Magisterarbeit, 2006
120 Seiten, Note: 1,85
1. Einleitung
1.1. Karl Kraus
1.2. Max Reinhardt
1.3. Das Theater der Zeit (1899-1936)
2. Die Theaterauffassung Karl Kraus’
2.1. Prägung durch das „alte Burgtheater“
2.2. Pathos, Wort und Sprache
2.3. Darstellerpersönlichkeiten
2.4. Literatur und Theatertexte
2.5. „Theater der Dichtung“
3. Max Reinhardts Theatervisionen
3.1. Stilsuche und ‚Vielheit’ der Inszenierungsstile
3.2. Technik
3.3. Kunst und Ökonomie
4. Kraus’ Positionen zu Reinhardt im Licht der Fackel
4.1. Frühe Nähe
4.2. Nachvollziehen der Distanzierung
4.3. „Defektspielerei“
4.4. Der „schlaue Theaterkassier“
4.4.1. Theaterkaufhaus Reinhardt
4.4.2. Gastspiele, Expansion, Vermarktung
4.4.3. Fressen „coram musis“
4.4.4. Geschäftsbeziehungen
4.5. Wien-Berliner Kulturniedergang
4.6. „Sprechkunst“ und „Sprachkunst“
4.7. Berlin-Wiener Gastspiele
4.8. Reinhardt und der Weltuntergang
4.9. Regietheater
4.10. Kirche, Kommerz und Theater
4.10.1. „Mirakel“-Proben
4.10.2. Das „Mirakel-Geschäft“
4.10.3. „Vom großen Welttheaterschwindel“
4.10.4. „Preßburgtheater“
4.10.5 Reinhardt „in Sachen Kerr“
4.10.6. „Bunte Begebenheiten“
4.11. „Goethe und Reinhardt“
4.12. Reinhardt und Offenbach
4.12.1. „Offenbach-Renaissance“
4.12.2. „Offenbach-Schändungen“
4.12.3. Ein „erschütternder Kontrast“ zu Reinhardt
4.12.4. Offenbach im Rundfunk
4.13. Sommernachtstraum
4.14. Die Wirkung des „Magiers“
4.14.1. Reinhardt in der Gesellschaftspresse
4.14.2. Ehrungen und Titel
4.14.3. „Was sich tut, wenn er probiert“
4.15. Reinhardt-Notizen am Rande
4.16. Zwei späte Reinhardt-Aufsätze
4.16.1. „Die Handschrift des Magiers“
4.16.2. „Der ganz große Humbug“
5. Max Reinhardt und Karl Kraus
5.1. Reinhardt und Kraus in der Forschung
5.2. Ökonomie und Ästhetik bei Reinhardt und Kraus – eine Konklusion
6. Abschlußposition
Diese Arbeit untersucht das ambivalente Verhältnis zwischen dem Satiriker Karl Kraus und dem Theatermacher Max Reinhardt. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie Kraus’ theoretisches Postulat des „Theaters der Dichtung“ den spektakulären Inszenierungen und dem unternehmerischen Vorgehen Reinhardts, wie es sich in der Zeitschrift Die Fackel widerspiegelt, als kompromissloser Gegenentwurf gegenüberstand.
Die Handschrift des Magiers
Der Auszug „Aus meinen Memoiren“ nimmt Bezug auf einen Brief, den Reinhardt 1893 an Kraus gerichtet hatte und den Kraus in dieser Fackel-Nummer nun auch faksimiliert abdruckt. Aus dem Brief, der neben einem Dank – wohl für Kraus’ Vermittlung bei Brahm – hauptsächlich Berichte über Tätigkeiten und Erfolge Reinhardts am Deutschen Theater Berlin enthält, leitet Kraus nochmals, wie in einer Rückschau, all jene Eigenschaften ab, die er über die Jahre hinweg an Reinhardt festgestellt und kritisiert hatte. Er hebt besonders die verwendeten Abkürzungen hervor und geht auf die lose Haltung zur Rechtschreibung und die zum Teil schwer lesbare Form ein. Kraus konstruiert daraus die Vermutung, Reinhardt habe eine Handelsschule besucht, was seine bereits erörterte These vom ‚Theaterhändler’, der viel mehr von der äußerlichen Gestaltung eines Textilhandels beeinflußt ist, als von der Wortkunst, stützt. Kraus setzt die einfache Herkunft Reinhardts in Opposition zu „seiner Prunkliebe und seinem imperialen Bedürfnis“, die sich nicht zuletzt in seinen feudalen Wohnsitzen auf Schloß Leopoldskron und in der Wiener Hofburg, beziehungsweise in Schönbrunn manifestiert.
