Magisterarbeit, 2003
183 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1. Fragestellung, Zielsetzung und Methode
1.2. Gliederung
1.3. Quellen und Materialien der Untersuchung
1.4. Rechtsextremismus, rechtsextreme Szene und Aussteiger – Begriffsdiskussion
2. Die rechtsextreme Szene in Norwegen
3. Das Exit-Konzept und die praktische Realisierung in Norwegen
3.1. Wissenschaftliche Grundlage des Exit-Konzepts
3.1.1. Motive für den Einstieg in die rechtsextreme Szene
3.1.2. Der Sozialisierungsprozess
3.1.3. Motive für den Ausstieg aus der rechtsextremen Szene
3.2. Förderantrag für das Exit-Projekt
3.3. Abschlussbericht des Exit-Projekts
3.4. Das lokale Exit-Projekt in Kristiansand
3.5. Exit-Handbuch
3.6. „Kirkens Ungdomsprosjekt“ in Kristiansand als Beispiel für ein ähnliches Konzept
3.7. Das Exit-Programm
3.8. Der Diskurs in den norwegischen Medien zum Exit-Projekt und Exit Programm
3.9. Zusammenfassung
4. Die rechtsextreme Szene in Schweden
5. Die Exit-Organisationen in Schweden
5.1. BRÅ-Evaluation 2001
5.2. Staatliche Vorschläge zur Unterstützung von Aussteigern
5.3. Die einzelnen Exit-Organisationen
5.3.1 Exit-Stockholm
5.3.2. Exit-Motala
5.3.3. Exit-Skåne
5.4. Der Diskurs in den schwedischen Medien zu den Exit-Organisationen
5.5. Zusammenfassung
6. Exit – Ein Modell mit Zukunft?
6.1. Vergleich der Realisierung des Exit-Konzepts
6.2. Perspektiven des Exit- Konzepts und seiner Realisierung nach Einschätzung der Interviewpartner
6.3. Potenziale des Exit-Konzepts
6.3.1. Prävention
6.3.2. Intervention
6.3.3. Reintegration von Aussteigern
6.4. Ausblick – Rezeption und Transfer
Die vorliegende Arbeit untersucht das 1996/97 in Norwegen entwickelte „Exit-Konzept“ und dessen praktische Umsetzung in Norwegen und Schweden. Die zentrale Forschungsfrage beschäftigt sich mit den Schwerpunkten bei der Umsetzung, möglichen Veränderungen in den Realisierungsverfahren sowie den Resultaten und Zukunftsperspektiven der Strategie, um als fundierte Grundlage für einen internationalen Transfer des Modells zu dienen.
1.1. Fragestellung, Zielsetzung und Methode
Die vorliegende Untersuchung widmet sich dem Exit-Konzept als einer 1996/97 in Norwegen ausgearbeiteten Strategie für den Umgang mit der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung des Rechtsextremismus in Norwegen und Schweden.
Ausgangspunkt dieser Arbeit war der Transfer des Exit-Konzepts von Schweden nach Deutschland im Jahre 2000. Die Verbreitung des Konzepts in Schweden, Deutschland, Finnland sowie in der Schweiz wirft die Frage nach der Besonderheit desselbigen gegenüber den bisherigen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Ansätzen gegen Rechtsextremismus auf. Rechtsextremismus äußert sich in einem erschreckenden Ausmaß von Propaganda und in Gewalttaten gegen Einwanderer, Asylsuchende, Personen jüdischen Glaubens, Homosexuelle sowie Vertreter des Staates und der Zivilgesellschaft. Vor allem Jugendliche zwischen 13 und 25 Jahren prägen gegenwärtig das Bild einer rechtsextremen Jugendszene. Aus diesem Phänomen heraus ergibt sich die Fragestellung, ob für die gegenwärtige rechtsextreme Szene die definitorische Beschreibung von Jugendszenen generell zutrifft. Jugendszenen können definiert werden als „[t]hematisch fokussierte kulturelle Netzwerke von Personen, die bestimmte materiale und/oder mentale Formen der kollektiven Selbststilisierung teilen und Gemeinsamkeiten an typischen Orten und zu typischen Zeiten interaktiv stabilisieren und weiterentwickeln.“
Ein solches Netzwerk setzt sich aus verschiedenen Gruppierungen und einzelnen Personen zusammen. Auch wenn bei vielen rechtsextremen Gruppen das konstituierende Element der Peer-Groups, die Altershomogenität, durch eine Heterogenität ersetzt ist, können sie als solche verstanden werden. Eine Peer-Group oder Clique ist „eine freiwillige, eigenständige und meist gemischt geschlechtliche Kleingruppe im Freizeitbereich, die sich durch ähnliche Ziele, Wertvorstellungen, Interessen, Geheimnisse, Stilrichtungen, Bindungen der Zuneigung und Bewunderung zusammenfindet und in der Jugendliche wesentliche Teile ihrer Freizeit gestalten.“
1. Einleitung: Einführung in die Thematik des Rechtsextremismus als jugendspezifisches Problem und Darlegung der forschungsmethodischen Vorgehensweise.
