Forschungsarbeit, 2007
59 Seiten
0. Vorbemerkung
1. Ziele der alliierten Entnazifizierungspolitik
2. Differenzen in den Methoden der alliierten Entnazifizierungspolitik
2.1. Die Hauptmethode der Durchführung der Entnazifizierung in der SBZ und den westlichen Besatzungszonen
2.2. Entnazifizierungskonzepte in der US-amerikanischen und britischen Zone
2.2.1. Entnazifizierungskonzept in der US-amerikanischen Zone
2.2.2. Entnazifizierung in der britischen Zone
2.2.3. Zusammenfassung
3. Die Haltung der Liberalen zur Entnazifizierung und Versuche der Einflussnahme
3.1. Die Neuformierung des politischen Liberalismus in den Westzonen nach dem Zweiten Weltkrieg
3.2. Die programmatischen Forderungen der Liberalen zur Entnazifizierung
3.3. Politische Stellungnahmen liberaler Parteimitglieder in den Landtagen zur Entnazifizierung
3.4. Versuche der Einflussnahme von FDP/DVP/LDP-Politikern auf die inhaltliche Umsetzung der Entnazifizierung
3.5. Initiativen und Vorstellungen der FDP für eine bundeseinheitliche Abschlussgesetzgebung der Entnazifizierung
4. Nationalsozialistische Unterwanderung und Kooperation mit der FDP- Bruderschaft und Naumannkreis
4.1. „Die Bruderschaft“
4.2. Der „Naumannkreis“
4.3. Die Abwiegelungsversuche der FDP-Führung
5. Zusammenfassung
Diese Arbeit untersucht kritisch die Haltung der FDP/DVP/LDP zur Entnazifizierung in Westdeutschland nach 1945. Das primäre Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem liberalen Selbstverständnis und der tatsächlichen politischen Praxis aufzudecken, die darauf abzielte, den Prozess der Entnazifizierung zu paralysieren und personelle sowie strukturelle Kontinuitäten zur NS-Zeit zu wahren.
3.4. Versuche der Einflussnahme von FDP/DVP/LDP-Politikern auf die inhaltliche Umsetzung der Entnazifizierung
Möglichkeiten der Einflussnahme auf die politische Gestaltung, z.B. der Entnazifizierung, durch deutsche Politiker bestanden dann, wenn diese Personen sich gegenüber der alliierten Besatzungsmacht loyal verhielten und wenn sie es verstandenen, deren politische Vorstellungen in Richtlinien festzuschreiben, die ihnen selbst Spielraum eröffnete ihr eigenes Konzept umzusetzen.
Am Beispiel zweier Initiativen liberaler Politiker soll das Vorgehen veranschaulicht werden.
Der von den Amerikanern im September 1945 ernannte württembergisch-badische Ministerpräsident Rheinhold Maier, Jurist und Anwalt, der 1933 zusammen mit Theodor Heuss (1884-1963), Gründungsmitglied der DDP, Mitglied der Deutschen Staatspartei, später erster Bundespräsidenten der BRD, und 3 weiteren Reichstagsabgeordneten der Staatspartei Hitlers Ermächtigungsgesetz zustimmte und eng mit P. Reusch, Vorstandsmitglied der Gutehoffnungshütte, der während des Nationalsozialismus an der Ausplünderung des jugoslawischen, griechischen und bulgarischen Bergbaus beteiligt war, in Beziehung stand, lehnte die Kontrollratsdirektive Nr. 24, die die Grundlage des Militärgesetzes Nr. 104 der US-Besatzungszone abgab ab, weil er der Ansicht war, „daß ein Verfahren im Sinne der Kategorisierung einer raschen Säuberung im Weg stünde und dass die Beweiskraft dem Betroffenen aufgebürdet würde. In der viel zu umfassenden Bestimmung des Personenkreises läge auch eine moralische Gefahr für das Gesetz, denn indem man fast das ganze Volk in Anklagezustand versetze, würde das Vertrauen des deutschen Volkes zu seiner Regierung und zu Militärregierung erschüttert und der Sache der Demokratie nicht gedient.“
Als sich jedoch zeigte, dass seine Frontalkritik nichts bewirkte, stimmte er dennoch dem Gesetz zu, glaubte er doch zu wissen, dass sich sein „revolutionärer“ Impetus umgehen ließe, wenn die Spruchkammern pragmatisch arbeiteten:
„Wir von der Regierung Württemberg-Baden haben einen ganz entschiedenen Widerstand geleistet, und es sind verschiedene Herren hier im Hause, welche es miterlebt haben. Wir waren diejenigen, welche in ein schweres Rededuell mit den amerikanischen Offizieren verwickelt und als diejenigen hingestellt wurden, welche in Deutschland die Denazifizierung aufhalten wollten. (...) Das waren sehr, sehr schwierige Auseinandersetzungen. Wir waren vor die Frage gestellt: Wollen wir den totalen Kollaps der deutschen Wirtschaft und der Beamtungen weiter in dieser Weise sich vollziehen lassen, oder sollen wir den Versuch machen, nun die Sache in unsere Hand zu bekommen? In diesem Zusammenhang kam es zur Unterschrift vom 5. März 1946.“
