Magisterarbeit, 2002
212 Seiten
Vorbemerkungen
Einleitung
Hinführung zum Thema / Zur Vorgehensweise dieser Arbeit
1. Herleitung des Ansatzes: Wie lassen sich "Geschlecht" und "Männlichkeit" in der filmischen Darstellung begreifen?
1.1 "Geschlecht" und "Männlichkeit"
1.1.1 Was ist "Geschlecht" und wie läßt es sich begreifen? – Grundannahmen
1.1.2 Leitbild und individuelle Identität
1.1.3 Soziales Geschlecht als Habitus
1.1.4 Habituelle Sicherheit und Krise
1.1.5 Was ist "Männlichkeit"? – Geschlecht als Machtkategorie
1.2 "Männlichkeit" im Film
1.2.1 Die Bedeutung von Film für die Konstruktion von kollektiven Geschlechterarrangements
1.2.2 Zu Untersuchung von Geschlechterkonstruktionen im Medium Film
2. Die Bestie im goldenen Käfig: Patrick Bateman in AMERICAN PSYCHO
2.1 Formale Analyse
2.1.1 Handlung und Rahmeninformationen
2.1.2 Dramaturgie und Erzählstrategie
2.1.3 Mise-en-Scène
2.2 Interpretation: Männlichkeit in AMERICAN PSYCHO
2.2.1 Batemans Habitus: hegemoniale Männlichkeit in einer männlichen Hegemonie
2.2.2 Männlichkeitsnorm und Darstellungsformen des doing gender
2.2.3 Batemans habituelle Unsicherheit
2.3 Zwischenfazit
3. Die Angst, ein "Freak" zu sein oder: Das Glück liegt in den kleinen Dingen: Männlichkeitskonstruktionen in AMERICAN BEAUTY
3.1 Formale Analyse
3.1.1 Handlung und Rahmeninformationen
3.1.2 Erzählstrategie
3.1.3 Dramaturgie
3.1.4 Mise-en-Scène
3.2 Interpretation: Formen des männlichen Habitus in AMERICAN BEAUTY
3.2.1 Traditionelle Formen des männlichen Habitus
3.2.1.1 "Das Image des Erfolgs ausstrahlen, zu jeder Zeit": Carolyn Burnham und Buddy Kane
3.2.1.2 "Struktur und Disziplin": Colonel Fitts
3.2.1.3 Bewertung der traditionellen Formen des männlichen Habitus durch den Film
3.2.2 Neuere Formen des männlichen Habitus
3.2.2.1 "Nichts mehr zu verlieren": Lester Burnham
3.2.2.2 "Gott in die Augen schauen": Ricky Fitts
3.2.2.3 Bewertung der alternativen Formen des männlichen Habitus durch den Film
3.2.3 Zwischenfazit
4. "Soap, Mayham, Mischief" – Von der Depression zur Weltrevolution: Männlichkeiten in FIGHT CLUB
4.1 Formale Analyse
4.1.1 Handlung und Rahmeninformationen
4.1.2 Erzählstrategie
4.1.3 Dramaturgie
4.1.4 Mise-en-Scène
4.2 Interpretation: Männlichkeiten in FIGHT CLUB
4.2.1 Ausgangssituation: Das "portionierte Leben"
4.2.1.1 Beschreibung
4.2.1.2 Interpretation: Männliches doing gender in der "Lifestyle-Gesellschaft" und das Krisenhafte daran
4.2.2 Der "Fight Club"
4.2.2.1 Beschreibung
4.2.2.2 Interpretation: Der individuelle "Nullpunkt" als Lösung?
4.2.3 Das "Projekt Chaos"
4.2.3.1 Beschreibung
4.2.3.2 Interpretation: Der gesellschaftliche "Nullpunkt" als Lösung?
4.2.4 Das Finale
4.2.4.1 Beschreibung
4.2.4.2 Interpretation: Männlichkeit als Kampf mit sich selbst, den "Mann" kämpfen muß?
4.3 Zwischenfazit
5. Fazit
6. Literatur
6.1 Drehbücher
6.2 Monografien und längere Aufsätze in Sammelwerken
6.3 Kürzere Artikel aus Zeitungen, Zeitschriften und Internet
6.3.1 Allgemeines
6.3.2 Zu AMERICAN PSYCHO
6.3.3 Zu AMERICAN BEAUTY
6.3.4 Zu FIGHT CLUB
Diese Magisterarbeit untersucht die Darstellung männlicher Geschlechteridentitäten in den Hollywoodfilmen AMERICAN PSYCHO, AMERICAN BEAUTY und FIGHT CLUB unter Einbeziehung soziologischer Theorien zu "Männlichkeit" und "Krise". Ziel ist es zu analysieren, wie diese Filme Männlichkeitsbilder konstruieren, bewerten und in einen gesellschaftlichen Kontext zur "Krise der Männlichkeit" setzen.
