Diplomarbeit, 2007
117 Seiten, Note: 1,0
1 Einführung
2 Kalkulatorisches Vertrauen
2.1 Coleman und Vertrauen als „Rational Choice“
2.1.1 Annahmen über den rationalen Akteur
2.1.2 Vertrauen als rationale Handlungsstrategie
2.1.3 „Gambling Choice“
2.1.4 Vertrauen als Grundlage der Investitionsentscheidung
2.2 Vertrauenskonzeption der Neuen Institutionenökonomik
2.2.1 Prinzipal-Agenten-Beziehung als Vertrauensbeziehung
2.2.2 Der Vertrag als Garant für Vertrauen
3 Agency-Theorie
3.1 Grundkonzepte der Agency-Theorie
3.1.1 Akteure und ihre spezifischen Eigenschaften
3.2 Hauptprobleme
3.2.1 Hidden Characteristics
3.2.2 Hidden Action
3.2.3 Hidden Information
3.2.4 Hidden Intention
3.3 Lösungsmöglichkeiten für Agencyprobleme
3.3.1 Reduktion von Informationsunterschieden
3.3.2 Auflösen von Zielkonflikten
3.3.3 Vertrauen zwischen Prinzipal und Agent
3.4 Anwendungsbereich bei Trennung von Eigentum und Kontrolle in Unternehmen
4 Corporate Governance
4.1 Der Versuch einer Definition
4.2 Die Entwicklung der Corporate Governance
4.3 Unterscheidung der Corporate Governance Systeme nach formalen Unterschieden
4.3.1 Single Board Struktur
4.3.2 Duales System mit Vorstand und Aufsichtsrat
5 Gestaltung der Corporate Governance nach den Konzepten der Agency-Theorie unter Berücksichtigung des Faktors Vertrauen
5.1 Ziele und Interessen der beteiligten Akteure
5.1.1 Die Eigentümer
5.1.2 Die Manager
5.2 Implementierung eines Aufsichtsrats als Kontrollorgan
5.3 Nutzen des Aufsichtsrats
5.4 Opportunismus als Grundannahme
5.5 Bedeutung von Vertrauen für die Corporate Governance
5.5.1 Reduktion von Vertrauen in agencytheoretisch geleiteten Corporate Governance Systemen
5.5.2 Vertrauen und Misstrauen als Ursache für Verhalten
6 Insiderhandel und dessen Signalwirkung
6.1 Rechtliche Grundlagen zu Insiderhandel
6.1.1 Problematik der Definition
6.1.2 Pflicht zur Offenlegung von Insiderkäufen
6.2 Insideraktivitäten und die damit verbundenen Signale
6.2.1 Insiderkäufe als Signal zur Reduktion von Unsicherheiten
6.2.2 Insidertransaktionen des Vorstandsvorsitzenden
6.3 Kritische Auseinandersetzung mit Insiderhandel
6.4 Ergebnisse einer Untersuchung zu Insidertransaktionen
7 Schluss
Die Diplomarbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Vertrauen und Kontrolle in der modernen Unternehmensführung. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob und wie das Management durch gezielte Signale – insbesondere Insiderkäufe – Unsicherheiten bei Aktionären reduzieren und so eine rationale Vertrauensentscheidung ermöglichen kann, anstatt ausschließlich auf strikte Kontroll- und Anreizmechanismen zu setzen.
2.1.2 Vertrauen als rationale Handlungsstrategie
Betrachten wir zuerst einmal die Grundelemente individuellen Handelns auf der Mikroebene. Coleman unterscheidet hier in „(…) zwei Arten von Elementen und zwei Arten, wie sie miteinander in Beziehung stehen“ (Coleman, 1991, S. 34). Dabei sind die Elemente Akteure und Dinge. Das Element Dinge unterscheidet er weiter in Ressourcen oder Ereignisse, abhängig von ihrem Wesen (vgl. Coleman, 1991, S. 34). Die Akteure verfolgen spezifische Interessen und verfügen entweder über Kontrolle über gewisse Dinge oder haben ein Interesse an ihnen. Will nun der Akteur gewisse Interessen verwirklichen, benötigt er Kontrolle über die Ressourcen oder Ereignisse. Dies ist solang unproblematisch, wie er die Kontrolle bereits hat und über die Ereignisse verfügen kann. Dann wird der Akteur die Kontrolle so ausüben, dass eine Deckung mit seinen Interessen stattfindet.
