Wissenschaftliche Studie, 2003
16 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung: Einordnung in die Geographie
2. Die Stadt Wächtersbach: Stadtentwicklung und Einwohnerzahlen
3. Der Konfliktverlauf
4. Instrumentalisierung des Themas „Moschee“ auf kommunalpolitischer Bühne
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht den jahrelangen Moscheekonflikt in der hessischen Stadt Wächtersbach aus einer raumgeographischen und sozialgeographischen Perspektive. Ziel ist die Rekonstruktion der politischen Raumentscheidungen und die Analyse, wie lokale Parteien das Thema zur Profilierung instrumentalisierten, um die Platzierung einer Moschee im Innenstadtbereich zu verhindern.
3. Der Konfliktverlauf
Wie mit dem Thema des Moscheebaus in Wächtersbach umgegangen wurde, lässt sich am besten anhand eines chronologischen Konfliktverlaufs verdeutlichen. Eine solche Chronologie bietet einen detaillierten Überblick und lässt den Leser zudem den Konflikt in all seinen Entwicklungsphasen mitverfolgen und somit auch besser verstehen.
Die Ausgangslage vor dem Moscheenkonflikt in Wächtersbach sieht folgendermaßen aus: Der türkisch-islamische Kulturverein nutzt bereits vor 1991 das Gebäude der „Alten Schule“ (vgl. Abb. 2) in dem Stadtteil Neudorf; und das wohl auch ohne weitere Probleme mit den umliegenden Bewohnern. 1991 erwirbt der zu diesem Zeitpunkt ungefähr 190 Mitglieder zählende Kulturverein ein 3.000 qm großes Grundstück in der „Hesseldorfer Strasse“ von einer Privatperson. Der Hintergedanke bei diesem Kauf scheint der zunehmende Platzmangel in den Räumen der „Alten Schule“ zu sein. Die Mitgliederzahl des türkischen Vereins wächst infolge der steigenden Zahl türkischer Bewohner in Wächtersbach von Jahr zu Jahr an. Somit reicht der Platz in den bisherigen Gebetsräumen nicht mehr aus. Der Schritt des Erbauens eines neuen Kulturzentrums, zu dessen Zweck das Grundstück in der Hesseldorfer Strasse erworben wurde, ist mit der Stadtverwaltung abgesprochen.
1993 reicht der islamische Verein den offiziellen Bauantrag für das neue Kulturzentrum bei dem Kreisbauamt ohne genaue Rücksprache mit der Stadt ein. Die Stadtverwaltung hatte in vorangegangenen Gesprächen allgemein keine Einwände gegen eine sich in das Stadtbild einfügende Moschee. Der letztendlich eingereichte Bauantrag läuft diesen Vorstellungen aber völlig zuwider. Der Antrag sieht ein Kulturzentrum mit mehreren zusammenhängenden Gebäudekomplexen bestehend aus einer 16,5 × 16,5 m großen Moschee mit 24 m hohem Minarett, einer Vorhalle mit Brunnen, Gemeinschaftsräume auf einer Fläche von 250 qm und eine Hausmeisterwohnung vor (vgl. Abb. 3).
1. Einleitung: Einordnung in die Geographie: Der Autor erläutert den theoretischen Rahmen der Arbeit, insbesondere die Perzeptions- und Sozialgeographie, um den Moscheekonflikt als raumgeographisches Phänomen zu begreifen.
2. Die Stadt Wächtersbach: Stadtentwicklung und Einwohnerzahlen: Dieses Kapitel liefert den geographischen und demographischen Kontext der Stadt Wächtersbach, wobei insbesondere der Ausländeranteil und die historische Stadtentwicklung für das Verständnis des Konflikts beleuchtet werden.
3. Der Konfliktverlauf: Hier erfolgt eine chronologische Rekonstruktion der Auseinandersetzung um den Moscheebau, von der ersten Planung in der Hesseldorfer Straße bis zum erzielten Kompromiss im Industriegebiet.
4. Instrumentalisierung des Themas „Moschee“ auf kommunalpolitischer Bühne: Der Autor untersucht, wie die politischen Akteure in Wächtersbach den Konflikt für ihre eigenen Zwecke nutzten und wie sich die Haltungen der Parteien im Verlauf der Jahre veränderten.
5. Fazit: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und betont die enge Verzahnung von politischem Handeln und räumlicher Planung bei diesem Konfliktfall.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen, Zeitungsarchive und Unterlagen der Stadtverwaltung.
Wächtersbach, Moscheekonflikt, Perzeptionsgeographie, Sozialgeographie, Stadtentwicklung, Kommunalpolitik, Integration, Bauantrag, Minarett, Kulturverein, SPD, Stadtverwaltung, Raumentscheidungen, Desintegration, Standortsuche.
Die Arbeit analysiert den langjährigen Konflikt um den geplanten Bau einer Moschee in der hessischen Kleinstadt Wächtersbach aus einer geographischen und politischen Perspektive.
Im Zentrum stehen die raumgeographische Planung, das soziale Zusammenleben in einer traditionell geprägten Kleinstadt sowie die Instrumentalisierung kultureller Themen im kommunalpolitischen Wahlkampf.
Ziel ist es, den Entstehungsprozess von Raumentscheidungen zu rekonstruieren und aufzuzeigen, wie ein lokales Bauvorhaben zum Politikum werden konnte.
Die Arbeit stützt sich auf eine chronologische Fallstudienanalyse unter Anwendung raumgeographischer und sozialgeographischer Analyseansätze.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der lokalen Ausgangslage, eine detaillierte Chronologie des Konfliktverlaufs und eine Untersuchung der parteipolitischen Strategien im Kontext des Moscheebaus.
Die Untersuchung wird maßgeblich durch Begriffe wie Perzeptionsgeographie, Kommunalpolitik, Integration, Standortsuche und Raumentscheidung geprägt.
Das geplante 24 Meter hohe Minarett wurde von der Stadtverwaltung als symbolischer Versuch der repräsentativen Positionierung im Stadtbild gewertet und stieß auf massiven politischen Widerstand.
Obwohl die SPD den Bau einer Moschee in der zentralen Innenstadt verhindern wollte und dies trotz zwischenzeitlicher Positionsschwankungen erreichte, profitierte sie politisch von der konsequenten Ablehnungshaltung gegenüber der Wählerschaft.
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