Magisterarbeit, 2004
190 Seiten, Note: 1,5
1) Einleitende Bemerkungen
1.1) Formulierung des Erkenntnisinteresses
2) Zur Interdependenz von Homophobie und Heteronormativität
2.1) Definitionen und terminologische Diskussion
2.1.1) WEINBERGs Homophobiekonzept: Präliminarien, Inhalte, Weiterentwicklungen
2.1.2) „Sexual Prejudice“ als terminologischer Reformversuch
2.1.3) Heteronormativität als Metakonzept
2.2) Manifestationsweisen von Homophobie
2.2.1) Homophobe Ausdrucksformen nach YOUNG-BRUEHL
2.3) Erklärungsansätze zum Ursprung homophober Einstellungen
2.3.1) Furcht vor Werteverfall und Orientierungsverlust
2.3.2) Die besondere Labilität adoleszenter Selbstkonstruktion bei Jungen
2.3.3) Naturalistische homophobe Argumentationsweisen als Spiegel dahinterstehender Tiefenmotivation
2.4) Empirische Erkenntnisse zur Prävalenz homophober Einstellungen
2.4.1) Zur doppelten Relevanz der Kategorie „Geschlecht“
3) Zur Beobachtbarkeit der Kontextualität homophober Einstellungen: Ergebnisse einer bundesweiten telefonischen Bevölkerungsbefragung
3.1) Entdeckungszusammenhang
3.1.1) Begriffsklärungen und initiale Forschungshypothesen
3.2) Begründungszusammenhang
3.2.1) Operationalisierung, Faktoren- und Variablenbildung
3.2.2) Datenauswertung
3.3) Verwertungszusammenhang
3.3.1) Bewertung der Forschungshypothesen
4) Fazit
Die Arbeit untersucht die soziologische Kontextualität von Homophobie und deren kausale Verbindung zum Konzept der Heteronormativität. Sie geht der Forschungsfrage nach, inwieweit psychologische Ursachen homophober Einstellungen durch sozialstrukturelle und sozialgeschichtliche Rahmenbedingungen, insbesondere ein patriarchales Gesellschaftsgefüge, erklärt werden können und wie Faktoren wie Wertkonservatismus, Ethnozentrismus und traditionelle Geschlechterrollenkonzepte diese Einstellungen beeinflussen.
2.1.3) Heteronormativität als Metakonzept
Wo sich homophobe Einstellungen in konkret-individuellen Verhaltensweisen als Reaktion auf signifikant erlebte Reize und in Konsequenz spezifischer biographischer Prägung niederschlagen, ist Heteronormativität, wie bereits mehrfach expliziert, als soziologischer Begriff auf einer abstrakten Ebene der wertefundamentierten konsensuellen Verhaltenserwartungen, also der Verhaltensnormen, anzusiedeln. Sie bezeichnet nach WARNER 1993 die Gesamtheit der komplexen Wechselwirkungen zwischen konstanter gegenseitiger informeller wie administrativ-institutioneller, mikro und makrokommunikativ übertragener Rückversicherung von Heterosexualität als nicht nur naturgegeben optimaler und „normaler“, sondern auch ethisch einzig vertretbarer Form menschlichen Sexualverhaltens:
„Heterosexual culture thinks of itself as the elemental form of human association, as the very model of intergender relations, as the indivisible basis of all community, and as the means of reproduction without which society wouldn't exist.“
1) Einleitende Bemerkungen: Einführung in das Erkenntnisinteresse und Thematisierung der sozialen Konstruktion von Geschlecht sowie deren Relevanz für soziale Kategorisierungen.
2) Zur Interdependenz von Homophobie und Heteronormativität: Theoretische Herleitung der Konzepte, Diskussion von Homophobie als psychologisches Phänomen im Rahmen soziologischer Heteronormativität.
3) Zur Beobachtbarkeit der Kontextualität homophober Einstellungen: Ergebnisse einer bundesweiten telefonischen Bevölkerungsbefragung: Empirische Untersuchung, Operationalisierung und statistische Überprüfung der Hypothesen mittels Strukturgleichungsmodellierung.
4) Fazit: Zusammenfassende Bewertung der theoretischen und empirischen Ergebnisse sowie Diskussion von Handlungsperspektiven zur Prävalenzreduktion von Homophobie.
Homophobie, Heteronormativität, Geschlechterrollen, Wertkonservatismus, Ethnozentrismus, Sozialisation, Strukturgleichungsmodell, Sexualität, Diskriminierung, Soziale Konstruktion, Identität, Vorurteile, Patriarchat, Empirische Sozialforschung, Geschlechterbipolarität.
Die Arbeit untersucht die soziologische Fundierung von Homophobie und ihren engen Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Konzept der Heteronormativität.
Die Schwerpunkte liegen auf der Dekonstruktion von Geschlechterrollen, der Analyse von Machtstrukturen, der psychologischen Verteidigungsmechanismen bei Homophobie und der empirischen Datenanalyse.
Ziel ist es zu zeigen, dass Homophobie kausal mit Heteronormativität verbunden ist und wie soziale Faktoren die Einstellung gegenüber Homosexualität im Individuum bedingen.
Neben einer theoretischen Analyse soziologischer und psychologischer Diskurse wird eine empirische quantitative Studie mittels linearer Strukturgleichungsmodellierung durchgeführt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der Begriffe, psychologische Erklärungsmodelle für homophobe Einstellungen und eine umfangreiche empirische Untersuchung auf Basis einer telefonischen Bevölkerungsbefragung.
Homophobie, Heteronormativität, Geschlechterrollen, Sozialisation und Strukturgleichungsmodell sind zentrale Begriffe, die die theoretische und methodische Ausrichtung prägen.
Die Arbeit zeigt, dass Männer im Schnitt signifikant homophober eingestellt sind als Frauen, was auf eine größere Vulnerabilität männlicher Identitätskonstruktion in traditionellen Geschlechterrollen hindeutet.
Empirische Ergebnisse bestätigen, dass Konfessionsgebundene die homosexuelle Ehe signifikant deutlicher ablehnen als Konfessionslose.
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