Magisterarbeit, 2006
84 Seiten, Note: 1,3
I. Einführung
1.1. Welt und Leid – Einleitung
1.2. Voraussetzung 1: Schopenhauers zentrale Ausgangsposition zum Philosophieren
1.3. Voraussetzung 2: Einheitlichkeit der Theorie
II. Schopenhauers Willensmetaphysik
2.1. Mechanismus des Leides - Der Wille und seine Bejahung
2.1.1. Objektivation des Willens (1): Bedürftiges Leben aus Motiv und Handlung
2.1.1.1. Individuum und Affektion
2.1.1.2. Bedürfnisse und Leben
2.1.1.3. Das Wollen und das Handeln
2.1.1.4. Das Motiv
2.1.2. Objektivation des Willens (2): principium individuationis und die Welt
2.1.2.1. Empfindung
2.1.2.2. Anschauungsformen
2.1.2.3. Verstand, Kausalität und Werden
2.1.2.4. Projizierte Wirklichkeit
2.1.2.5. Vielheit in der Welt
2.1.2.6. Erscheinung und die Welt
2.1.2.7. Materie
2.1.2.8. Denken
2.1.3. Objektivation des Willens (3): Wille als Ding an sich und die Welt
2.1.3.1. Der Wille als das Was der Welt
2.1.3.2. Egoismus
2.1.3.3. Idee und intelligibler Charakter
2.1.3.4. bellum omnium contra omnes
2.1.3.5. Leid und Natur
2.1.3.6. Die Rolle der Ethik
2.1.3.7. Eine (pessimistische) Anthropologie
2.2. Lösung – Der Wille und seine Verneinung
2.2.1. Revolution der Erkenntnis (1): Intuition als Erkenntnisbasis
2.2.2. Revolution der Erkenntnis (2): Intuitive Erkenntnis
2.2.3. Revolution der Erkenntnis (3): Die Negation des Lebens und Askese
2.3. Subjekt des Wollens und Erkennens - Selbstbewusstsein des Willens
III. Problembehandlung
3.1. Fokussierung des Willens
3.1.1. Bedeutung des Willens
3.1.2. Erscheinende Prozessualität
3.2. Über die Geschichte
3.3. Die Kritik Fischers
3.3.1. Kritik (a) – (c)
3.3.2. Gegenargumentationen 1
3.3.3. Kritik (d) und Gegenargumentation 2
3.3.4. Kritik (e) und Gegenargumentation 3
3.4. Problematik der Substantialisierung
3.4.1. Beispiel Frauenstädt
3.4.2. Schopenhauer zur Substantialisierung
IV. Schlussfolgerungen
4.1. Der Wille als das Ding an sich und die Freiheit
4.2. Die Philosophie des Leides
4.3. Resümee und Ausblick
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, Schopenhauers philosophisches System als eine „Willensmetaphysik“ zu deuten, die konsequent von der Grundthese des Leidens der Welt ausgeht. Die Forschungsfrage untersucht dabei, inwieweit die Prozessualität und Substantialisierung des Willens innerhalb dieses Systems begründet sind und wie Schopenhauer sich in der Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Kritikern wie Kuno Fischer positioniert.
1.1. Welt und Leid – Einleitung
Eine Haupterkenntnis Schopenhauers, die man zugleich als einen Ausgangspunkt seines philosophischen Systems betrachten kann, lautet: Das Leben ist Leiden. Das Leben vollzieht sich in der Welt, die prinzipiell problematisch ist. Aus seinen eigenen scharfen Beobachtungen des menschlichen Lebens leitet Schopenhauer diese Einsicht ab. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass seine ganze Philosophie darauf beruhend aufgebaut ist. Schopenhauer schreibt, dass „einerseits die Leiden und Quaalen des Lebens leicht so anwachsen […] und andererseits wieder, daß sobald Noth und Leiden dem Menschen Rast vergönnen, die Langeweile gleich so nahe ist“. Ferner bemerkt er: „Jeder wird leicht im Leben des Thieres […] wiederfinden, wie wesentlich ALLES LEBEN LEIDEN ist.“ Dies ist eine der Grundthesen Schopenhauers zum menschlichen Dasein.
