Magisterarbeit, 2006
116 Seiten, Note: 2,1
1. Einleitung
2. Radikaler Konstruktivismus
2.1 Grundannahmen des Radikalen Konstruktivismus
2.2 Kritik am Radikalen Konstruktivismus
3. Soziokultureller Konstruktivismus - eine Medientheorie?
3.1 Entwicklung des Kommunikationsbegriffes
3.2 Entwicklung des Kulturbegriffes
3.3 Entwicklung des Medienbegriffes
3.4 Medien + Kultur = Medienkultur
3.5 Zusammenfassung
4. Gesellschaftlicher Wandel durch Massenmedien
4.1 Massenmedien als Instrumente der Wirklichkeitskonstruktion
4.1.1 Modularisierung von Wirklichkeit
4.1.2 Modalisierung von Wirklichkeit
4.2 Massenmedien als Instrumente der Sozialisation
4.2.1 Fernsehen beeinflusst Prozesse sozialer Differenzierung und Entdifferenzierung
4.2.2 Fernsehen beeinflusst die Inszenierung und Thematisierung von Gefühlen
4.2.3 Fernsehen beeinflusst das Verhältnis von Kultur und Gedächtnis
4.3 Kritik an den Massenmedien am Beispiel Fernsehen
4.4 Gesellschaftlicher Wandel am Beispiel politischer Fernsehrunden
4.4.1 Einführung in die Kontroverse um die Mediatisierung von Politik
4.4.2 Die politischen Fernsehrunden in Deutschland - eine Bestandsaufnahme
4.5 Zusammenfassung
5. Fernsehtypische Inszenierungselemente in den ‚Polit-Talks’ Sabine Christiansen und HART aber fair
5.1 Gegenstand der Analyse
5.1.1 Auswahlkriterien
5.1.2 Aufbau der Analyse
5.2 Das Setting von Polit-Talks
5.2.1 Kurzportrait und Setting von Sabine Christiansen
5.2.2 Kurzportrait und Setting von HART aber fair
5.3 Untersuchung des Themenhaushalts von Polit-Talks
5.3.1 Das Agenda Setting bei Sabine Christiansen und HART aber fair
5.3.2 Zwischenfazit
5.4 Untersuchung der Teilnehmerstruktur in Polit-Talks
5.4.1 Die Gäste bei Sabine Christiansen
5.4.2 Die Gäste bei HART aber fair
5.4.3 Zwischenfazit
5.5 Untersuchung der Moderation, sowie der Sendungs- und Argumentationsstrukturen in Polit-Talks
5.5.1 Sendungsstruktur und Moderation bei Sabine Christiansen
5.5.2 Sendungsstruktur und Moderation bei HART aber fair
5.5.3 Zwischenfazit
5.6 Technisch-visuelle Vermittlung bei beiden Polit-Talks
6. Fazit
7. Ausblick
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Funktionsweise der Konstruktion politischer Öffentlichkeit im Massenmedium Fernsehen anhand der konstruktivistisch orientierten Medien- und Kulturtheorie von Siegfried J. Schmidt zu untersuchen. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie gesellschaftlicher Wandel durch Massenmedien – insbesondere am Beispiel der Polit-Talkshows Sabine Christiansen und HART aber fair – konstruiert und inszeniert wird und welche Auswirkungen dies auf den politischen Diskurs hat.
3.1 Entwicklung des Kommunikationsbegriffes
Kommunikation wird im Alltagsverständnis als „Bedeutungsvermittlung zwischen Lebewesen“ (Burkart 1998, S.20) verstanden. Aufgrund der operationalen Geschlossenheit jedes einzelnen autopoietischen, lebenden Systems ist die Übertragung einer Botschaft von einem Sender zu einem Empfänger nicht mehr möglich. Kommunikation ist für Schmidt, im Anschluss an Luhmann, nur dann möglich, wenn die Kommunikationspartner Mitteilung, Information und Verstehen voneinander unterscheiden können (vgl. Schmidt und Feilke 1995, S.279). Im Gegensatz zu Luhmann sieht Schmidt jedoch Kommunikation nicht als selbstreferentiell-geschlossenes System an, da es immer Individuen sind, die miteinander kommunizieren, also nicht Kommunikation mit sich selbst.
Im Bereich der face-to-face-Kommunikation beobachtet man, wie Argument auf Argument, Antwort auf Frage […] usw. folgen. Im Bereich massenmedial vermittelter Kommunikation stellt man fest, wie z.B. Texte sich auf Texte beziehen: Themen werden aufgegriffen, Texte zitiert, parodiert oder kommentiert, übersetzt, interpretiert oder kanonisiert. In dieser Perspektive bzw. Beschreibungsweise wird bewusst ausgeblendet, daß es - bis heute - immer Individuen sind, die Texte produzieren, die sprechen und zuhören. (Schmidt 1994c, S.73).
