Examensarbeit, 2007
60 Seiten, Note: 1,0
0. Einführung
1. Werk und Wirkung Konrads von Würzburg
2. Konrad als Dichter
2.1 Zum poetologischen Konzept
2.1.1 Ez ist ein gar vil nütze dinc
2.1.2 Dichtkunst als Gottesgabe
2.2 Konrads Minnesang
2.2.1 Klangspiele
2.2.2 Zur Imagination von Publikum und Sänger in den Minneliedern
3. Konrads Lieder als Kunststücke im späten 13. Jahrhundert
Die vorliegende Arbeit untersucht Konrads Minnesang unter Berücksichtigung seiner poetologischen Äußerungen in den Prologen zu 'Partonopier und Meliur' und 'Trojanerkrieg', mit dem Ziel, bestimmte Lieder als bewusste, klangorientierte Produktionen für das eigene Vergnügen zu identifizieren und das Verhältnis von Form und Inhalt in seinem Werk kritisch zu beleuchten.
2.1.1 Ez ist ein gar vil nütze dinc
Der Prolog, genauer prologus praeter rem, zu ‘Partonopier und Meliur’ beginnt, den Vorschriften mittelalterlicher Rhetorik entsprechend, mit einer Sentenz, also nach Heinrich Lausberg mit einem locus communis, „[...] der mit dem Anspruch auftritt, als anerkannte Norm der für die Lebensführung relevanten Weltkenntnis oder der Lebensführung selbst zu gelten [...].“
Ez ist ein gar vil nütze dinc, daz ein bescheiden jungelinc getihte gerne hœre und er niemen stœre, der singen unde reden kan. (V.1-5)
Diese Sentenz enthält die Aussage, dass es für junge Leute nützlich ist, rede und sanc (Dichtung) zu hören und einen Vortrag nicht zu stören. Gleich zu Beginn betont Konrad also den Nutzen, der von der Rezeption von Dichtung ausgeht, und legitimiert sie auf diese Weise. Denn Kunst war im Mittelalter immer verknüpft mit einer Absicht des Dichters, sie war nie vollkommen zweckfreies Schaffen, niemals ‘l'art pour l'art’. Ästhetische Unterhaltung geht eine feste Verbindung mit einer fördernden lehrhaften Wirkung ein.
Durch diese Sentenz wird von Beginn an „eine Gemeinsamkeit zwischen dem Verfasser und seinen Hörern (Lesern) [begründet]. [...] Der Empfängerkreis wird durch das Werk in seinen Erfahrungen und Überzeugungen bestätigt.“
0. Einführung: Die Arbeit erläutert ihre Zielsetzung, den lyrischen Teil des Werks von Konrad von Würzburg durch eine poetologische Analyse der Prologe neu zu bewerten und als bewusst 'zum eigenen Vergnügen' verfasste, klangorientierte Produktionen zu charakterisieren.
1. Werk und Wirkung Konrads von Würzburg: Dieses Kapitel zeichnet den Nachruhm und das Ansehen Konrads bei Zeitgenossen und nachfolgenden Dichtern nach und reflektiert seine biographischen Daten sowie seine sesshafte Lebensweise in Basel.
2. Konrad als Dichter: Es erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit Konrads poetologischem Konzept, wobei die Dominanz der Form über den Inhalt in seinen Werken und die spezifische Legitimation seiner Dichtkunst im Mittelpunkt stehen.
3. Konrads Lieder als Kunststücke im späten 13. Jahrhundert: Das Kapitel schließt mit der Erkenntnis, dass Konrads virtuose Lieder als bewusste Kunstübungen konzipiert wurden, die ein Publikum erforderten, das bereit war, sich auf rein ästhetische Genüsse einzulassen, ungeachtet der in den Hintergrund tretenden inhaltlichen Belehrung.
Konrad von Würzburg, Minnesang, Poetologie, Prologanalyse, Klangästhetik, Reimkunst, Basler Gönnerkreis, Mittelalterliche Literatur, Rezeptionssituation, Kunststücke, Autonomie des Dichters, Form und Inhalt, Literaturgeschichte, 13. Jahrhundert
Die Arbeit untersucht Konrads Minnesang und seine Poetologie, um zu verstehen, warum er in seinen Liedern eine solch ausgeprägte klangliche Virtuosität an den Tag legt, die den inhaltlichen Aspekt oft in den Hintergrund drängt.
Im Zentrum stehen die poetologischen Aussagen in Konrads Prologen, die Analyse der klanglichen Reimstrukturen sowie die soziokulturellen Rezeptionsbedingungen in Basel am Ende des 13. Jahrhunderts.
Das Hauptziel ist es, nachzuweisen, dass bestimmte klanglich überladene Minnelieder Konrads nicht als bloße Zufallsprodukte, sondern als konsequente Umsetzung seiner poetologischen Ideen und als bewusste 'Kunststücke' für ein literarisch gebildetes Publikum zu verstehen sind.
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse, insbesondere durch die enge Verknüpfung von poetologischen Selbstzeugnissen in Prologen mit der textnahen, formalen Untersuchung der lyrischen Werke (Reimstrukturen, Vokalspiel, rhetorische Figuren).
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Konrads Selbstverständnis als Dichter, die Untersuchung seiner spezifischen Poetologie sowie eine ausführliche, formanalytische Betrachtung der klanglichen Struktur ausgewählter Minnelieder.
Wichtige Begriffe sind unter anderem: Konrad von Würzburg, Minnesang, Poetologie, Klangästhetik, Rezeptionsverhältnisse und die Wechselwirkung von Form und Inhalt im mittelalterlichen Dichten.
Die Nachtigall dient Konrad als Metapher für den Dichter, der seine Kunst auch ohne Publikum aus eigenem Antrieb und Freude am Klang ausübt, was die Autonomie des Künstlers gegenüber den Erwartungen des Gönnersystems unterstreicht.
Die Nutzung von Schüttelreimen und hochkomplexen Reimschemata wird als bewusste artistische Leistung interpretiert, die die Dominanz der Form über den Inhalt verdeutlicht und den klangorientierten Charakter seiner 'Kunststücke' betont.
Der Vergleich dient als Modell für die Funktion von Dichtung: Die 'Blüte' repräsentiert das ästhetische Vergnügen und den klanglichen Genuss, während die 'Frucht' den didaktischen, lehrhaften Nutzen symbolisiert.
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