Diplomarbeit, 2007
148 Seiten, Note: 1,3
EINLEITENDE GEDANKEN
TEIL I: BEGRIFFSKLÄRUNGEN
1. Kapitel: Feministische Mädchenarbeit
1.1. Sozialer Wandel: Weibliche Realität(en) heute
1.2. Geschlechtertrennung – Pro & Kontra:
1.3. Definition feministischer Mädchenarbeit
1.4. Die Queer-Theorie und Judith Butler
1.5. Theorien zur Herausbildung der Geschlechtsidentität
1.6. Geschlechtsspezifische Sozialisation nach Hagemann-White
1.7. Zusammenfassung
2. Kapitel: Lesekompetenzförderung
2.1. Medienkompetenz
2.2. Geschlechtsspezifische Medienpädagogik
2.3. Buchlesen im Medien- und Freizeitvergleich
2.4. Drei Instanzen der Lesesozialisation
3. Kapitel: Kinder brauchen Märchen?
3.1. Märchenforschung
3.2. Die Märchensammlung der Gebrüder Grimm
3.3. Pädagogischer Nutzen
3.4. Merkmale des Volksmärchens: Aufbau, Symbole & Motive
3.5. Märchenanalysen
3.6. Bedenkliche Elemente der KHM?
3.7. Moderne Märchen
TEIL II: PRAXIS
1. Kapitel: Fragebogen
1.1. Fragestellung
1.2. Rahmenbedingungen & Grenzen
1.3. Instruktion / Einleitungstext
1.4. Verfälschungstendenzen
1.5. Frageformat
1.6. „Pretest“?
1.7. Vorbereitung der Auswertung
1.8. Kritische Interpretation der Ergebnisse
2. Kapitel: Umsetzung in die Praxis
2.1. Zielbestimmung
2.2. Erlangen von Medienkompetenz
2.3. Zur Vortragsweise von Märchen
2.4. Märchen analysieren
2.5. Märchen verändern
2.6. Förderung anderer kognitiver und künstlerischer Fähigkeiten
2.7. Rollenwechselspiele
2.8. Projektvorschlag in Tabellenform
3. Kapitel: Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Bedeutung von Märchen, insbesondere der Kinder- und Hausmärchen (KHM) der Gebrüder Grimm, innerhalb der feministischen Mädchenarbeit. Angesichts konträrer Forschungsmeinungen zur pädagogischen Eignung dieser Texte verfolgt die Arbeit das Ziel, auf Basis einer theoretischen Auseinandersetzung und einer qualitativen Umfrage in Mädchenzentren Ansätze zu entwickeln, wie Märchen in der pädagogischen Praxis kritisch reflektiert und produktiv als Arbeitsmittel eingesetzt werden können.
Die Queer-Theorie und Judith Butler
Die Frage, ob Geschlechtsunterschiede „biologisch bedingt“ oder „gesellschaftlich konstruiert“ sind, beschäftigt die Wissenschaft seit Jahrzehnten und stößt auch in der Öffentlichkeit auf reges Interesse. Doch ohne die Debatte neu aufrollen zu wollen, orientiere ich mich am Konzept des Doing Gender, das nach Auswertung kulturvergleichender Studien Geschlecht nicht länger als eine interne Eigenschaft von Personen begreift, wie biologisch ausgerichtete Theorien, sondern als Produkt gesellschaftlicher Interaktionen.
Die erste Geschlechtszuordnung im Leben erfolgt mit der Namensgebung, doch während im Deutschen nur die Bezeichnung GESCHLECHT für biologisches und soziales bzw. soziokulturelles Geschlecht existiert, hat sich im Englischen und Französischen der Unterschied zwischen SEX (biologisches) und GENDER (gesellschaftliches Geschlecht, Geschlechterrollen) herausgebildet.