Im Anschluss an Maturana, bezeichnet auch Schmidt Kommunikation nicht als Austausch von Informationen, sondern als „parallele Produktion von Informationen im Bewusstsein der Kommunikationspartner“ (Schmidt 1990, S.52). Information existiert für ihn somit praktisch nicht.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung des Fernsehens für das Alltagsbewusstsein ein und skizziert die konstruktivistische Perspektive als theoretisches Fundament der Untersuchung.
2. Radikaler Konstruktivismus: Dieses Kapitel erläutert die Grundannahmen und die erkenntnistheoretische Basis des Konstruktivismus, die für das Verständnis der weiteren Medientheorie unerlässlich sind.
3. Soziokultureller Konstruktivismus - eine Medientheorie?: Siegfried J. Schmidts Medientheorie wird detailliert dargestellt, wobei der Fokus auf dem wechselseitigen Zusammenspiel von Kognition, Kommunikation, Medien und Kultur liegt.
4. Gesellschaftlicher Wandel durch Massenmedien: Hier werden die Prozesse beschrieben, wie Medien Wirklichkeit konstruieren und als Instrumente der Sozialisation gesellschaftliche Werte und Wahrnehmungen beeinflussen.
5. Fernsehtypische Inszenierungselemente in den ‚Polit-Talks’ Sabine Christiansen und HART aber fair: Das zentrale Analysekapitel vergleicht die Formate hinsichtlich Setting, Moderationsstil, Themenwahl und Gästeauswahl auf Basis empirischer Beobachtungen.
6. Fazit: Die Ergebnisse der Untersuchung werden zusammengeführt, um zu belegen, dass das Fernsehen als Medium nicht deterministisch manipulativ wirkt, sondern maßgeblich durch seine Akteure geprägt ist.
7. Ausblick: Abschließend werden zukünftige Forschungsfelder, etwa der Einfluss neuer technischer Medien und die pluralisierte Nutzung, kurz skizziert.
Soziokultureller Konstruktivismus, Siegfried J. Schmidt, Massenmedien, Polit-Talkshows, Wirklichkeitskonstruktion, Mediatisierung von Politik, Agenda Setting, Mediensozialisation, Kommunikation, Öffentlichkeit, Systemtheorie, Fernsehen, Sabine Christiansen, HART aber fair, Medienkompetenz
Die Magisterarbeit untersucht aus medientheoretischer Sicht, wie das Fernsehen – speziell Polit-Talkshows – die Konstruktion politischer Öffentlichkeit beeinflusst und welche Rolle die konstruktivistische Theorie von Siegfried J. Schmidt dabei spielt.
Die Analyse umfasst die Theorie des soziokulturellen Konstruktivismus, die Rolle der Massenmedien als Instrumente der Wirklichkeitskonstruktion sowie einen konkreten Vergleich der Sendeformate Sabine Christiansen und HART aber fair.
Ziel ist es, die Gesetzmäßigkeiten des medialen Wandels und der politischen Inszenierung im Fernsehen zu untersuchen und zu prüfen, ob und wie diese Formate die gesellschaftliche Wahrnehmung von Politik steuern oder manipulieren.
Die Autorin stützt sich auf eine hermeneutische Untersuchung der beiden Sendereihen, ergänzt durch theoretische Reflexionen der konstruktivistischen Medientheorie und Einbeziehung empirischer Daten zur Mediennutzung.
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen des Konstruktivismus erläutert, gefolgt von einer tiefgehenden Analyse der politischen Fernsehrunden hinsichtlich ihres Settings, der Moderation und der Art und Weise, wie sie politische Themen setzen und präsentieren.
Zentrale Begriffe sind der soziokulturelle Konstruktivismus, die Wirklichkeitskonstruktion zweiter Ordnung, die Mediatisierung von Politik sowie die Begriffe der Reflexivität und der Mediensozialisation.
Die Autorin stellt fest, dass Sabine Christiansen stärker auf Emotionalisierung und Popularität setzt, während HART aber fair durch eine strukturiertere, an Transparenz orientierte Diskursführung und kritischere Moderation (Frank Plasberg) versucht, das politische Geschehen nachvollziehbarer zu machen.
Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass das Fernsehen nicht pauschal als manipulativ einzustufen ist. Vielmehr hängt die Wirkung stark davon ab, wie Medienakteure ihre Formate gestalten und wie kritisch bzw. kompetent die Rezipienten mit den medialen Angeboten umgehen.
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