Magisterarbeit, 2007
149 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Begriffliche Klärung
2.1 Aspekte der Ästhetik
2.2 Aspekte der Bildung
2.3 Aspekte der ästhetischen Bildung
2.4 Aspekte der ästhetischen Erfahrung
2.4.1 Prozesshaftigkeit und Subjekt-Orientierung
2.4.2 Funktionen von ästhetischer Erfahrung
2.5 Aspekte der Biografie und ästhetischen Biografiearbeit
3. Ästhetischer Prozess
3.1 Einfindung
3.1.1 Persönliche Sinngebung
3.1.2 Subjektive Voraussetzungen und Eigenschaften
3.2 Positionen und Bezüge
3.2.1 Position Vallentin
3.2.2 Position Kolhoff-Kahl
3.2.3 Position Blohm
3.2.4 Position Otto
3.2.5 Position Selle
3.2.6 Querschnitt
3.3 Betrachtungen der Praxis – Gedankenbündelungen
3.3.1 Anleitung ästhetischer Prozesse
3.3.2 Darstellung ästhetischer Prozesse
4. Biografiearbeit – Eine ästhetische Umsetzung
4.1 Ästhetische Erinnerungsprozesse
4.2 Rekonstruktion von Vergangenheit
4.3 Biografisches Material im künstlerischen Umgang
4.3.1 Fiktive Inszenierungen
4.3.2 Autobiografische Inszenierungen
4.3.3 Sammlungen und Archive
4.3.4 Ready-Made
4.4 Biografische Spuren als Anlass für ästhetische Praxis
4.4.1 Bilder des Selbst - Bilder des Anderen: Bilder zum Ich
4.4.2 Wirksamkeit biografischen Materials
4.4.3 Das Konzept Kämpf-Jansens - Ästhetische Forschung
5. Diskussion ästhetischer Prozess und Kunstanspruch
6. Biografischer Zusatz
7. Resümee
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung und Wirksamkeit von ästhetischer Biografiearbeit als prozessorientiertes, handlungsorientiertes Verfahren in der Kunstpädagogik, um der zunehmenden Entsinnlichung und Leistungsfixierung in Bildungsprozessen entgegenzuwirken.
4.3.1 Fiktive Inszenierungen
Als ein wesentlicher zeitgenössischer Vertreter der Spurensicherung gilt beispielsweise der 1944 geborene und im Nachkriegs-Paris aufgewachsene Künstler Christian Boltanski. Er hat innerhalb der Arbeitsweise des Spurensicherns seine eigene Ausdrucksform, die des Spuren Erfindens entwickelt.
Materialien von fremden Menschen dienen ihm als Ausrüstung, die er zum Teil so gestaltet, dass sie ihren alten Sinngehalt verlieren und in ein neues System transformiert werden. Dieses neue System ist seine eigene Geschichte, die fiktiv inszeniert wird. Boltanski arbeitet mit unzähligen photographischen Portraits wie auch mit Alltagsdingen, die eine unmittelbare Nähe zu menschlichem, gelebtem Leben erzeugen. Zum Teil bestehen sie aus Fundstücken, zum Teil sind sie von Boltanski eigens gefertigt. All diese Dinge sind so an- und ausgelegt, dass sie auf eine vergangene menschliche Existenz hinweisen. Boltanski erklärt, dass in dem Moment, in dem ein Subjekt eine Photographie betrachtet, das darauf Abgebildete in seinem ursprünglichen Zustand nicht mehr existiert.
1. Einleitung: Die Arbeit kritisiert die fehlende Wertschätzung für ästhetische Bildung in institutionellen Kontexten und begründet die Notwendigkeit prozessorientierter Biografiearbeit.
2. Begriffliche Klärung: Es werden zentrale Konzepte wie Ästhetik, Bildung, ästhetische Erfahrung und Biografiearbeit definiert, um eine gemeinsame theoretische Basis für die Untersuchung zu schaffen.
3. Ästhetischer Prozess: Dieses Kapitel analysiert das Wesen ästhetischer Prozesse durch verschiedene theoretische Positionen und betont das performative, subjektzentrierte Handeln.
4. Biografiearbeit – Eine ästhetische Umsetzung: Dieser Hauptteil untersucht Methoden der Rekonstruktion von Vergangenheit, etwa durch Spurensicherung, Archivierung oder fiktive Inszenierungen, und deren bildungsrelevante Wirksamkeit.
5. Diskussion ästhetischer Prozess und Kunstanspruch: Die Reflexion hinterfragt die Bedeutung künstlerischen Handelns und das Verhältnis von Prozesshaftigkeit zu einem etwaigen Kunstanspruch.
6. Biografischer Zusatz: Ein persönlicher Erfahrungsbericht der Autorin über die eigene künstlerische Praxis und deren biografische Bezüge.
7. Resümee: Die Autorin fasst das Potenzial ästhetischer Biografiearbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf deren Anwendungsmöglichkeiten, etwa im gerontagogischen Bereich.
Ästhetische Bildung, Biografiearbeit, Spurensicherung, ästhetischer Prozess, Subjektivität, Kunstpädagogik, Lebensgeschichte, ästhetische Erfahrung, künstlerische Praxis, Selbstbildung, Leerstellen, Archivierung, performatives Handeln, Identitätsfindung, Ästhetische Forschung.
Die Arbeit erforscht, wie Biografiearbeit als ästhetischer Prozess gestaltet werden kann, um Lernenden neue Wege der Identitätsfindung und Selbstwahrnehmung zu eröffnen.
Im Zentrum stehen die Konzepte der ästhetischen Erfahrung, die kunstpädagogische Anleitung von Gestaltungsprozessen und der künstlerische Umgang mit biografischem Material.
Das Ziel ist es, das Potenzial der ästhetischen Biografiearbeit als Gegenentwurf zur rein produktorientierten Bildungsdiskussion herauszuarbeiten und ihre Bildungsrelevanz zu begründen.
Die Autorin stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse aktueller kunstpädagogischer Diskurse und stellt diese Ansätze in einen praktischen Kontext, ergänzt durch die Analyse künstlerischer Vorbilder.
Der Hauptteil analysiert, wie Erinnerungsprozesse durch das Sammeln, Archivieren und Inszenieren von Objekten (Spurensicherung) in pädagogische Lernkonzepte übersetzt werden können.
Die Begriffe "Ästhetische Forschung", "Spurensicherung", "biografische Konstruktion" und "Selbstbildung" stehen im Kern der theoretischen Diskussion.
Die "Leerstelle" wird als produktiver Moment der Irritation verstanden, der das Subjekt dazu zwingt, vom Vorgegebenen abzuweichen und eigene, individuelle Erkenntniswege zu beschreiten.
Während Otto stärker auf eine didaktisch planbare "Ästhetische Rationalität" setzt, vertritt Selle einen radikaleren Ansatz der "Ästhetischen Intelligenz", der die unplanbare, subjektive Selbstfindung in den Mittelpunkt stellt.
Sie dienen als prominente Beispiele für die Methode der Spurensicherung, da ihre Werke zeigen, wie man durch die spielerische Rekonstruktion von Vergangenheit oder das Erfinden fiktiver Biografien eigene Identitätsaspekte erforschen kann.
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