Diplomarbeit, 2007
90 Seiten, Note: 1,3
1 EINLEITUNG UND GANG DER UNTERSUCHUNG
2 GRUNDSÄTZLICHE ANMERKUNGEN ZU KLEINEN UND MITTLEREN UNTERNEHMEN IN DEUTSCHLAND
2.1 QUANTITATIVE UND QUALITATIVE MITTELSTANDSDEFINITIONEN
2.1.1 Abgrenzung durch das IASB
2.1.2 Abgrenzung auf Ebene der BRD
2.1.3 Abgrenzung auf Ebene der EU
2.1.4 Das Abgrenzungskriterium der Kapitalmarktorientierung
2.2 VORHERRSCHENDE RECHTSFORMEN UND EIGENTÜMERSTRUKTUREN IM DEUTSCHEN MITTELSTAND
2.3 FINANZIERUNGSSTRUKTUR DES DEUTSCHEN MITTELSTANDS
3 ZWECK UND KONZEPTIONEN DER RECHNUNGSLEGUNG
3.1 ZWECKBESTIMMUNG DEUTSCHER UND INTERNATIONALER RECHNUNGSLEGUNGSSYSTEME
3.1.1 Der Zweck der Rechnungslegung nach HGB
3.1.2 Der Zweck der Rechnungslegung nach IFRS
3.1.3 Der Zweck der Rechnungslegung im IFRS für KMU
3.2 RECHNUNGSLEGUNG AUS GRÜNDEN DER EFFIZIENZ
3.2.1 Entwicklung des Effizienzgedankens: Von der Neoklassik zur Neuen Institutionenökonomie
3.2.2 Das Effizienzkalkül im Kontext der Rechnungslegung
3.3 RECHNUNGSLEGUNG AUS GRÜNDEN DER GERECHTIGKEIT
3.4 ZUR ZWECKMÄßIGKEIT DER AUSGESTALTUNG VON RECHNUNGSLEGUNGSVORSCHRIFTEN
3.4.1 Informationsbedarf aus Kapitalgebersicht
3.4.2 Grundvoraussetzungen für Rechnungslegungsinformationen zur Nützlichkeit bei der Entscheidungsfindung
3.4.3 Informative Konzepte der Jahresabschlusserstellung
3.4.3.1 Das Konzept des informativen Bilanzpostens
3.4.3.2 Das Konzept der informativen Ergebnisgröße
3.4.3.2.1 Eignung als Performancemaßstab
3.4.3.2.2 Eignung als Prognosemaßstab
3.4.4 Sonstige Instrumente der Informationsvermittlung im Rahmen des Jahresabschlusses
3.5 ZWISCHENFAZIT
4 ANALYSE DES ENTWURFS EINES INTERNATIONALEN RECHNUNGSLEGUNGSSTANDARDS FÜR KLEINE UND MITTLERE UNTERNEHMEN
4.1 ANGESPROCHENER ADRESSATENKREIS
4.2 AUFBAU UND REGELUNGSINHALT
4.2.1 Allgemeines
4.2.2 Ansatz- und Bewertungsregeln
4.2.3 Vorschriften zur Ergebnisermittlung und zum Ergebnisausweis
4.2.4 Bilanzielle Gliederungsvorschriften
4.2.5 Ergebnisbezogene Regelungen
4.2.6 Anhangangaben
4.2.7 Weitere Berichtsformate
4.3 UNTERSCHIEDE ZU DEN FULL IFRS
4.4 ZWISCHENFAZIT
5 KRITISCHE WÜRDIGUNG
5.1 EIGENSTÄNDIGKEIT DES STANDARDENTWURFS
5.2 ZUR PROBLEMATIK DER WAHLRECHTE UND ERMESSENSSPIELRÄUME
5.3 ÄNDERUNGSBEDARF AUSGEWÄHLTER JAHRESABSCHLUSSPOSITIONEN
5.3.1 Finanzinstrumente
5.3.2 Goodwill
5.3.3 Leasing
5.3.4 Pensionen und weitere Rückstellungen
5.3.5 Immaterielle Vermögensgegenstände
5.3.6 Gewinnrealisierung bei Langfristfertigung
5.3.7 Anhangangaben
5.4 ZWISCHENFAZIT
5.5 UMSETZUNGSBEDARF DES IASB-STANDARDENTWURFS FÜR KLEINE UND MITTLERE UNTERNEHMEN IN DEUTSCHLAND
6 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Ziel dieser Arbeit ist es, die Konsequenzen einer flächendeckenden Einführung der International Financial Reporting Standards (IFRS) für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland zu analysieren. Dabei wird kritisch geprüft, ob das vom IASB vorgeschlagene Regelwerk den spezifischen Anforderungen mittelständischer Unternehmen gerecht wird oder ob die bestehenden handelsrechtlichen Vorschriften nach HGB für diesen Adressatenkreis besser geeignet sind.
