Diplomarbeit, 2007
72 Seiten, Note: 1,3
1 Hinführung und Zielsetzung der Arbeit
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2 Regulierung des Wettbewerbs zwischen gesetzlichen Krankenkassen im gegenwärtigen System
2.1 Erläuterung des Begriffes Wettbewerb und seine Bedeutung für den Krankenversicherungsmarkt
2.2 Wettbewerbsregulierung durch den Kontrahierungszwang
2.3 Wettbewerbsregulierung durch den einheitlichen Leistungskatalog
2.4 Wettbewerbsregulierung durch den Risikostrukturausgleich
2.4.1 Funktionsweise des Risikostrukturausgleichs
2.4.2 Risikoselektion in der Gesetzlichen Krankenversicherung
3 Gegenwärtige Situation und Möglichkeiten des Wettbewerbs in der Gesetzlichen Krankenversicherung
3.1 Preispolitik der Krankenkassen
3.1.1 Der Versicherungsbeitrag als Wettbewerbsinstrument
3.1.2 Instrumente der Preispolitik
3.1.3 Risikoselektion durch Preispolitik
3.2 Produktpolitik der gesetzlichen Krankenversicherungen
3.2.1 Instrumente der Produktpolitik
3.2.2 Risikoselektion durch Produktpolitik
3.3 Distributionspolitik
3.3.1 Instrumente der Distributionspolitik
3.3.2 Risikoselektion durch Distributionspolitik
3.4 Kommunikationspolitik
3.4.1 Instrumente der Kommunikationspolitik
3.4.2 Risikoselektion durch Kommunikationspolitik
4 Möglichkeiten zu verstärktem Wettbewerb im Rahmen des geplanten „Gesundheitsfonds“
4.1 Auswirkungen der Modifizierung des Beitragseinzugs, zusätzliche Beitragserhebung und Beitragserstattung
4.2 Auswirkung einer Verringerung der Anzahl der gesetzlichen Krankenkassen auf den Wettbewerb
4.3 Auswirkungen des geplanten morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs
4.4 Risikoselektion im zukünftigen System des Gesundheitsfonds
5 Weitere Möglichkeiten zur Intensivierung des Kassenwettbewerbs und deren „soziale Verträglichkeit"
5.1 Auflockerung des einheitlichen Leistungskataloges
5.2 Auflockerung der einheitlichen Beitragsbemessung
5.3 Beseitigung des kollektiven Sicherstellungsauftrags und Ermöglichung individuellen Kontrahierens mit Leistungserbringern
6 Schlussbemerkung und Ausblick
Diese Arbeit untersucht den Wettbewerb innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) unter Berücksichtigung gegenwärtiger regulatorischer Rahmenbedingungen. Die zentrale Forschungsfrage ist, welche Wettbewerbsinstrumente und -strategien betriebswirtschaftlich und gesamtwirtschaftlich aktuell von Bedeutung sind und wie sich diese durch geplante Reformen im deutschen Gesundheitssystem verändern könnten, wobei ein besonderer Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen Wettbewerb und Risikoselektion liegt.
Risikoselektion in der Gesetzlichen Krankenversicherung
Zunächst soll an dieser Stelle der Begriff der Risikoselektion erklärt werden. Grundsätzlich beschreibt Risikoselektion die gezielte Strategie einer Versicherung, in diesem Fall einer KK, zur Verbesserung der eigenen Risikostruktur. Dies kann geschehen, indem Versicherungen versuchen, Versicherte mit guten Risiken anzulocken bzw. zu halten oder Versicherte mit ungünstigen Merkmalen abzuschrecken bzw. zu einer Kündigung zu bewegen. Dabei tritt eine Risikoselektion durch Versicherungen grundsätzlich nur in Versicherungsmärkten auf, in denen keine risikoadjustierten Prämien bzw. Beiträge erhoben werden. Dies ist in der deutschen GKV der Fall, da die Beiträge nicht am individuellen Morbiditätsrisiko des Versicherten, sondern an seinem beitragspflichtigen Einkommen bemessen werden.
Theoretisch lassen sich vier Arten der Risikoselektion differenzieren, wobei nicht alle in der GKV zur Anwendung kommen. Man kann dabei die offene Risikoselektion von der subtilen bzw. verdeckten Risikoselektion sowie die ex ante von der ex post Risikoselektion unterscheiden. Die offene Risikoselektion wird offenkundig, d.h. unter Mitwissen der Beteiligten, durchgeführt. Auf Grund des Kontrahierungszwangs in der GKV ist diese Form allerdings gesetzlich verboten. Die verdeckte Risikoselektion hingegen wird ohne Wissen der externen Beteiligten, d.h. Interessenten oder Versicherten und des Gesetzgebers, durchgeführt. Auf Grund des Verbots der offenen Risikoselektion muss in der GKV Risikoselektion stets subtil bzw. verdeckt erfolgen.