Dies ist auch relativ einfach über ein Beispiel zu erklären: Wenn meine spezifische Ressource mein Auto ist, dann kann ich die Kontrolle darüber ausüben, wann ich es nutze und ob das Nutzen meines Autos in meinem Interesse liegt (natürlich ist dieses Beispiel vereinfacht, da die Kontrollausübung durch Benzin, Werkstattbesuche und dergleichen eingeschränkt ist). Interessant wird der Sachverhalt jedoch, wenn andere Akteure Ressourcen kontrollieren, an denen ein Akteur Interesse hat. Nur so können soziale Systeme entstehen, da die Akteure nicht vollständig die Ressourcen kontrollieren, die ihre Interessen befriedigen. Wenn wir das noch einmal auf das oben angeführte Beispiel anwenden, wird deutlich, dass die reine Kontrolle über die Ressource Auto nicht ausreicht. Da ich keine Kontrolle über die Ressource Benzin habe, muss ich mit anderen Akteuren, die diese Ressource kontrollieren, in Kontakt treten. Dies führt dazu, „(…) daß man Transaktionen irgendeiner Art mit anderen Akteuren eingeht“ (Coleman, 1991, S. 35 f.).
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle der Deutschen Bank unter Dr. Josef Ackermann und leitet aus der Problematik von Vertrauen und Kontrolle vier zentrale Thesen ab.
2 Kalkulatorisches Vertrauen: Dieses Kapitel fundiert den Vertrauensbegriff theoretisch durch die Konzeption von James S. Coleman, wobei Vertrauen als rationale Entscheidung unter Risiko definiert wird.
3 Agency-Theorie: Es werden die klassischen Kontrollprobleme (Hidden Characteristics, Action, Information, Intention) sowie Lösungsmöglichkeiten innerhalb der Prinzipal-Agenten-Beziehung detailliert erörtert.
4 Corporate Governance: Das Kapitel bietet eine Begriffsdefinition und eine historische Einordnung der Corporate Governance, inklusive eines Vergleichs zwischen dem amerikanischen (Single Board) und deutschen (Duales System) Modell.
5 Gestaltung der Corporate Governance nach den Konzepten der Agency-Theorie unter Berücksichtigung des Faktors Vertrauen: Hier wird der theoretische Überbau mit der Realität verknüpft, um zu zeigen, wie eine Überbetonung von Kontrolle das Vertrauen reduzieren kann.
6 Insiderhandel und dessen Signalwirkung: Dieser Teil untersucht den Insiderhandel als Signalmechanismus, der Unsicherheiten reduzieren kann, gestützt durch eine Analyse der Insidertransaktionen bei der Deutschen Bank.
7 Schluss: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Signale das Vertrauen stärken und Kontrolle sinnvoll ergänzen können.
Unternehmensführung, Vertrauen, Kontrolle, Agency-Theorie, Corporate Governance, Insiderhandel, Signalwirkung, Kapitalmarkt, Neue Institutionenökonomik, Prinzipal-Agenten-Beziehung, Informationsasymmetrie, Rational Choice, Deutsche Bank, Risikokalkulation, Insiderkäufe
Die Arbeit analysiert das Zusammenspiel von Vertrauen und Kontrolle in der Unternehmensführung und wie dieses Verhältnis durch Signale des Managements positiv beeinflusst werden kann.
Die Arbeit verbindet die ökonomische Vertrauenstheorie (Coleman) mit der Agency-Theorie sowie den Strukturen und Modellen der Corporate Governance.
Das Ziel ist es zu zeigen, dass übermäßige Kontrolle durch das Management zu einer Vertrauenserosion führt und dass Signale (wie Insiderkäufe) ein praktikables Instrument sind, um Vertrauen bei Investoren aufzubauen.
Die Arbeit nutzt eine theoretische Fundierung durch die Neue Institutionenökonomik und die Agency-Theorie, ergänzt durch eine empirische Analyse von Insidertransaktionen der Deutschen Bank AG.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung von Vertrauen und Kontrolle, die Anwendung der Agency-Theorie auf die Corporate Governance und die detaillierte Auswertung von Insideraktivitäten als Signale für den Kapitalmarkt.
Zentrale Begriffe sind Vertrauen, Kontrolle, Agency-Theorie, Corporate Governance und Insider-Signale.
Die pauschale Unterstellung von opportunistischem Verhalten (Agency-Theorie) führt laut Autor zu einer kontraproduktiven Kontroll-Kultur, die Vertrauen im Keim erstickt und die intrinsische Motivation der Akteure schwächt.
Der Mannesmann-Prozess dient als Beispiel für Ereignisse, die das Vertrauen der Anleger in die Unternehmensführung erschüttern und damit die Notwendigkeit von glaubwürdigen Signalen unterstreichen.
Im Gegensatz zu Verkäufen, die auch durch Entlohnungspläne motiviert sein können, deuten Käufe darauf hin, dass das Management das Unternehmen für unterbewertet hält und bereit ist, eigenes Kapital ins Risiko zu bringen.
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