Geschlechterrollen von Frauen und Männern werden dabei als kulturell, gesellschaftlich und individuell differenziert ausgeprägt beschrieben. Sie werden gestaltet, indem Individuen bestimmte körperliche Merkmale herausstreichen, geschlechtstypische Verhaltensweisen zeigen und geschlechtsuntypische Verhaltensmuster unter-drücken. Diese Aktivitäten sind während der Sozialisation erlernt und eingeübt worden, sie werden oft nicht bewusst praktiziert, sondern von den handelnden Personen als selbstverständlich und „natürlich“ erlebt, d.h. aber auch, dass sie beeinflussbar und veränderbar sind. Menschen werden nicht als Opfer der jeweiligen Verhältnisse angesehen, sondern als autonome Subjekte, die neben ihrer Anpassung an die Gesellschaft / Umwelt diese gleichzeitig auch beeinflussen können, z.B. durch das eigene aktive Tun oder die Veränderung von Rahmenbedingungen.
1. Kapitel: Feministische Mädchenarbeit: Dieses Kapitel verortet die feministische Mädchenarbeit im gesellschaftlichen Wandel und diskutiert Theorien zur Geschlechtsidentität sowie die Bedeutung des geschlechtergetrennten Ansatzes.
2. Kapitel: Lesekompetenzförderung: Hier wird die Relevanz der Literatur und insbesondere des Märchens als Teil der Medienkompetenz und Lesesozialisation von Kindern und Jugendlichen erläutert.
3. Kapitel: Kinder brauchen Märchen?: Dieses Kapitel beleuchtet kritisch die Märchenforschung, die spezifische Rolle der Gebrüder Grimm und diskutiert den pädagogischen Nutzen sowie die problematischen Aspekte klassischer Märchen.
1. Kapitel: Fragebogen: Der Praxisteil erläutert die methodische Konzeption und Durchführung einer empirischen Befragung zur Märchenarbeit in verschiedenen Mädchenzentren.
2. Kapitel: Umsetzung in die Praxis: Hier werden konkrete Methoden und Ansätze für die praktische Arbeit mit Märchen vorgestellt, darunter die Zielbestimmung, Vortragsweisen und Möglichkeiten der inhaltlichen Transformation.
3. Kapitel: Resümee: Dieses Kapitel zieht ein Fazit aus den theoretischen Überlegungen und der durchgeführten Projektarbeit im Mädchentreff.
Feministische Mädchenarbeit, Märchen, Gebrüder Grimm, Geschlechtsspezifische Sozialisation, Lesekompetenz, Medienpädagogik, Doing Gender, Queer-Theorie, Judith Butler, Märchenanalyse, Pädagogischer Nutzen, Jugendarbeit, Geschlechterrollen, Empowerment
Die Diplomarbeit untersucht die Rolle und Bedeutung von Märchen der Gebrüder Grimm innerhalb der feministischen Mädchenarbeit und entwickelt Ansätze für einen kritischen Umgang damit in der Praxis.
Die Arbeit verknüpft sozialwissenschaftliche Theorien zur Geschlechtersozialisation mit medienpädagogischen Konzepten der Leseförderung und einer kritischen Auseinandersetzung mit der Gattung Märchen.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Märchen trotz ihrer oft veralteten Rollenbilder in der heutigen pädagogischen Mädchenarbeit als produktives und reflektiertes Arbeitsmittel genutzt werden können.
Die Arbeit kombiniert eine tiefgehende Literaturrecherche zur theoretischen Fundierung mit einem qualitativen Praxisteil, der auf der Auswertung eines Fragebogens bei Mitarbeiterinnen von Mädchenzentren basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in einen Theorieteil, der Begriffe und Theorien klärt, und einen Praxisteil, der die Ergebnisse der Umfrage präsentiert und konkrete methodische Projektvorschläge für die Arbeit mit Mädchen unterbreitet.
Die zentralen Schlagworte sind feministische Mädchenarbeit, Märchen, Geschlechtsspezifische Sozialisation, Medienkompetenz und Märchenanalyse.
Die Auswertung der Umfrage ergab, dass die befragten Mitarbeiterinnen Grimms Märchen keineswegs pauschal ablehnen, sondern sie weitgehend als Kulturgut anerkennen, sofern eine kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten stattfindet.
Sie bietet Pädagoginnen konkrete Werkzeuge und Leitfragen zur Analyse von Märchen, um ein Bewusstsein für Geschlechterstereotype zu schaffen und Mädchen in ihrer Identitätsentwicklung zu stärken, ohne die Tradition der Märchen komplett aufzugeben.
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