Magisterarbeit, 2007
161 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Begriffsdefinitionen
2.1 „Reisejournalismus“
2.2 „Journalistische Qualität“
2.3 „Entwicklungsländer“
2.4 „Reisen“ & „Tourismus“
2.5 „General-“ & „Special-Interest-Zeitschriften“
3 Die Historie des Reiseberichts als Spiegel einer Geschichte des Reisens
3.1 Von der Antike bis in das Mittelalter
3.2 Die Neuzeit
3.3 Entwicklung des Reisejournalismus in Zeiten des modernen Massentourismus
4 Tourismus
4.1 Theoretische Erkenntnisse zum Tourismus
4.1.1 Tourismus als Flucht
4.1.2 Tourismus und Völkerverständigung
4.1.3 Tourismus und die bereiste Kultur
4.1.4 Tourismus und Ökologie
4.1.5 Nachhaltiger Tourismus (oder sanfter Tourismus)
4.1.6 Kritik an der Tourismuskritik
4.2 Tourismus in Entwicklungsländern
4.2.1 Entwicklung und aktuelle Zahlen
4.2.2 Tourismus und wirtschaftliche Entwicklung
4.2.3 Stereotype über Entwicklungsländer und deren Bewohner
4.3 Bemerkung
5 Reisejournalismus heute
5.1 Der Alltag der Reisejournalisten
5.2 Der Markt reisejournalistischer Printmedien
5.3 Journalismus für den Ohrensessel? – Funktionen des Reisejournalismus
5.4 Untersuchungen zum Inhalt reisejournalistischer Printmedien
5.4.1 Auer
5.4.2 Wörgötter
5.4.3 Lentsch
5.5 „Fluchthelfer ins Paradies“ - Die Darstellung des Fremden
5.6 Der Vorwurf der PR-Dienerschaft
5.7 Die Verwendung von Fotografien im Reisejournalismus
6 Qualitätskriterien des Reisejournalismus
6.1 Qualität im Journalismus
6.1.1 Theoretische Ansätze
6.1.2 Ethische Richtlinien
6.1.2.1 Pressekodex
6.1.2.2 Leitlinien des Netzwerks Recherche
6.1.3 Gesetzliche Verpflichtungen
6.2 Qualität in Zeitschriften
6.3 Qualität im Reisejournalismus
6.3.1 Die qualitative Reportage
6.3.2 Die qualitative Nachricht/ Kurzmeldung
6.3.3 Der qualitative Serviceteil
6.3.4 Kriterien aus der Praxis: VDRJ-Wettbewerb „Bester Reiseteil“
6.3.5 Forderungen nach Qualität im Reisejournalismus
6.4 Kriterienkatalog für Qualität im Reisejournalismus
7 Untersuchung
7.1 Erkenntnisinteresse
7.2 Erhebungsinstrument
7.3 Repräsentativität
7.4 Untersuchungsmaterial, -einheiten & -zeitraum
7.5 Kategoriensystem
7.5.1 Kurzmeldungen und Reportagen
7.5.1.1 Vielfalt & Ausgewogenheit
7.5.1.2 Transparenz & Originalität
7.5.1.3 Trennung von redaktionellem Teil und Anzeige
7.5.2 Serviceteil
7.5.2.1 Vielfalt
7.5.2.2 Keine Bevorzugung einzelner Produkte und Anbieter
7.5.3 Fotografien
7.5.3.1 Vielfalt & Ausgewogenheit
7.5.3.2 Transparenz & Originalität
7.5.3.3 Variable Fotofunktionen
7.5.3.4 Stete und variable Verwendung von Bildunterschriften
7.6 Auswertung
7.7 Bemerkung
8 Die untersuchten Medien
8.1 abenteuer und reisen
8.2 GEO Special
8.3 Reise & Preise
8.4 Stern
8.5 SUPERillu
9 Ergebnisse
9.1 Länder der Berichterstattung
9.2 Reportagen und Kurzmeldungen
9.2.1 Vielfalt
9.2.2 Ausgewogenheit
9.2.3 Sanfter Tourismus
9.2.4 Transparenz & Originalität
9.2.5 Trennung von redaktionellem Teil und Anzeige
9.3 Serviceteile
9.3.1 Inhaltliche Vielfalt
9.3.2 Keine Bevorzugung einzelner Produkte oder Anbieter
9.4 Fotografien
9.4.1 Vielfalt
9.4.2 Ausgewogenheit
9.4.3 Transparenz & Originalität
9.4.4 Variable Bildfunktionen
9.4.5 Stete & Variable Bildunterschriften
10 Zusammenfassung
11 Ausblick
12 Literatur
13 Untersuchte Medien
Diese Arbeit zielt darauf ab, einen Kriterienkatalog für die journalistische Qualität im Reisejournalismus zu entwickeln. Da in diesem Bereich bisher kein umfassender Standard existiert, untersucht der Autor die Berichterstattung über Entwicklungsländer in fünf ausgewählten Zeitschriften, um die Anwendbarkeit dieses Katalogs zu prüfen und die Qualität der untersuchten Medien zu bewerten.
