Examensarbeit, 2005
85 Seiten, Note: 2
0. Einleitung
1. Die sensation novel
1.1 Ursprünge und Entstehung der sensation novel
1.2 Ein neues Genre: die sensation novel
1.3 Charakteristische sensation-Motive in WW
1.3.1 Die mysteriöse Figur
1.3.2 Das dead-but-not-dead-motive
1.3.3 Das Geheimnis
1.3.4 Der Doppelgänger
1.4 Das Bild der sensation novel bei Presse, Kritikern und in der Öffentlichkeit
2. Psychoanalyse als Instrument der Literaturdeutung
2.1 Grundlagen der Psychoanalyse
2.2 Verfahren der psychoanalytischen Textdeutung
2.2.1 Literaturrezeption und –deutung durch den Leser
2.2.2 Literaturrezeption und –deutung durch den Analytiker
3. Wilkie Collins: Der Autor, seine Epoche und sein Werk
3.1 Die Entstehung und Struktur von WW
3.2 Reaktionen auf WW
3.2 Psychosoziale Grundmuster der Viktorianischen Gesellschaft und ihre Spiegelung in der Literatur
3.3 Die psycho-biografische Analyse des Autors
3.4.1 Zur Lebensgeschichte
3.5 Das Verhältnis von Leben und Werk
4. Ergebnisse der Figurenanalyse: Psychische Situation und Beziehungsdynamik der wichtigsten Figuren
4.1 Marian Halcombe
4.1.1 Ihr Erscheinungsbild
4.1.2 Figurenanalyse von Marian Halcombe
4.2 Laura Fairlie
4.2.1 Ihr Erscheinungsbild
4.2.3 Figurenanalyse von Laura Fairlie
4.3 Die Beziehungsdynamik von Laura Fairlie und Marian Halcombe
5. Zusammenfassung und Ausblick
6. Bibliografie
Die Arbeit untersucht das Wechselspiel zwischen dem Leben des Autors Wilkie Collins, seinem Roman "The Woman in White" und den psychischen Strukturen der drei Hauptprotagonisten Marian Halcombe, Laura Fairlie und Walter Hartright. Das primäre Ziel ist es, mittels psychoanalytischer Literaturtheorie eine tiefgehende Beschreibung der inneren Konflikte und Beziehungsdynamiken zu erstellen, wobei auch der sozio-historische Kontext der Viktorianischen Ära zur Einordnung herangezogen wird.
1.3.1 Die mysteriöse Figur
Die Szene des ersten Auftritts der woman in white, Anne Catherick, stellt ein charakteristisches Motiv der sensation novel dar: Es geht dabei darum, dass die Darstellung mit einer äußerst dramatischen Szene eröffnet wird. Eine mysteriöse Figur betritt die literarische Bühne, meist in einer unheimlichen Umgebung und ängstigt die oder den Protagonisten. Hier ist es Anne Catherick, die den vor Angst erstarrten Walter Hartright mitten in der Nacht auf einer einsame Straße antrifft:
There, in the middle of the broad, bright high-road – there, as if it had that moment sprung out of the earth or dropped from heaven – stood the figure of a solitary Woman, dressed from head to foot in white garments; her face bent in grave enquiry on mine, her hand pointing to the dark cloud over London, as I faced her.
Catherine Peters, Wilkie Collins’ Biografin, wertet diese dramatische Szene als eine der berühmtesten fiktionalen Episoden, die je geschrieben wurden. In den früheren Ausprägungen von literarischem Sensationalismus, beispielsweise in der gothic novel, waren Erscheinungen wie diese gern verwendete Stilmittel. Die berühmte Kritikerin und Schriftstellerin Margaret Oliphant bezeichnet die soeben dargestellte Szene als die erste sensation scene in WW; sie entlehnt die Bezeichnung dem derzeitig sehr populären sensation drama. Auch Dickens war voller Bewunderung die Beschreibung dieses fesselnden Zwischenfalles: Sein Sohn berichtete, dass Dickens diesen als eine der dramatischsten Darstellungen in der Literatur bewertete.
0. Einleitung: Diese Arbeit erläutert das Ziel, das Verhältnis von Leben, Werk und den psychischen Grundstrukturen der Protagonisten von "The Woman in White" zu untersuchen.
1. Die sensation novel: Dieses Kapitel definiert das Genre der sensation novel, ihre literarischen Ursprünge und die charakteristischen Motive, die das Werk von Wilkie Collins prägen.
2. Psychoanalyse als Instrument der Literaturdeutung: Hier werden die theoretischen Grundlagen der psychoanalytischen Textdeutung und deren Anwendungsmöglichkeiten sowie kritische Perspektiven dargelegt.
3. Wilkie Collins: Der Autor, seine Epoche und sein Werk: Es wird die historische und biografische Einbettung von Collins und seinem Werk untersucht, inklusive einer psycho-biografischen Analyse des Autors.
4. Ergebnisse der Figurenanalyse: Psychische Situation und Beziehungsdynamik der wichtigsten Figuren: Das zentrale Kapitel bietet eine detaillierte psychoanalytische Untersuchung von Marian Halcombe und Laura Fairlie sowie deren spezifischer Beziehungsdynamik.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der Ergebnisse und einer Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen der psychoanalytischen Literaturinterpretation.
6. Bibliografie: Dieses Kapitel enthält das vollständige Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Wilkie Collins, The Woman in White, sensation novel, Psychoanalyse, Literaturwissenschaft, Figurenanalyse, Marian Halcombe, Laura Fairlie, Viktorianisches Zeitalter, Identität, Unbewusstes, Beziehungsdynamik, Übertragung, Gegenübertragung, Geschlechteridentität.
Die Examensarbeit widmet sich einer psychoanalytischen Figurendeutung des Romans "The Woman in White" von Wilkie Collins.
Im Fokus stehen die psychoanalytische Literaturtheorie, das Genre der sensation novel sowie die psychobiografische Untersuchung des Autors im Kontext der viktorianischen Gesellschaft.
Ziel ist es, das komplexe Verhältnis zwischen dem Leben des Autors, dem literarischen Werk und den psychischen Strukturen der Hauptfiguren aufzuklären.
Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig die Psychoanalyse als Instrument der Literaturwissenschaft, um die unbewussten Motivationen und Konflikte der Charaktere und des Autors zu deuten.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung der Methode, eine biografische Kontextualisierung des Autors und eine ausführliche Figurenanalyse der Protagonisten.
Wichtige Begriffe sind unter anderem die sensation novel, Übertragung, Doppelgänger, Viktorianismus sowie die psychischen Strukturen von Marian Halcombe und Laura Fairlie.
Sie wird als starke, durchsetzungsfähige Persönlichkeit interpretiert, die maskuline Eigenschaften besitzt und die Rolle einer moralischen Instanz einnimmt.
Die Analyse zeigt, dass Laura fast ausschließlich durch die Perspektiven anderer wahrgenommen wird und ihre eigene Autonomie durch traumatische Erfahrungen und gesellschaftliche Erwartungen stark eingeschränkt ist.
Die Beziehung wird als extrem eng, teils symbiotisch beschrieben, wobei Marian ihre Lebenssicherheit maßgeblich aus der Verantwortung für ihre Schwester bezieht.
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