2. Die rechtsextreme Szene in Norwegen: Historischer Überblick über die Entwicklung rechtsextremer Gruppierungen in Norwegen nach 1945 bis in die 90er Jahre.
3. Das Exit-Konzept und die praktische Realisierung in Norwegen: Detaillierte Analyse des norwegischen Exit-Projekts, seiner theoretischen Grundlagen und der lokalen Umsetzung in Kristiansand.
4. Die rechtsextreme Szene in Schweden: Untersuchung der historischen Wurzeln und der organisatorischen Struktur der rechtsextremen Szene in Schweden.
5. Die Exit-Organisationen in Schweden: Darstellung der Entwicklung und Arbeitsweise schwedischer Exit-Organisationen unter Einbeziehung staatlicher Evaluationen.
6. Exit – Ein Modell mit Zukunft?: Vergleichende Einschätzung der norwegischen und schwedischen Ansätze sowie Diskussion der Potenziale für die Zukunft und den internationalen Transfer.
Exit-Konzept, Rechtsextremismus, Norwegen, Schweden, Jugendszene, Aussteiger, Prävention, Intervention, Reintegration, Elternnetzwerke, Sozialisierungsprozess, Radikalisierung, Jugendhilfe, politischer Transfer, Gewaltprävention.
Die Arbeit analysiert das Exit-Konzept, eine norwegische Strategie zur Prävention, Intervention und Reintegration im Kontext rechtsextremer Jugendszenen, und vergleicht dessen Umsetzung in Norwegen und Schweden.
Zentrale Themen sind die Entstehung und Entwicklung rechtsextremer Szenen, Motive für Ein- und Ausstiege, die Wirksamkeit pädagogischer Ansätze und die Rolle staatlicher sowie zivilgesellschaftlicher Akteure.
Das Ziel ist eine Gesamtdarstellung der Entwicklung des Exit-Konzepts, um eine fundierte Bewertung seiner Potenziale für einen internationalen Transfer zu ermöglichen und die bisherige Rezeption im deutschsprachigen Raum zu korrigieren.
Die Autorin nutzte Expertengespräche (Leitfadengespräche) mit Fachleuten und Exit-Vertretern in Norwegen und Schweden sowie eine umfassende Analyse von Quellen, Dokumenten und vorhandenen wissenschaftlichen Studien.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Szenen und Exit-Projekte/Organisationen in Norwegen und Schweden, inklusive der Analyse von Förderanträgen, Handbüchern, Evaluationen und medialen Diskursen.
Wichtige Begriffe sind Exit-Konzept, Rechtsextremismus, Aussteigerhilfe, Jugendszene, Sozialisierung, Prävention, Intervention und gesellschaftliche Reintegration.
Die Autorin betont die Notwendigkeit einer differenzierteren Betrachtung, da frühere Rezeptionen oft ein einseitiges Bild vermittelten, indem sie die Grenzen und Potenziale des Konzepts nicht ausreichend voneinander abgrenzten.
Elternnetzwerke werden als wesentliche Interventionsstrategie identifiziert, da sie das Umfeld der Jugendlichen stabilisieren, Informationen austauschen und den Prozess des Ausstiegs frühzeitig unterstützen können.
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