4.1.1 Tourismus als Flucht
„Es geht uns alten Europäern übrigens mehr oder weniger allen herzlich schlecht; unsere Zustünde sind viel zu künstlich und kompliziert, unsere Nahrung und Lebensweise ist ohne die rechte Natur, und unser geselliger Verkehr ohne eigentliche Liebe und Wohl wollen. (...) Man sollte oft wünschen, auf einer der Südseeinseln als sogenannter Wilder geboren zu sein, um nur einmal das menschliche Dasein ohne falschen Beigeschmack durchaus rein zu genießen....“
(Goethe, 1828, in Bertram, 1997b, S. 101)
In Goethes Ausspruch zeigte sich bereits eine gewisse „Europamüdigkeit“ (Bertram, 1997b, S. 101) und „Paradiessehnsucht“ (ebd.). Mehr als ein Jahrhundert später beschrieb Hans Magnus ENZENSBERGER, einer der ersten der sich Ende der 1950er mit dem Fremdenverkehr wissenschaftlich beschäftigte, den modernen Massentourismus als eine „einzige Fluchtbewegung aus der Wirklichkeit“ (Enzensberger, 1958, S. 701). Dabei ist eine Flucht immer auch Kritik an dem Hinterlassenen (ebd.). Wie im vorherigen Kapitel beschrieben, war die Reise als Selbstzweck bis in das 18. Jahrhundert weitestgehend unbekannt. Die Norm war das Reisen aus existentiellen Gründen, die Ausnahme bildete der Tourismus der Antike. Erst die bürgerliche Revolution injizierte der Gesellschaft einen Drang nach Freiheit. Die englische und deutsche Romantik verlieh dieser Freiheit Bilder, indem sie diese in die Ferne, und hier auf zivilisationsferne, unberührte Landschaften, Folklore und Geschichte, projizierte (ebd., S. 706 ff.). Entdecker und Forscher wurden nun als Reisende gesehen, welche die Gesellschaft verlassen, um Abenteuer, Elementares und Unberührtheit zu erleben. Dieses Privileg der Entfernung aus der eigenen Gesellschaft reklamierte sehr schnell auch das Bürgertum für sich. Es sah es als Menschenrecht an, den Entdeckern in die Freiheit folgen zu dürfen (ebd., S. 710 f.).
1 Einleitung: Definiert die Forschungsfrage und begründet die Notwendigkeit eines Kriterienkatalogs für Reisejournalismus mit Fokus auf Entwicklungsländer.
2 Begriffsdefinitionen: Legt die zentralen Begriffe wie Reisejournalismus, Qualität, Entwicklungsländer sowie Zeitschriftenarten fest.
3 Die Historie des Reiseberichts als Spiegel einer Geschichte des Reisens: Zeichnet die geschichtliche Entwicklung vom antiken Reisebericht bis zum modernen Massentourismus nach.
