Diplomarbeit, 2006
103 Seiten, Note: 1,7
1. EINLEITENDE ÜBERLEGUNGEN
2. DIE ENTSTEHUNG DER LEHRE VOM GERECHTEN KRIEG
2.1 Die vorchristlichen Überlegungen zum Krieg
2.1.1 Die Griechen
2.1.2 Die römische Weiterentwicklung der Theorie
2.2 Das biblische Friedensverständnis
2.2.1 Die Schöpfungsgeschichte
2.2.2 Die Erwählung Israels
2.2.3 Das Gottesbild
2.2.4 Jesus Christus
2.3 Das Spannungsverhältnis zwischen christlicher Friedenslehre und römischem Kriegsverständnis
2.4 Die Entwicklung der christlichen Theorie bei Augustinus
2.4.1 Die Herrschaftsordnung
2.4.2 Das Wesen des Krieges
2.4.3 „ius ad bellum“ – Das Recht zum Krieg
2.4.4 „ius in bello“ – Das Recht im Krieg
2.4.5 Von Gott angeordnete Kriege
3. DIE ENTSTEHUNG EINER SYSTEMATISCHEN THEORIE BEI THOMAS VON AQUIN
3.1 Der mittelalterliche Hintergrund
3.2 Die Kriterien des gerechten Krieges
3.2.1 Die auctoritas principes
3.2.1.1 Die Begründung von Herrschaft
3.2.1.1 Herleitung der Herrschaftsform
3.2.1.2 Das Gesetz des Fürsten als Stellvertretung Gottes auf Erden
3.2.1.3 Der Fürst als Kriegslegitimation
3.2.1.4 Problemstellungen
3.2.1.5 Die kirchliche Obrigkeit als Bewahrer des Friedens
3.2.1.6 Die Vertretung von Gottes Willen als höchste Autorität
3.2.2 Der ungerechte Herrscher
3.2.3 Der gerechte Grund – causa iusta
3.2.3.1 Die strittige Deutung der thomasischen causa iusta
3.2.3.2 Die Proportionalitätsforderung
3.2.3.3 Krieg als ultima ratio
3.2.3.4 Die begründete Aussicht auf Erfolg
3.2.4 Die Absicht der Kriegführenden – intentio recta
3.2.4.1 Der Fürst als Kriegführender
3.2.4.2 Die Absicht des Fürsten
3.2.4.3 Das Recht im Krieg – ius in bello
3.2.4.3.1 Der Hinterhalt
3.2.4.3.2 Die Tötung Unschuldiger in einem Krieg
3.2.4.3.3 Das Streben nach Beute
4. DER RELIGIONSKRIEG
4.1 Inner- und außerstaatliche Feinde im Glauben
4.2 Der Krieg gegen Heiden und Juden
4.2.1 Die Juden- und Heidenverfolgungen im Mittelalter
4.2.2 Der Fürst als rechte Autorität
4.2.3 Der gerechte Grund als Grundlage des Vorgehens
4.3 Der Krieg gegen die Häretiker
4.3.1 Die häretischen Bewegungen des Mittelalters
4.3.2 Der Fürst als rechte Autorität
4.3.3 Der gerechte Grund als Grundlage des Vorgehens
4.4 Der Krieg gegen Schismatiker
4.4.1 Die Kirchenspaltung
4.4.2 Der Fürst als rechte Autorität
4.4.3 Der gerechte Grund als Grundlage des Vorgehens
4.5 Der Krieg gegen Apostaten
4.5.1 Die Auseinandersetzungen zwischen Papst und Kaiser
4.5.2 Der Fürst als rechte Autorität
4.5.3 Der gerechte Grund als Grundlage des Vorgehens
5. FAZIT
Die Arbeit untersucht die systematische Lehre des „gerechten Krieges“ (bellum iustum) bei Thomas von Aquin und analysiert, ob diese Theorie unter den Bedingungen der mittelalterlichen Lebenswelt eine Rechtfertigung für religiös motivierte Kriege (Religionskriege) zulässt und welche Rollen dabei der weltlichen und kirchlichen Macht zugeschrieben werden.
3.1 Der mittelalterliche Kriegsbegriff
Thomas von Aquin versuchte zwar, sich mit der Erlaubtheit des Krieges in allgemeingültiger Weise auseinanderzusetzen, sie kann aber nicht betrachtet werden, ohne seine mittelalterliche Lebenswelt zu beachten. Die Unterschiede zwischen der mittelalterlichen und der neuzeitlichen Welt verlangen vom heutigen Betrachter, dass er sich die Eigenarten mittelalterlichen Denkens vor Augen führt. Von Thomas selbst wurde diese nicht erörtert, da er ebenso in ihr lebte wie seine Studenten und andere Zeitgenossen, für die er schrieb.