3.2.1 Entwicklung des Effizienzgedankens: Von der Neoklassik zur Neuen Institutionenökonomie
In der Neoklassik wird die Möglichkeit des Handels von Zahlungsströmen zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmern über das Konstrukt eines vollkommenen und vollständigen Kapitalmarkts modelliert, der sowohl die eigennutzorientierten Wirtschaftssubjekte koordiniert, als auch zur allgemeinen Wohlfahrtssteigerung beiträgt. Unter dieser Maßgabe der Vollkommenheit und Vollständigkeit ist es möglich, durch im Hinblick auf Höhe, zeitliche Struktur und Unsicherheit beliebig charakterisierte Kapitalmarkttransaktionen einen maximalen Zahlungsstrom zu realisieren, der
die individuellen Präferenzen der Marktteilnehmer berücksichtigt und pareto-optimal koordiniert,
die Frage der Unternehmensfinanzierung irrelevant werden lässt und eine Durchführung aller Investitionen mit mindestens positivem Kapitalwert ermöglicht sowie
die Dividendenpolitik in Bezug auf die Vermögensposition der Anteilseigner obsolet macht.
All dies geschieht in einer „sonderbaren Welt kostenloser Transaktionen“, mit unendlicher Reaktionsgeschwindigkeit und unter vollkommener Voraussicht, d.h. auf einem weit von der Realität entfernten Abstraktionsgrad. Da Kapitalmärkte aber nachweislich Finanzierungsprobleme und informative Unvollkommenheiten aufweisen, stoßen die optimistischen neoklassischen Annahmen (kein Bedarf an Finanzintermediären, keinerlei Finanzierungsprobleme) an ihre Grenzen und sind letztlich nicht dazu geeignet, Wohlfahrtseffekte auf unvollkommenen Märkten zu analysieren.
Infolgedessen hat es sich der Neo-Institutionalismus als ein Teilforschungsgebiet der Institutionenökonomie zur Aufgabe gemacht, die Ursachen der vorgenannten Diskrepanzen zu ermitteln und Ansätze zu ihrer Überwindung zu entwickeln. Als entscheidende Funktionsschwächen des „Heile-Welt“-Szenarios der Neoklassik gelten die Fragen der Informationsverteilung und der Transaktionskosten. Daher tritt im Neo-Institutionalismus asymmetrische Informationsverteilung an die Stelle perfekter Information der Individuen, begleitet von nun ebenfalls anfallenden Transaktionskosten im Rahmen der Vertragsverhandlungen um Zahlungsströme. Effizienzgesichtspunkten wird in der neuen Forschungsrichtung insofern Rechnung getragen, als dass Institutionen, zu denen auch die Rechnungslegung zählt, eine Vermeidung oder zumindest Verringerung der nun auftretenden Reibungsverluste bewirken sollen, um auf diese Weise positive Wohlfahrtseffekte zu erzielen.