1 Hinführung und Zielsetzung der Arbeit: Einleitung in die finanzielle Problematik der GKV und Darlegung der Zielsetzung, Wettbewerbsstrategien unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen zu analysieren.
2 Regulierung des Wettbewerbs zwischen gesetzlichen Krankenkassen im gegenwärtigen System: Theoretische Erörterung des Wettbewerbsbegriffs und Analyse staatlicher Regulierungsmechanismen, die den Kassenwettbewerb prägen und einschränken.
3 Gegenwärtige Situation und Möglichkeiten des Wettbewerbs in der Gesetzlichen Krankenversicherung: Untersuchung der operativen Marketing-Mix-Instrumente der Kassen und deren gezielter Einsatz zur Risikoselektion.
4 Möglichkeiten zu verstärktem Wettbewerb im Rahmen des geplanten „Gesundheitsfonds“: Analyse der geplanten Strukturreformen, insbesondere der Einführung eines Gesundheitsfonds und eines morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs, hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf den Wettbewerb.
5 Weitere Möglichkeiten zur Intensivierung des Kassenwettbewerbs und deren „soziale Verträglichkeit": Diskussion alternativer Reformoptionen und deren Auswirkungen auf den Kassenwettbewerb sowie deren Bewertung hinsichtlich sozialer Gerechtigkeit.
6 Schlussbemerkung und Ausblick: Fazit der Analyse, welches die Grenzen des Kassenwettbewerbs bei der Lösung grundlegender Finanzierungsprobleme aufzeigt und zukünftige Herausforderungen skizziert.
Gesetzliche Krankenversicherung, Kassenwettbewerb, Risikoselektion, Risikostrukturausgleich, Gesundheitsfonds, Krankenkassen, Beitragssatz, Leistungsdifferenzierung, Marketing-Mix, Sozialverträglichkeit, Effizienz, Versichertenstruktur, Morbi-RSA, Kontrahierungszwang, Qualitätswettbewerb.
Die Arbeit behandelt die Möglichkeiten und Grenzen des Wettbewerbs zwischen gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland, insbesondere unter dem Aspekt, wie Kassen trotz staatlicher Regulierungen strategisch agieren können.
Die zentralen Felder umfassen die Regulierungen der GKV (wie den Risikostrukturausgleich), die Anwendung von Marketinginstrumenten (Preis, Produkt, Distribution, Kommunikation) und die Auswirkungen geplanter Reformen wie des Gesundheitsfonds.
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie Kassen ihre Wettbewerbsposition stärken können und welche Rolle dabei Strategien zur Risikoselektion spielen, insbesondere im Kontext möglicher zukünftiger Reformen.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Herleitung wettbewerbsökonomischer Konzepte, der Analyse regulatorischer Rahmenbedingungen sowie einer Auswertung bestehender Fachliteratur und empirischer Studien.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der gegenwärtigen Wettbewerbssituation, eine Untersuchung der Marketinginstrumente zur Risikoselektion sowie eine Evaluierung künftiger Reformkonzepte, wie dem morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich.
Wichtige Begriffe sind unter anderem GKV, Kassenwettbewerb, Risikoselektion, Risikostrukturausgleich, Gesundheitsfonds und Qualität im Versorgungssystem.
Der Fonds führt zu einer einheitlichen Beitragsfestlegung, was den Preiswettbewerb erschwert und zu einer Tendenz führt, dass Kassen versuchen, durch Zusatzbeiträge oder Leistungskürzungen ihre Wirtschaftlichkeit zu steuern.
Kassen nutzen Strategien wie das Ansprechen spezifischer Zielgruppen (Werbung), die geschickte Standortwahl für Filialen oder eine gezielte Gestaltung von Mehrleistungen, um Versicherte mit geringem Krankheitsrisiko anzuziehen und Versicherte mit hohem Risiko abzuwehren.
Der Autor stuft das individuelle Kontrahieren als eine der wenigen umsetzbaren Optionen ein, die tatsächlich zu einer Intensivierung des Wettbewerbs um Qualität und Effizienz führen könnte, mahnt jedoch vor bürokratischem Mehraufwand.
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