Essay, 2007
23 Seiten
1 Das Dorf Rauischholzhausen
1.1 Die Geschichte des Dorfes Rauischholzhausen bis 1871
1.2 Die Ära der Familie von Stumm
2 Schloss und Park Rauischholzhausen
2.1 Der Park Rauischholzhausen
2.2 Das Schloss Rauischholzhausen
3 Ferdinand von Stumm und sein Dorf – Eine Mentalitätsbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die sozial- und mentalitätsgeschichtliche Bedeutung des Schlossparks von Rauischholzhausen als englischer Landschaftsgarten sowie die Rolle der Familie von Stumm für die Entwicklung des Ortes und deren Einfluss auf die lokalen Machtverhältnisse.
2.1 Der Park Rauischholzhausen
Noch vor Beginn des Schlossbaus entstand auf dem 100 ha großen Gesamtareal die Anlage des Parks, dessen Größe damals 50 ha betrug. Zu Beginn der Arbeit waren bis zu 50 Arbeiter drei Jahre lang mit der Gestaltung beschäftigt. Etwa 28.000 Gehölze (ca. 200 Baumarten) mussten, zum Teil im großen Zustand unter Zuhilfenahme von Maschinen, gepflanzt werden.
Wasser ist ein wichtiges Element im Park; durch mehrere ehemalige Fischteiche, die zu kleinen Seen erweiterte worden waren, fließt der Rülfbach genannte Mühlbach, einem Flusslauf in einem Talzug nachempfunden. Dieser Mühlbach trieb die ehemals fünf Mühlen im Dorf an, von denen jetzt nur noch die „Alte Mühle“ am Parkeingang zu sehen ist. Ferdinand von Stumm ließ 1875 die um 1600 errichtete „Untere Burg“ oder Wasserburg der Raus abtragen und an ihrer Stelle den heutigen Burgteich anlegen bzw. Teile zu einer Mühle umbauen. Wassergraben und Achsenstumpf des Mühlrades sind bis heute zu sehen. Das Hauptportal der Wasserburg wurde in die Wand des Schlosses eingearbeitet.
Geistiger Vater der Rauischholzhausener Parkanlage war der Mainzer Architekt und – heute würde gesagt werden – Landschaftsgärtner Heinrich Siesmayer (1817-1900). Dieser hielt sich zwar bei der Gestaltung der Anlage eng an den Stil eines klassischen Englischen Landschaftsgartens, dessen Grundidee der Earl of Shafterbury (1617-1713) entwickelt hatte, und konnte doch gleichzeitig einige Abweichungen vom Standardtypus einfügen. Shafterbury pries die Vollkommenheit der sich selbst überlassenen Natur. Mit seiner Auffassung, die Welt sei eine Wohlgeordnete Schöpfung, die durch Eingriffe des Menschen nur gestört werden könne, beeinflusste er die Werke Herders, Goethes, Schillers und anderer deutscher Romantiker. Diese von Shafterbury gepriesene, wilde Natur entzog sich nun freilich jeder gärtnerischen Gestaltung und ließ sich in der Realität nicht in ihrer Reinform umsetzen. Es war der Baumeister, Maler und Gartenkünstler William Kent (1685-1748), welcher, beeinflusst von den Reiseberichten der kunstvoll, aber unregelmäßig gestalteten chinesischen Gärten, die Natur mit den Augen des Künstlers betrachtend die Aspekte der Landschaftsmalerei aufgriff.
1 Das Dorf Rauischholzhausen: Das Kapitel zeichnet die historische Entwicklung des Ortes von der ersten urkundlichen Erwähnung bis zum Ende der Ära der Familie von Stumm im 20. Jahrhundert nach.
2 Schloss und Park Rauischholzhausen: Hier werden die Anlage des umfangreichen englischen Landschaftsgartens sowie die Architektur und Baugeschichte des im Historismus-Stil errichteten Schlosses detailliert beschrieben.
3 Ferdinand von Stumm und sein Dorf – Eine Mentalitätsbetrachtung: Dieses Kapitel analysiert das soziale Machtgefüge zwischen der Diplomatenfamilie von Stumm und der Dorfbevölkerung unter Berücksichtigung von Architektur, Parkgestaltung und Wohltätigkeit.
Rauischholzhausen, Schlosspark, Ferdinand von Stumm, Englischer Landschaftsgarten, Historismus, Carl Schäfer, Heinrich Siesmayer, Sozialgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Patronatskirche, Landadel, Gutsbesitz, Schlossbau, Gartenkunst, Ebsdorfergrund
Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte des Dorfes Rauischholzhausen und der prägenden Rolle der Familie von Stumm bei der Gestaltung von Schloss und Park Ende des 19. Jahrhunderts.
Die Schwerpunkte liegen auf der Historie des Ortes, der gartenarchitektonischen Gestaltung nach dem englischen Vorbild und der Analyse sozialer Machtstrukturen durch die Gutsherrschaft.
Das Ziel ist eine sozial- und mentalitätsgeschichtliche Einordnung des Schlosses und Parks als Mittel zur Repräsentation und Ausübung von sozialer Macht innerhalb der dörflichen Gemeinschaft.
Es handelt sich um einen essayistischen Ansatz, der auf einem historischen Vortrag basiert und durch Quellenstudien zu Architektur, Gartenkunst und Regionalgeschichte untermauert wird.
Der Hauptteil gliedert sich in die Dorfgeschichte, die detaillierte Beschreibung der Park- und Schlossanlage sowie eine kritische Reflexion des gesellschaftlichen Verhaltens der Familie von Stumm.
Zu den zentralen Begriffen gehören Rauischholzhausen, englischer Landschaftsgarten, Historismus, Ferdinand von Stumm und soziale Abhängigkeit.
Heinrich Siesmayer war der geistige Architekt der Parkanlage, der den klassischen englischen Landschaftsstil mit Elementen der Landschaftsmalerei kombinierte und bildhauerischen Schmuck integrierte.
Der Autor argumentiert, dass die Familie von Stumm durch Symbole wie die Privatloge in der Kirche, den eigenen Friedhof und die repräsentative Schlossarchitektur soziale Privilegien beanspruchte, die an den alten Adel anknüpften, obwohl sie erst spät geadelt wurden.
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