1 EINLEITUNG UND GANG DER UNTERSUCHUNG: Die Einleitung umreißt die Relevanz der Diskussion um die Einführung von IFRS für KMU und legt den methodischen Aufbau der Arbeit dar.
2 GRUNDSÄTZLICHE ANMERKUNGEN ZU KLEINEN UND MITTLEREN UNTERNEHMEN IN DEUTSCHLAND: Dieses Kapitel definiert den Mittelstand aus quantitativer und qualitativer Sicht und beleuchtet die spezifische Finanzierungsstruktur deutscher Unternehmen.
3 ZWECK UND KONZEPTIONEN DER RECHNUNGSLEGUNG: Es werden die theoretischen Grundlagen der Rechnungslegung analysiert, insbesondere aus Sicht der Effizienz und des Kapitalgeberschutzes.
4 ANALYSE DES ENTWURFS EINES INTERNATIONALEN RECHNUNGSLEGUNGSSTANDARDS FÜR KLEINE UND MITTLERE UNTERNEHMEN: In diesem Hauptteil wird das vorgeschlagene Regelwerk des IASB detailliert unter die Lupe genommen und mit den Full IFRS verglichen.
5 KRITISCHE WÜRDIGUNG: Hier erfolgt eine kritische Bewertung der Auswirkungen des Standardentwurfs, insbesondere hinsichtlich der Wahlrechte, Bewertungsfragen und des Umsetzungsbedarfs in Deutschland.
6 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und wagt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der Rechnungslegung in Deutschland.
IFRS für KMU, Mittelstand, Kapitalgeberschutz, Rechnungslegung, IASB, Finanzberichterstattung, Bilanzierung, Neoklassik, Neue Institutionenökonomie, Eigenkapital, Fremdkapital, Transaktionskosten, Informationsasymmetrie, Fair Value, HGB.
Die Diplomarbeit befasst sich mit der kritischen Würdigung des Standardentwurfs des IASB zur Einführung der International Financial Reporting Standards für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und analysiert dessen Anwendbarkeit in Deutschland.
Die zentralen Themen sind die Abgrenzung von KMU, die regulierungstheoretische Begründung von Rechnungslegung, die Analyse der spezifischen IFRS-Regeln für KMU sowie die kritische Gegenüberstellung mit dem deutschen HGB.
Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, ob der IASB-Standardentwurf für KMU eine konzeptionell sinnvolle Alternative zur HGB-Rechnungslegung darstellt und inwieweit er den Informationsbedürfnissen von Kapitalgebern im Mittelstand tatsächlich gerecht werden kann.
Die Arbeit basiert auf einer normativ-theoretischen Analyse unter Einbeziehung der Neuen Institutionenökonomie sowie einer rechtsvergleichenden Untersuchung der Regelungsinhalte von HGB und IFRS.
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der detaillierten Analyse der einzelnen Standards (Sections) des IASB-Entwurfs sowie der kritischen Prüfung von Bilanzierungswahlrechten und deren Auswirkungen auf die Qualität der Finanzberichterstattung.
Die wichtigsten Begriffe sind IFRS für KMU, Mittelstand, Kapitalgeberschutz, Bilanzierung, Rechnungslegung und Agency-Theorie.
Kritikpunkte sind unter anderem der hohe Detailgrad und das Volumen der Anhangangaben, die unverhältnismäßig hohe Zahl an Wahlrechten sowie die Befürchtung, dass der Standardentwurf den Informationsbedarf mittelständischer Gesellschafter, die oft gleichzeitig Managementfunktionen ausüben, nicht besser deckt als das etablierte HGB.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass für den deutschen Mittelstand derzeit kein vordringlicher Bedarf an einer Umstellung auf den IFRS für KMU besteht, da die bestehenden HGB-Regelungen in Kombination mit individuellen Kontrollrechten bereits adäquate Lösungen für die spezifischen Strukturen mittelständischer Unternehmen bieten.
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