0. Vorbemerkung: Einführung in die Thematik der Restauration durch die FDP und deren Abhängigkeit von den Alliierten.
1. Ziele der alliierten Entnazifizierungspolitik: Erläuterung der alliierten Vorgaben zur Entnazifizierung als Reaktion auf das faschistische System.
2. Differenzen in den Methoden der alliierten Entnazifizierungspolitik: Analyse der unterschiedlichen Ansätze zwischen der UdSSR und den Westalliierten sowie deren Auswirkungen.
3. Die Haltung der Liberalen zur Entnazifizierung und Versuche der Einflussnahme: Untersuchung der liberalen Strategien zur Paralysierung der Entnazifizierung und zur personellen Restauration.
4. Nationalsozialistische Unterwanderung und Kooperation mit der FDP- Bruderschaft und Naumannkreis: Dokumentation der Infiltration liberaler Parteistrukturen durch ehemalige Nationalsozialisten.
5. Zusammenfassung: Abschlussbetrachtung der Rolle der FDP als Interessenvertreterin alter Eliten unter dem Deckmantel des Liberalismus.
Entnazifizierung, FDP, Nationalsozialismus, Restauration, Liberale, Bruderschaft, Naumannkreis, Westintegration, Politische Säuberung, Ideologie, Kapitalismus, Faschismus, Besatzungsmacht, Spruchkammern, Amnestie
Die Arbeit analysiert die Haltung der FDP in der Nachkriegszeit gegenüber der Entnazifizierung und zeigt auf, wie diese Partei aktiv zur Rehabilitierung ehemaliger Nationalsozialisten beitrug.
Zentrale Themen sind die Einflussnahme liberaler Politiker auf die Umsetzung der Entnazifizierung, die Infiltration von Parteistrukturen durch den sogenannten Naumannkreis und die ideologische Rechtfertigung dieser Politik.
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem offiziellen demokratischen Anspruch der FDP und ihrer realen Politik zu konfrontieren, die eine Rückkehr alter Machteliten begünstigte.
Die Autorin stützt sich auf eine tiefgehende Analyse zeitgenössischer Dokumente, Parteiprogramme, Protokolle und bestehender Studien, um die politische Praxis der Liberalen zu rekonstruieren.
Der Hauptteil befasst sich mit der Neuformierung des Liberalismus, den konkreten programmatischen Forderungen gegen die Entnazifizierung und der detaillierten Dokumentation der Unterwanderung durch ehemalige NS-Funktionäre.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Entnazifizierung, FDP-Restauration, Naumannkreis, NS-Infiltration und politische Säuberung charakterisiert.
Sie werden als Beispiele für liberale Politiker angeführt, die durch Frontalkritik und später durch pragmatische Einflussnahme versuchten, die Entnazifizierungsvorgaben der Alliierten zu unterlaufen.
Der Naumannkreis wird als Beispiel für eine gezielte personelle Unterwanderung bürgerlicher Parteien (insbesondere der FDP in NRW und Niedersachsen) durch ehemalige NS-Eliten dargestellt.
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