Ferner führt er aus: „Der Mensch […] steht […] sich selber überlassen, über Alles in Ungewißheit, nur nicht über seine Bedürftigkeit und seine Noth: demgemäß füllt die Sorge für die Erhaltung jedes Daseyns, unter so schweren, sich jeden Tag von Neuem meldenden Forderungen, in der Regel, das ganze Menschenleben aus. […] Das Leben selbst ist ein Meer voller Klippen und Strudel, die der Mensch mit der größten Behutsamkeit und Sorgfalt vermeidet, obwohl er weiß, daß, wenn es ihm auch gelingt, mit aller Anstrengung und Kunst sich durchzuwinden, er eben dadurch mit jedem Schritt dem größten […] unvermeidlichen […] Schiffbruch näher kommt, dem TODE“.
Diese unbestechliche Beobachtung gibt der Philosophiegeschichte Recht, die schon im beginnenden 19. Jahrhundert einen Ansatz zu einer modernen, existenzialistischen Lebensphilosophie erblickt. Schopenhauers Philosophie kann tatsächlich als Lebensphilosophie, besonders als eine des Leidens, bezeichnet werden.
I. Einführung: Dieses Kapitel etabliert das Leiden als zentralen Ausgangspunkt der Philosophie Schopenhauers und legt die methodischen Grundlagen für die Untersuchung der Willensmetaphysik.
II. Schopenhauers Willensmetaphysik: Der Hauptteil erläutert den Mechanismus des Leides, die Objektivation des Willens in der Vorstellungswelt sowie den Weg der Willensverneinung und Askese als Erlösung.
III. Problembehandlung: Hier wird die Prozessualität des Willens kritisch diskutiert und in Auseinandersetzung mit Kuno Fischers Einwänden auf ihre Haltbarkeit hin geprüft.
IV. Schlussfolgerungen: Dieses Kapitel zieht das Resümee über die Identität von Wille und Freiheit und reflektiert die Einordnung der Lehre in die Philosophiegeschichte.
Schopenhauer, Willensmetaphysik, Leid, Wille, Vorstellung, Welt, Erkenntnis, Erlösung, Askese, Egoismus, Subjekt, Objekt, Ding an sich, Prozessualität, Philosophie.
Die Arbeit befasst sich mit der Schopenhauerschen Willensmetaphysik und interpretiert diese primär als eine vom Leid ausgehende Philosophie.
Zentral sind der Begriff des Willens, die Erkenntnistheorie der Welt als Vorstellung, das Phänomen des Leidens sowie die Möglichkeit der Willensverneinung.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Schopenhauers System in seinem Kern auf der Aufklärung des Leids basiert und wie dieses mit dem Begriff des Willens als „Ding an sich“ verknüpft ist.
Die Autorin nutzt eine interpretativ-analytische Methode, um Schopenhauers Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ unter Berücksichtigung von Sekundärliteratur und kritischen Einwänden systematisch zu durchdringen.
Der Hauptteil analysiert die Objektivation des Willens, das Verhältnis von Subjekt und Objekt sowie die Auseinandersetzung mit Kritikern wie Kuno Fischer bezüglich der prozessualen Deutung der Philosophie.
Neben Schopenhauer und dem Willensbegriff sind Leid, Askese, Erkenntnistheorie und die Vorstellungswelt entscheidende Konzepte.
Weil der Wille nach ihrer Auffassung das unbestreitbare Fundament und den Angelpunkt darstellt, auf dem Schopenhauer seine gesamte Philosophie der Welt und des Leidens aufbaut.
Die Ethik wird als ein Teilbereich des Vorstellungssystems gesehen, der zwar menschliche Verhaltensweisen regelt, aber das Leid aufgrund der ontologischen Wurzeln des Willens nicht endgültig aufheben kann.
Der Kampf der Ideen wird als ein durch das Subjekt wahrgenommenes Phänomen entlarvt, das auf der individuellen Erkenntnisweise und dem Streben des Willens zur Objektivierung beruht.
Sie führt zur Resignation und zum Ideal des asketischen Lebens, bei dem das Bewusstsein vom Dienst des Willens befreit wird, was letztlich in die Aufhebung des Individuums führt.
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