Bateman und sein Körper
Eines der wichtigsten Medien für Batemans doing gender ist die Gestaltung und Präsentation seines Körpers. Er treibt äußersten Aufwand, seinen Körper zu formen und zu gestalten (Abb. unten). Er unterzieht sich einer strengen Diät. Er absolviert ein hartes Sportprogramm, bei dem er täglich tausend "Sit-Ups" macht. Und er führt jeden Morgen ein langwieriges Kosmetikprogramm durch (Dialogauszug: 0:04'53). Bei seinem Kosmetik- und Fitneßprogramm wird Bateman über weite Strecken nackt oder fast nackt gezeigt. Dabei wird er in harten Kontrasten ausgeleuchtet und häufig in Verbindung mit Spiegeln inszeniert. Sein Körper fügt sich ästhetisch ins kühle, technokratische Set-Design ein, was dessen Darstellung als "Produkt" unterstützt.
Batemans Körper ist sein "Werk". Bateman ist höchst eitel und liebt ihn als Produkt seiner Bemühungen mehr als die Frauen, mit denen Bateman schläft. Besonders bei der Sexualität wird dies deutlich: Die Darstellung folgt Batemans erzählerischer (und oft auch Kamera-) Perspektive, wie er im Spiegel mit seinen Muskeln posiert und sich selbst dabei beobachtet (Abb. unten). Die Frauen sind dabei wieder nur Beiwerk, das nur gelegentlich im Bildrahmen auftaucht. Batemans Narzißmus zeigt, wie wichtig ihm sein Körper als Quelle seiner männlichen Identität ist. Andererseits hat er große Angst, ob sein Körper gut genug aussieht, wie er Jean gegenüber äußert: "Man kann immer noch schlanker sein, noch besser aussehen." (Dialogauszug: 0:57'10). Beide Aspekte belegen, daß Bateman seinen Körper entsprechend einem genau definierten Männlichkeitsideal formt und in seiner Männlichkeit vom Gelingen dieses Projekts abhängig ist. Männlichkeit besteht hier nicht darin, einen entsprechenden Körper zu haben, sondern ihn in eigener Leistung herzustellen.
1. Herleitung des Ansatzes: Wie lassen sich "Geschlecht" und "Männlichkeit" in der filmischen Darstellung begreifen?: Dieses Kapitel legt die theoretische Basis durch soziologische Konzepte von Geschlecht, Habitus und Männlichkeit, um eine analytische Grundlage für die Filmanalyse zu schaffen.
2. Die Bestie im goldenen Käfig: Patrick Bateman in AMERICAN PSYCHO: Das Kapitel untersucht den Film hinsichtlich formaler Aspekte und analysiert Patrick Batemans hegemonialen Habitus, der in einer tiefen Krise und habituellen Unsicherheit mündet.
3. Die Angst, ein "Freak" zu sein oder: Das Glück liegt in den kleinen Dingen: Männlichkeitskonstruktionen in AMERICAN BEAUTY: Hier wird der Film AMERICAN BEAUTY analysiert, wobei Lester Burnhams und Ricky Fitts' alternative Männlichkeitskonstruktionen den traditionellen, krisenhaften Modellen gegenübergestellt werden.
4. "Soap, Mayham, Mischief" – Von der Depression zur Weltrevolution: Männlichkeiten in FIGHT CLUB: Dieses Kapitel behandelt die Spaltung der Identität in FIGHT CLUB als zentrales Motiv und untersucht die Eskalation vom individuellen "Nullpunkt" hin zum Totalitarismus des "Projekt Chaos".
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Filmanalysen zusammen und reflektiert die Rolle des Hollywood-Kinos bei der Thematisierung gesellschaftlicher Krisen und Männlichkeitskonzepte.
Männlichkeit, Hegemonie, Geschlecht, Krise, Habitus, doing gender, American Psycho, American Beauty, Fight Club, Film, Soziologie, Konsum, Identität, Macht, Filmästhetik
Die Magisterarbeit untersucht das gesellschaftliche und individuelle Phänomen der "Krise der Männlichkeit" anhand von drei populären Hollywoodfilmen der 90er Jahre.
Zentrale Themen sind soziologische Theorien zu Männlichkeit (nach u.a. Connell und Meuser), die Konstruktion von Geschlechteridentitäten durch mediale Inszenierung und der Umgang mit Identitätskrisen in modernen Gesellschaften.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Filme als kulturelle Produkte Diskurse über Männlichkeit widerspiegeln und welche Lösungskonzepte für habituelle Krisen sie den Zuschauern anbieten.
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Filmanalyse, die soziologische Konzepte (Habitus, Doing Gender) mit formaler Filmanalyse (Dramaturgie, Mise-en-Scène, Kamera) verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in drei große Analysen zu den Filmen AMERICAN PSYCHO, AMERICAN BEAUTY und FIGHT CLUB, wobei jeweils die formalen Gestaltungsmittel und inhaltliche Interpretationen der männlichen Hauptfiguren im Fokus stehen.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem hegemoniale Männlichkeit, habituelle Unsicherheit, Konsumgesellschaft, Identitätskrise und die filmische Konstruktion von Geschlecht.
Bateman wird als Prototyp bezeichnet, weil er die Ideale der US-amerikanischen Erfolgsgesellschaft (High Society) perfekt verkörpert, aber gleichzeitig an der resultierenden inneren Leere und dem gnadenlosen Konkurrenzdruck leidet.
FIGHT CLUB wird im Gegensatz zu den anderen Filmen über die Identitätsspaltung des Protagonisten in zwei Anteile (Jack und Tyler) analysiert, was eine spezifische Interpretation von Männlichkeit als Kampf mit sich selbst ermöglicht.
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