4 Tourismus: Analysiert theoretische Tourismuskonzepte sowie spezifische Auswirkungen des Fremdenverkehrs in Entwicklungsländern, inklusive ökologischer und soziokultureller Aspekte.
5 Reisejournalismus heute: Untersucht den Arbeitsalltag von Reisejournalisten, den Markt für Printmedien und bisherige Forschungsergebnisse zum Journalismus.
6 Qualitätskriterien des Reisejournalismus: Leitet auf Basis allgemeiner journalistischer Standards einen spezifischen Kriterienkatalog für Reisejournalismus ab.
7 Untersuchung: Beschreibt das methodische Vorgehen der Inhaltsanalyse, das Kategoriensystem und die Erhebungseinheiten.
8 Die untersuchten Medien: Stellt die für die Untersuchung ausgewählten Publikationen abenteuer und reisen, GEO Special, Reise & Preise, Stern und SUPERillu vor.
9 Ergebnisse: Präsentiert und interpretiert die Daten zur Berichterstattung über Entwicklungsländer hinsichtlich Vielfalt, Ausgewogenheit, Transparenz und PR-Einflüssen.
10 Zusammenfassung: Fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und präsentiert den entwickelten Kriterienkatalog.
11 Ausblick: Schlägt vor, die Untersuchung auf breiteres Material oder den Vergleich mit Tageszeitungen auszuweiten.
12 Literatur: Listet die verwendeten wissenschaftlichen Quellen auf.
13 Untersuchte Medien: Gibt die im Detail untersuchten Ausgaben der Medien an.
Reisejournalismus, Tourismus, Journalistische Qualität, Entwicklungsländer, Inhaltsanalyse, Printmedien, Ausgewogenheit, Stereotype, Völkerverständigung, Nachhaltiger Tourismus, Medienforschung, PR-Dienerschaft, Reisemagazine, Medientheorie, Reiseberichterstattung.
Die Arbeit untersucht die journalistische Qualität im deutschen Reisejournalismus. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Art und Weise, wie über Entwicklungsländer berichtet wird.
Zu den zentralen Themen gehören die theoretischen Grundlagen des Tourismus, die historische Entwicklung der Reiseliteratur, die Definition von Qualitätskriterien im Journalismus sowie die kritische Analyse der Darstellung von Fremden und Entwicklungsländern.
Das Ziel ist die Erstellung eines validen Kriterienkatalogs für Qualität im Reisejournalismus, um diesen anschließend mittels einer Inhaltsanalyse auf seine Anwendbarkeit in ausgewählten Zeitschriften zu prüfen.
Der Autor führt eine inhaltsanalytische Studie durch, bei der Beiträge und Fotografien aus fünf verschiedenen Zeitschriften (Special-Interest und General-Interest) systematisch auf definierte Qualitätsmerkmale hin untersucht werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte theoretische Auseinandersetzung mit Tourismus und Journalistik sowie einen umfangreichen empirischen Teil, der die Auswertung von Wortbeiträgen, Serviceteilen und Fotografien hinsichtlich Vielfalt und Ausgewogenheit behandelt.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Reisejournalismus, Tourismus, Qualitätskriterien, Entwicklungsländer, Inhaltsanalyse und Medienkritik zusammenfassen.
Die Untersuchung beleuchtet kritisch den Vorwurf der „PR-Dienerschaft“, also inwieweit die Berichterstattung von Reiseveranstaltern beeinflusst wird und ob redaktionelle Inhalte unabhängig von wirtschaftlichen Interessen der Tourismusbranche erstellt werden.
Die Wahl fiel auf Entwicklungsländer, da diese kulturell und wirtschaftlich stark von Deutschland abweichen. Dadurch ist der Einfluss, den der Reisejournalismus durch die Erzeugung von „Raumbildern“ auf die Einstellungen der Leser ausübt, besonders groß.
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