Diplomarbeit, 2007
138 Seiten, Note: 2.0
1 Einleitung
2 Konzeptualisierung des Governance- Messverfahrens
2.1 Probleme der Demokratiemessung
2.1.1 Demokratiemessung
2.1.2 Transformationsforschung und Klassifikationsprobleme von Grauzonen
2.2 Operationalisierung von Governance
2.2.1 Begriffbestimmung
2.2.2 Definition von Governance
2.3 Konzepte der Governancemessung
2.3.1 World Governance Survey
2.3.2 Good Governance bei der Weltbank
2.4 Die Indikatoren des Messverfahrens
2.4.1 Menschenrechte und Freiheit als Kriterien der Indikatoren
2.4.2 Regierung
2.4.3 Politische Gesellschaft
2.4.4 Zivilgesellschaft
2.4.5 Verwaltung
2.4.6 Justiz
2.4.7 Marktwirtschaft
2.4.8 Externe Geber (ODA & PRSP)
2.5 Zwischenfazit
3 Fallstudie Ruanda
3.1 Der Völkermord als Schnittstelle einer Neukonstituierung
3.1.1 Ethnisierung der Gesellschaft
3.1.2 Die Ära von Juvénal Habyarimana
3.1.2.1 Verwaltungsstruktur und Wirtschaftskrise
3.1.2.2 Demokratisierungsversuche
3.1.2.3 Der Bürgerkrieg und der Vertrag von Arusha
3.1.3 Der Völkermord
3.1.4 Paul Kagame und die Ruandisch Patriotische Front
4 Intertemporale Analyse der Indikatoren in den Phasen 1994 – 2003 und 2003 – 2006
4.1 Regierung
4.1.1 VISION 2020: Utopie oder Realpolitik?
4.1.2 1994 – 2003: Sicherheitspolitik der Übergangsregierung
4.1.3 2003 – 2006: Der RPF- Staat
4.2 Politische Gesellschaft
4.2.1 1994 – 2003: Demokratisierung ohne Parteien
4.2.2 2003 – 2006: Formale Liberalisierung und Reale Repression
4.3 Zivilgesellschaft
4.3.1 Allgemeine Ausführungen
4.3.2 1994 – 2003: Entstehung zivilgesellschaftlicher Gruppen
4.3.3 2003 – 2006: Verstärkte Repressionen gegen die Zivilgesellschaft
4.4 Verwaltung
4.4.3 1994 – 2003: Wiederaufbau und die Idee von Local Government
4.4.4 2003 – 2006: Dezentralisierung
4.5 Justiz
4.5.3 1994 – 2003: Gegen die Kultur der Straflosigkeit. Gacaca und weitere Instanzen der Aufarbeitung
4.5.3.1 Internationaler Strafgerichtshof (ICTR)
4.5.3.2 Nationale Gerichte
4.5.3.3 Gacaca
4.5.4 2003 – 2006: Menschenrechtsverletzungen unter dem Deckmantel von Divisionismus
4.6 Marktwirtschaft
4.6.3 1994 – 2003: Subsistenzwirtschaft und Armut auf dem Land
4.6.4 2003 – 2006: Schuldenerlass und Wirtschaftswachstum
4.7 Externe Geber (ODA & PRSP)
4.7.3 1994 – 2003: Extern finanzierter Wiederaufbau
4.7.4 2003 – 2006: PRSP und schwache Partizipation
4.8 Auswertung: Governance Performance in Ruanda
5 Fazit
Die Arbeit untersucht die Entwicklung Ruandas nach dem Völkermord von 1994 anhand eines Governance-Messverfahrens. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, inwiefern die Governance-Performance des Regimes unter Paul Kagame das politische System des Landes stabilisiert und ob sie Voraussetzungen für eine demokratische Entwicklung bietet, wobei insbesondere der Vergleich zwischen der Übergangsphase (1994–2003) und der Konsolidierungsphase (2003–2006) im Fokus steht.
3.1.1 Ethnisierung der Gesellschaft
Dem Völkermord in Ruanda liegt eine Ethnizitäts-Ideologie zugrunde. Um ein Grundverständnis für die Entstehung des Konflikts zwischen den Gruppen der Hutu und der Tutsi in Ruanda erhalten zu können, ist es notwendig zu beschreiben, wie sich die beiden Gruppen herausgebildet haben. Dafür werden die analytischen Ethnizitätsansätze der Primordialisten sowie der Konstruktivisten herangezogen: Die Primordialisten gehen von vorhandenen, bzw. natürlichen Merkmalen einer Gruppe aus, also von gemeinsamen kulturellen Gegebenheiten wie der Sprache. Die Konstruktivisten stellen die Relativität von kulturellen Merkmalen in den Vordergrund (Tetzlaff/Jakobeit 2005: 83). Diese Merkmale sind veränderbar und von einem Referenzrahmen abhängig.
