Forschungsarbeit, 2007
57 Seiten
1. Rahmenbedingungen der Besatzungspolitik
2. Die Auflösung der Antifa-Ausschüsse und die Bildung bürgerlicher Stadtkomitees
3. Theoretische und organisatorische Voraussetzungen der US-Besatzungsmacht zur Entnazifizierung
4. Phasen der Entnazifizierung im Rahmen der US-Besatzungspolitik
4.1. Die erste Phase der Entnazifizierung in der US-Besatzungszone
4.2. Die Juli-Direktive und der Fragebogen
4.3. Das Gesetz Nr. 8 der US-Militärregierung
4.4. Von der Ländergesetzgebung zur Entnazifizierung in der US–Zone bis zur Beendigung der Entnazifizierung in der BRD
4.5. Zusammenfassung
5. Bilanz der Entnazifizierung
6. Anmerkung
7. Die konservative Kritik an der Entnazifizierung- Übersicht zur Publizistischen Auseinandersetzung
8. Autor
Die vorliegende Arbeit untersucht das Scheitern der Entnazifizierung in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg als verfehlten politischen Neubeginn. Dabei wird analysiert, wie durch die Ausschaltung antifaschistischer Strukturen und eine forcierte Westorientierung der Besatzungspolitik eine faktische Rehabilitierung der alten Nazieliten ermöglicht wurde.
4.2. Die Juli-Direktive und der Fragebogen
Neben der automatischen Verhaftung erfolgte als weitere Maßnahme die Säuberung der öffentlichen Verwaltung mittels des Fragebogens. Doch sie zeigte am Anfang der Besatzung kaum Erfolg, da die Entnazifizierung in den ersten Monaten noch in der Verantwortlichkeit strategischen Truppe lag. Die Offiziere erachteten jedoch die Entnazifierung als zweitrangig, sahen sie doch administrative Aufgaben wie Nahrungs- und Wohnungsversorgung, Wiederherstellung öffentlicher Einrichtungen als vorrangig an.28)
„Erst mit der Ankunft der örtlichen Spezialeinheiten (pinpointed detachments) begannen systematische Entlassungen und Überprüfungen und der Aufbau der special branches (SpBr) in den MG-Abteilungen für öffentliche Sicherheit.“29)
Im Juli 1945 versuchten die Amerikaner eine Koordinierung der Maßnahmen zur Entnazifizierung vorzunehmen. Mit einer Direktive, die schon am 29.Juni 1945 ausgegeben wurde, aber erst nach der Auflösung von SHAEF in Kraft treten konnte, sollte die politische Direktive JCS 1067 in Verwaltungsvorschriften umgesetzt werden.
In dieser Direktive vom 7. Juli 1945 wurden jetzt genau die einzelnen Kategorien aufgeführt und die Schlüsselpositionen definiert, die politisch von Nationalsozialisten gesäubert werden sollten.30)
1. Rahmenbedingungen der Besatzungspolitik: Analysiert den militärisch-politischen Interessenstreit unter den Alliierten, der eine einheitliche und zielgerichtete Entnazifizierung von Beginn an erschwerte.
2. Die Auflösung der Antifa-Ausschüsse und die Bildung bürgerlicher Stadtkomitees: Beschreibt die Unterdrückung spontaner antifaschistischer Selbstverwaltungsorgane und deren systematische Ersetzung durch konservative Strukturen.
3. Theoretische und organisatorische Voraussetzungen der US-Besatzungsmacht zur Entnazifizierung: Untersucht die Planungen der US-Militärregierung und das Versagen bei der praktischen Ausbildung des Personals für die Entnazifizierung.
4. Phasen der Entnazifizierung im Rahmen der US-Besatzungspolitik: Detaillierte Darstellung der vier Phasen, von der anfänglichen Verhaftungswelle bis hin zur faktischen Renazifizierung unter dem Grundgesetz.
5. Bilanz der Entnazifizierung: Zieht eine quantitative und qualitative Schlussbilanz, die das Scheitern einer tiefgreifenden antifaschistischen Strukturreform belegt.
6. Anmerkung: Bietet bibliographische Verweise und ergänzende Erläuterungen zu den verwendeten Quellen.
7. Die konservative Kritik an der Entnazifizierung- Übersicht zur Publizistischen Auseinandersetzung: Beleuchtet die publizistische Strategie konservativer Kreise, die die Entnazifizierung als unrechtsmäßig diffamierten und rehabilitierten.
8. Autor: Kurzbiografie der Verfasserin Wilma Ruth Albrecht.
Entnazifizierung, US-Besatzungspolitik, Antifa-Ausschüsse, Westorientierung, Restauration, Befreiungsgesetz, Spruchkammerverfahren, Militärregierung, Nationalsozialismus, Rehabilitation, Faschismusanalyse, Elitenaustausch, Nachkriegsgeschichte, Mitläufer, Antikommunismus.
Die Arbeit analysiert den Prozess und das letztliche Scheitern der Entnazifizierung in Westdeutschland als politisch gewollten Vorgang zur Restauration gesellschaftlicher Machtverhältnisse.
Die zentralen Themen sind das Vorgehen der US-Besatzungsmacht, die Unterdrückung antifaschistischer Basisbewegungen sowie die juristische und politische Instrumentalisierung der Entnazifizierung zur Rehabilitation alter Funktionseliten.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie aus der ursprünglichen Notwendigkeit zur Entmachtung des Nationalsozialismus eine dysfunktionale Praxis wurde, die schließlich in die Renazifizierung der westdeutschen Staatsverwaltung mündete.
Die Verfasserin nutzt eine politiksoziologische und historische Analyse, die auf einer Auswertung von Besatzungsrichtlinien, Gesetzestexten, zeitgenössischer Publizistik und Forschungsliteratur basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Untersuchung der Besatzungspolitik, eine detaillierte Analyse der vier Entnazifizierungsphasen und eine Bilanz der durchgeführten Maßnahmen.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Entnazifizierung, Restauration, Besatzungspolitik, Westorientierung und Spruchkammerverfahren charakterisiert.
Die US-Militärregierung betrachtete eigenständige politische Organisationen der Arbeiterbewegung als Gefahr für ihre eigenen Besatzungsziele und als Hindernis für eine "unpolitische" Verwaltung unter konservativer Führung.
Die Kirchen traten als einflussreiche moralische Instanzen auf, die durch die Forderung nach einer "individuellen Schuldprüfung" und die Ablehnung des Befreiungsgesetzes maßgeblich dazu beitrugen, die politische Entnazifizierung als unzulässige Strafmaßnahme zu diskreditieren.
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