Versuchte man zum Beispiel, den neuzeitlichen Kriegsbegriff als Bezeichnung für eine zwischenstaatliche Gewaltanwendung an die mittelalterlichen Texte anzulegen, würde man zwangsläufig bei der thomasischen Forderung nach der fürstlichen Autorität zu einer Fehlinterpretation gelangen. Um diese Forderung richtig zu verstehen muss berücksichtigt werden, dass es im Mittelalter keine Staaten im neuzeitlichen Sinne gab. So prägte Th. Mayer 1933 in der Diskussion um den Charakter des mittelalterlichen Staates den Begriff des Personenverbandstaates. Diese Staatsform sei nicht mit dem heutigen Verständnis eines institutionellen Flächenstaates zu vergleichen.
Der mittelalterliche Staat sei demnach keine Institution gewesen, die primär auf der Herrschaft über ein Gebiet beruhte, sondern er stützte sich vielmehr auf einen Verband von Personen, die auf der Basis von eigenen Rechten in den Staat eingegliedert wurden. Außerdem waren neben dem Herrscher auch noch die Magnaten und Fürsten Träger staatlicher Gewalt. Somit lassen sich im Bereich der politischen Strukturen Rechtsordnung und Machtordnung nur schwer voneinander trennen, da sich in Bezug auf Rangfragen, die das Herrschaftsgefüge bestimmten, Recht und Anspruch kaum unterscheiden ließen.
EINLEITENDE ÜBERLEGUNGEN: Die Einleitung beleuchtet die theologische Problematik christlicher Beteiligung an Kriegen und führt in die thomasische Theorie des bellum iustum ein, um die Forschungsfrage nach der Anwendbarkeit auf Religionskriege zu begründen.
DIE ENTSTEHUNG DER LEHRE VOM GERECHTEN KRIEG: Dieses Kapitel arbeitet die vorchristlichen Grundlagen sowie das biblische und augustinische Verständnis von Krieg und Frieden auf, die für das Fundament der Theorie von Thomas von Aquin entscheidend sind.
DIE ENTSTEHUNG EINER SYSTEMATISCHEN THEORIE BEI THOMAS VON AQUIN: Hier erfolgt die systematische Analyse der drei Kriterien (Autorität, gerechter Grund, rechte Absicht) im mittelalterlichen Kontext sowie die Untersuchung der Rolle von weltlicher und kirchlicher Macht.
DER RELIGIONSKRIEG: Dieses Kapitel wendet die erarbeitete Theorie exemplarisch auf verschiedene religiöse Konfliktgruppen des 13. Jahrhunderts an, um deren Legitimität nach thomasischer Auffassung zu prüfen.
FAZIT: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass nach thomasischer Lehre ein gerechter Religionskrieg unter strikter Einhaltung der Kriterien und unter päpstlicher Legitimation möglich war.
Thomas von Aquin, bellum iustum, gerechter Krieg, Religionskrieg, Kirchengeschichte, Mittelalter, causa iusta, auctoritas principes, intentio recta, Augustinus, scholastische Philosophie, kirchliche Macht, weltliche Herrschaft, Häresie, Exkommunikation.
Die Arbeit untersucht die Theorie des „gerechten Krieges“ (bellum iustum) des mittelalterlichen Theologen Thomas von Aquin und analysiert deren Anwendungsmöglichkeiten auf religiös motivierte Konflikte.
Die zentralen Themen sind die scholastische Kriegsethik, das Verhältnis von weltlicher und kirchlicher Macht im Mittelalter sowie die historische Einordnung religiöser Konflikte des 13. Jahrhunderts.
Das Ziel ist zu zeigen, ob und unter welchen Bedingungen Thomas von Aquin einen religiös begründeten Krieg (Religionskrieg) als „gerecht“ legitimiert hätte.
Der Autor führt eine geisteswissenschaftliche, historische und theologische Analyse durch, basierend auf einer intensiven Auswertung der Summa Theologiae sowie der einschlägigen Fachliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Kriterien für einen gerechten Krieg bei Thomas sowie die praktische Anwendung dieser Kriterien auf Konflikte gegen Heiden, Juden, Häretiker, Schismatiker und Apostaten.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie bellum iustum, scholastische Friedensethik, causa iusta, päpstliche Autorität und die Auseinandersetzung zwischen Papsttum und Kaiser charakterisieren.
Nach Thomas ist die Kirche die moralische Instanz, die in heilsrelevanten Fragen der weltlichen Macht übergeordnet ist; sie kann einen Krieg legitimieren oder einen Herrscher für abgesetzt erklären.
Thomas unterscheidet zwischen Usurpatoren und legitimen Herrschern, die zu Tyrannen geworden sind, und knüpft Widerstand an das Kriterium des Gemeinwohls sowie die formelle Legitimation durch eine höhere Instanz.
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