Wissenschaftlicher Aufsatz, 1989
11 Seiten
1. Vielschichtigkeit und Vieldeutigkeit, Transparenz und Offenheit in „moderner Lyrik“
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretische Abgrenzung zwischen konventioneller und moderner Lyrik, indem sie zentrale Begriffspaare analysiert, um das Verständnis für die unterschiedlichen Kommunikationsweisen zwischen Dichtung und Rezipient zu schärfen.
Vielschichtigkeit und Vieldeutigkeit
Es lohnt sich, einmal die Eignung der beiden zuerst im Titel genannten Begriffspaare für die Festlegung der Grenzscheide zwischen “konventioneller” und “moderner” Lyrik zu überprüfen. Diese zielen nämlich ausdrücklich darauf, wie in Lyrik gesprochen wird, und nicht darauf, worüber.
„Vielschichtigkeit“ zeichnet alle bedeutende Lyrik seit Goethe aus, zumindest „Erlebnislyrik“ (im Gegensatz zur „philosophischen“ oder „Gedankenlyrik“. Der Begriff “Schicht” zeigt nur an, dass es in derartiger Lyrik immer neue Dimensionen (Schichten) zu entdecken gibt, dass neue Interpreten neue Sinngebungen „finden“ (nicht „erfinden“), die den früher gefundenen nicht widersprechen, sondern diese vielmehr unterstützen, unterbauen, tiefer begründen (deshalb die Schichtenmetapher. So ist es etwa, wenn in der Wahl eines Weltausschnitts oder im Metapherngebrauch eines Dichters über den vordergründigen Sinn hinaus (besser: „hinter“ diesem) eine weltanschauliche oder gar “tiefenpsychologische“ Dimension (wieder eine räumliche Metapher) entdeckt wird.
„Vieldeutigkeit“ dagegen kennzeichnet ein Gedicht, dessen Sinn sich selbst nach sorgfältigster Interpretation nicht eindeutig festlegen lässt, dessen „Deutungen“ bzw. „Sinngebungen“ durch verschiedene Interpreten sich deshalb – je nach deren Voraussetzungen- widersprechen können. Der Begriff “Sinngebung“ passt deshalb gut, weil ein solches Gedicht selbst keinen verbindlichen Sinn besitzt bzw. mitteilt und dieser vom Interpreten nicht im Gedicht „gefunden“ werden kann sondern diesem erst „gegeben“ werden muss.
1. Vielschichtigkeit und Vieldeutigkeit, Transparenz und Offenheit in „moderner Lyrik“: Diese Einleitung führt in die Problematik der Periodisierung moderner Lyrik ein und stellt das theoretische Instrumentarium der Begriffspaare vor, mit denen die Unterschiede zwischen konventionellen und modernen Gedichten analysiert werden.
Poetik, Literaturtheorie, Lyrik, Moderne, konventionelle Gedichte, Vielschichtigkeit, Vieldeutigkeit, Transparenz, Offenheit, Aussparung, gelenkte Assoziation, konkrete Poesie, Rezeptionsästhetik, semantische Schicht, Sprachkunstwerk.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Unterscheidung zwischen "konventioneller" und "moderner" Lyrik anhand von spezifischen sprachlichen und strukturellen Merkmalen.
Zentrale Themen sind die Begriffe Vielschichtigkeit, Vieldeutigkeit, Transparenz und Offenheit sowie die Techniken der Andeutung und Aussparung im lyrischen Text.
Das Ziel ist es, eine klare Grenzscheide zwischen traditioneller und moderner Dichtung zu ziehen, basierend darauf, wie der Dichter den Leser durch die semantischen Schichten leitet oder diese Leitung gezielt verweigert.
Der Autor nutzt die schichtenästhetische Methode, um die Kommunikation zwischen Werk und Rezipient zu analysieren und die Entwicklung von der erlebnisorientierten zur experimentellen Poesie zu beleuchten.
Im Hauptteil wird die Eignung der genannten Begriffspaare überprüft, die historische Entwicklung der Lyrik vom Symbolismus bis zur konkreten Poesie nachgezeichnet und die Rolle des Autors bei der Steuerung der Leserassoziationen kritisch hinterfragt.
Die Arbeit ist primär durch Begriffe wie Lyrik, Poetik, Moderne, Schichtenästhetik, Aussparung und die Gegenüberstellung von Transparenz und Offenheit charakterisiert.
Das moderne Gedicht zeichnet sich laut Autor oft durch den Verzicht auf eine gelenkte Sinngebung aus, was den Leser mit einer beliebigen Vieldeutigkeit konfrontiert, während konventionelle Lyrik auf eine vom Dichter intendierte Deutung hinleitet.
Der Autor kritisiert an der konkreten Poesie die Tendenz zur rein materialen Kunstproduktion, die die semantische Ebene ausschaltet und damit die vom Leser erwartete tiefergehende Sinnstiftung verunmöglicht.
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