Zugleich macht Kraus auf die finanziell nicht immer rosige Lage des Mannes aufmerksam, „der gern Rechnungen von Elektrizitätswerken unbeglichen läßt“, aber doch immer wieder Unterstützer findet, die ihm Geld zuschießen. Besonders Camillo Castiglioni steht dabei wieder im Zentrum des Angriffes, als Symbolfigur für die nicht immer sauberen Kontakte ins Finanzmilieu und zur Presse.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der zwei Antipoden und der methodischen Herangehensweise unter Nutzung der Zeitschrift Die Fackel.
2. Die Theaterauffassung Karl Kraus’: Darlegung der kulturellen Prägung von Kraus durch das alte Burgtheater und Entwicklung seines Begriffs vom Theater der Dichtung.
3. Max Reinhardts Theatervisionen: Überblick über Reinhardts Regiestil, seinen Hang zur Bühnentechnik und sein Verständnis von Kunst und Ökonomie.
4. Kraus’ Positionen zu Reinhardt im Licht der Fackel: Chronologische und thematische Analyse der Auseinandersetzung, von der frühen Nähe bis zur harten Kritik an Kommerz und Regietheater.
5. Max Reinhardt und Karl Kraus: Zusammenfassung der forschungsgeschichtlichen Lücke und Synthese der Ästhetik- und Ökonomie-Debatte.
6. Abschlußposition: Resümee über die Unvereinbarkeit der Positionen bei gleichzeitiger Anerkennung beider als Impulsgeber für die zeitgenössische Theaterdebatte.
Karl Kraus, Max Reinhardt, Die Fackel, Theater der Dichtung, Regietheater, Theaterkritik, Kulturkritik, Wortregie, Bühnentechnik, Kommerzialisierung, Offenbach, Sprachverständnis, Medienschelte, Theatergeschichte, Literaturkritik.
Die Arbeit analysiert die jahrzehntelange publizistische Auseinandersetzung des Satirikers Karl Kraus mit dem Theaterdirektor Max Reinhardt.
Dazu gehören das unterschiedliche Verständnis von Regie, das Verhältnis von Kunst und Kommerz im Theater, die Rolle der Presse sowie die Bedeutung von Sprache und Text.
Ziel ist es, die Entwicklung der Meinung von Karl Kraus über Max Reinhardt anhand der Belegstellen in der Fackel nachzuzeichnen und die zugrunde liegenden ästhetischen Differenzen zu verdeutlichen.
Die Arbeit stützt sich auf eine detaillierte Quellenarbeit, indem sie die chronologische Entwicklung der Reinhardt-Kritik in der Fackel auswertet und diese durch theaterwissenschaftliche Kontexte einordnet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Theaterauffassung von Kraus, die Visionen Reinhardts und eine umfangreiche Analyse von Kraus' Polemiken gegen Reinhardts Theatergeschäfte und Regieentscheidungen.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Theater der Dichtung, Defektspielerei, Regietheater, Medienschelte und Ästhetik des Wortes geprägt.
Kraus sah in den Gastspielen und dem damit verbundenen „Regiezauber“ eine Entweihung des Theaters und eine Abkehr von der reinen, sprachbasierten Interpretation, die ihm am Herzen lag.
Kraus betrachtete die Presse oft als korruptes Element, das durch „Reklame“ und spekulative Berichterstattung Reinhardts Inszenierungen fälschlicherweise als kulturelle Großtaten pries und so den Geschmack des Publikums verdarb.
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