Dieser konstruktivistische Ansatz ist auch für den Fall Ruanda heranzuziehen. Nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntnis kann ein monokausales Erklärungsmuster bezüglich der Kategorisierung der Bevölkerungsgruppen in Hutu und Tutsi nicht aufrechterhalten werden. Angesichts einer gemeinsamen Kultur, Lebenswelt, religiösen Überzeugungen und einer gemeinsamen Sprache ist der Begriff Ethnie nicht stimmig. Es handelt sich hier nicht um (zwei) verschiedene Völker. Die Begriffe für die verschiedenen Gruppen hatten bereits in der vorkolonialen Zeit verschiedene Bedeutungsinhalte (Schürigens 1992). Hutu steht in Kinyarwanda für „derjenige der Ackerbau betreibt“ und Tutsi für „den der Vieh besitzt.“ Die dritte Bevölkerungsgruppe sind die Twa, die Jäger und Sammler waren. Schon etymologisch lässt sich herleiten, dass der Ursprung wahrscheinlich einer sozialen Klassifizierung entstammt. Die Europäer, die im 19. Jhr. nach Ruanda kamen, fanden ein Königreich (des Clans Abanyiginya) vor (Heeger 1998: 16; Schürigens 1992). Die Herrschenden wurden Tutsi genannt, allerdings stand der Herrscher Umwami über allen Bevölkerungsgruppen, dieser war also weder Tutsi noch Hutu. Hutu hingegen ist ebenfalls eine soziale Bezeichnung, die für eine Form von Diener steht.
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die komplexe Situation im ruandischen Postkonfliktstaat und legt das Erkenntnisinteresse sowie die Forschungsfrage dar, ob und wie Governance zur Stabilität und Demokratisierung beiträgt.
2 Konzeptualisierung des Governance- Messverfahrens: Dieses Kapitel begründet die Wahl des Governance-Ansatzes gegenüber klassischen Demokratiemessungen und definiert die sieben verwendeten Indikatoren sowie die methodische Vorgehensweise.
3 Fallstudie Ruanda: Der deskriptive Teil beleuchtet die historische Vorgeschichte, insbesondere die Konstruktion ethnischer Identitäten, die Ära Habyarimana, den Bürgerkrieg und den Völkermord.
4 Intertemporale Analyse der Indikatoren in den Phasen 1994 – 2003 und 2003 – 2006: Die Analyse wertet die sieben Indikatoren in den beiden untersuchten Phasen aus und vergleicht die Governance-Leistungen der Regierung in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die Governance-Performance zwar einige makroökonomische Erfolge zeigt, aber durch repressive Kontrolle und fehlendes Vertrauen zwischen Staat und Gesellschaft geprägt bleibt.
Governance, Ruanda, Völkermord, Paul Kagame, Demokratisierung, Postkonfliktgesellschaft, Zivilgesellschaft, Menschenrechte, Good Governance, RPF, politische Stabilität, ökonomische Entwicklung, Landreform, Dezentralisierung, Partizipation
Die Diplomarbeit untersucht die Qualität der Governance in Ruanda unter dem Regime von Paul Kagame nach dem Völkermord von 1994 und bewertet, inwiefern diese zur Stabilität des politischen Systems beiträgt.
Die Arbeit fokussiert auf die Governance-Strukturen, das Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft, die Rolle externer Geber und die sozioökonomischen Entwicklungen des Landes in den Phasen 1994–2003 und 2003–2006.
Die Kernfrage lautet: Wie beeinflusst Governance die Stabilität des politischen Systems in Ruanda? Dabei wird untersucht, ob gute Governance-Performance langfristig eine Demokratisierung fördert oder lediglich zur Machtfestigung des Regimes dient.
Es wird ein qualitativer Forschungsansatz angewendet, der auf der hermeneutischen Analyse von Studien und Berichten von NGOs und internationalen Instituten basiert, um die Governance-Performance mittels sieben Indikatoren zu messen.
Im Hauptteil werden zunächst die Konzepte zur Messung von Governance theoretisch hergeleitet und anschließend in einer intertemporalen Analyse auf sieben spezifische Indikatoren (Regierung, politische Gesellschaft, Zivilgesellschaft, Verwaltung, Justiz, Ökonomie, externe Geber) im ruandischen Kontext angewendet.
Governance, Ruanda, Postkonfliktstaat, Demokratisierung, RPF, Menschenrechte und Sozioökonomie.
Der Völkermord bildet den entscheidenden Schnittpunkt der Untersuchung. Er hat die gesellschaftlichen Strukturen tiefgreifend zerstört und dient als Grundlage für die Legitimation der aktuellen RPF-Regierung, beeinflusst aber gleichzeitig das tiefe Misstrauen innerhalb der Gesellschaft.
Der Autor sieht externe Geber als einflussreiche Akteure, die durch ihre Unterstützung (ODA & PRSP) nicht nur den Wiederaufbau finanzieren, sondern auch direkten Einfluss auf politische Reformprozesse nehmen, wobei sie teils in einem Dilemma zwischen Stabilitätsförderung und Demokratieforderung stehen.
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