB) geregelt sind, jedoch nicht erschöpfend definiert werden. § 11 SGB I normiert die Sozialleistungen, die sich in Geld-, Sach- und Dienstleistungen untergliedern. Unter sozialen Dienstleistungen sind in dieser Norm explizit persönliche und erzieherische Hilfen genannt, worunter nach fachlichem Verständnis Sozial- und Jugendhilfe, sowie Leistungen der Pflegeversicherung zu fassen sind.
Laut einschlägiger Literatur deckt dies jedoch nur einen kleinen Teil der sozialen Dienstleistungen ab. So ist eine Trennung zwischen Vorsorge-, Entschädigungs- und sozialer Ausgleichsleistung durchaus üblich. Um jedoch die Bandbreite der sozialen Dienste und die Anzahl potentieller Sozialdienstleister annähernd erfassen zu können, bedarf es eines kurzen Überblicks über den deutschen Sozialsektor.
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung der EU-Dienstleistungsrichtlinie für den sozialen Sektor und definiert das Ziel der Untersuchung hinsichtlich der Auswirkungen auf deutsche Wohlfahrtsverbände.
2 Der Begriff der sozialen Dienste in Europa und den Mitgliedstaaten: Dieses Kapitel analysiert die uneinheitliche Begriffsbestimmung sozialer Dienste auf EU-Ebene sowie deren länderspezifische Ausprägungen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien.
3 Soziale Dienste und die Dienstleistungsfreiheit: Der Hauptteil untersucht das rechtliche Verhältnis zwischen den Grundfreiheiten des Binnenmarktes und sozialen Diensten anhand der EuGH-Rechtsprechung sowie die spezifischen Regelungen der Dienstleistungsrichtlinie.
4 Risiken und Chancen für die Wohlfahrtsverbände und freien Träger in Deutschland: Hier werden konkrete Gefahren, etwa durch Anbieter aus Osteuropa, sowie strategische Handlungsmöglichkeiten und Markteintrittsoptionen für gemeinnützige Sozialdienstleister abgeleitet.
5 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass soziale Dienste stärker in den politischen Fokus gerückt sind, was proaktives Handeln und ein präziseres Profil für Wohlfahrtsverbände erforderlich macht.
Dienstleistungsrichtlinie, soziale Dienste, Wohlfahrtsverbände, Dienstleistungsfreiheit, Europäischer Gerichtshof, Daseinsvorsorge, Sozialrecht, Europarecht, Markteintritt, Wettbewerb, Gemeinnützigkeit, Sozialsektor, Internationalisierung, Entgeltlichkeit, Rechtssicherheit.
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der europäischen Dienstleistungsrichtlinie von 2006 auf die Tätigkeit und die Rahmenbedingungen deutscher Wohlfahrtsverbände und freier Träger im sozialen Sektor.
Im Zentrum stehen die Begriffe sozialer Dienste im EU-Recht, das Verhältnis zur Dienstleistungsfreiheit, die Rechtsprechung des EuGH sowie die Risiken und Chancen für soziale Einrichtungen in einem sich öffnenden europäischen Markt.
Das Ziel ist die Offenlegung möglicher Auswirkungen der Richtlinie auf gemeinnützige Erbringer sozialer Dienste und die Ableitung von nationalen sowie internationalen Handlungsstrategien.
Die Arbeit basiert auf einer juristischen Analyse europäischer Rechtsvorschriften und einschlägiger EuGH-Urteile sowie einer Auswertung betriebswirtschaftlicher Ansätze für strategische Planung und Internationalisierung.
Der Hauptteil gliedert sich in die begriffliche Einordnung, die rechtliche Prüfung der Anwendbarkeit der Dienstleistungsfreiheit auf soziale Dienste sowie eine Risiko-Nutzen-Analyse für Wohlfahrtsverbände.
Schlüsselbegriffe sind vor allem Dienstleistungsrichtlinie, Wohlfahrtsverbände, Dienstleistungsfreiheit, EU-Binnenmarkt, Sozialpolitik und Wettbewerbsstrategien.
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass die uneinheitliche Begriffsverwendung auf EU-Ebene und die vagen Bereichsausnahmen zu erheblicher Rechtsunsicherheit führen, da soziale Dienste oft als wirtschaftliche Tätigkeit eingestuft werden.
Tschechien dient als Beispiel für den Entwicklungsstand des Sozialsektors in einem postsozialistischen Land und verdeutlicht sowohl die strategische Nähe zu Deutschland als auch die praktischen Hürden für ein grenzüberschreitendes Auslandsengagement.
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