Magisterarbeit, 2001
111 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
Plastik
Form und Material - Entwurf und Herstellung
Kunststoff
Kunststoffverarbeitung in der Möbelfertigung um 1968 bis heute
Kunststoffgeschichte oder der Beginn des „Plastikzeitalters“
’68er-Revolution und Wohnen
Hedonismus - Sexualität
Mobil und flexibel wohnen
Pop-Art und Massenkultur
Farbexperimente
Zum Mond - Zukunfts- und Technologiebegeisterung
Psychedelische Erlebnisse
Von der Entwicklung der Petrochemie bis zur Ölkrise
Schlußbemerkung
Anhang
Publikationen
Quellen
Abbildungsnachweis
Kunststoffe im Produktdesign
Diese Arbeit untersucht den signifikanten Einfluss von Kunststoffen auf das Möbeldesign und die Wohnkultur um das Jahr 1968. Es wird analysiert, wie technische Innovationen und neuartige Herstellungsverfahren den Designprozess sowie die soziale Wahrnehmung von Wohnräumen transformierten und dabei gesellschaftliche Strömungen wie die 68er-Bewegung, Konsumkritik und Utopien widerspiegelten.
Form und Material - Entwurf und Herstellung
In diesem Abschnitt soll analysiert werden, ob die Entwicklung technischer Möglichkeiten für die Herstellung von Kunststoffprodukten der Produktion und Nachfrage des Marktes weit voraus war oder ob die Designer ihre Visionen unabhängig von der technischen Realisierbarkeit entwickelten, bevor die Zeit reif war für die technische Umsetzung der Entwürfe. Zudem werden die Herstellungsverfahren für Möbel aus Kunststoff um 1968 sowie die Kunststoffmaterialien beschrieben.
Kunststoff im Möbeldesign der 1940er und 1950er Jahre
Glasfaserverstärkter Kunststoff bot in den vierziger und fünfziger Jahren die Möglichkeit, Sitzschalen organisch zu gestalten. Einige Entwürfe von Arne Jacobsen (z.B. Ei 1958, Abb. 12) oder Charles und Ray Eames (z.B. Plastic Armchair 1950-53, Abb. 13 und La Chaise 1948) basierten auf einer Sitzschale aus glasfaserverstärktem Kunststoff, die häufig gepolstert wurde und unter einem Stoffbezug verschwand. Diese Sitzmöbel sind nur teilweise aus Kunststoff gefertigt, die Gestelle meist aus Stahlrohr. So auch beim Womb-Chair von Saarinen, der jedoch als der erste serienmäßig hergestellte Stuhl mit einer Sitzschale aus Kunststoff, genauer aus fiberglasverstärktem Polyesterharz, gilt. Charles und Ray Eames' Wettbewerbsentwurf von 1948 für das Museum of Modern Art war eigentlich ein Sesselmodell mit Sitzschalen aus Aluminium, welches mit dem 2. Preis ausgezeichnet wurde. Später entschied sich das Ehepaar Eames aus kosten- und produktionstechnischen Gründen für die Herstellung des Sessels mit Sitzschalen aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Die Produktion des Plastic Armchair begann 1950. Die Schale blieb schlicht, pur und sichtbar aus dem Material des glasfaserverstärkten Kunststoffs. Die besondere Beschaffenheit des Materials, eine leicht glänzende, helle und kühle Oberfläche, wurde zu einer beabsichtigten, neuen, ästhetischen Qualität des Stuhls (vgl. Kat.-Ausst. Die Neue Sammlung 1997, 58, Straßer).
Einleitung: Einführung in die Thematik der Retro-Tendenzen und den Bedeutungswandel von Kunststoff als Designmaterial.
Plastik: Analyse der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Kunststoff als „Material der Stunde“ im Gegensatz zum traditionellen Materialverständnis.
Form und Material - Entwurf und Herstellung: Betrachtung der technischen Entwurfsmöglichkeiten und der industriellen Herstellungsverfahren für Kunststoffmöbel.
Kunststoff: Definition und chemische Einordnung der verschiedenen Kunststoffgruppen wie Thermoplaste, Duroplaste und Elastomere.
Kunststoffverarbeitung in der Möbelfertigung um 1968 bis heute: Detaillierte Darstellung der Fertigungstechniken wie Spritzgießen und Extrudieren im Kontext des Möbeldesigns.
Kunststoffgeschichte oder der Beginn des „Plastikzeitalters“: Historischer Abriss über die Entwicklung synthetischer Materialien von den ersten Harzen bis zur industriellen Massenproduktion.
’68er-Revolution und Wohnen: Untersuchung des Einflusses der Studentenbewegung und des Protests auf die Wohnkultur und den Wunsch nach unkonventionellen Lebensentwürfen.
Hedonismus - Sexualität: Analyse der Verknüpfung von Sexualität, Wohnraumgestaltung und der Kritik an bürgerlichen Konventionen.
Mobil und flexibel wohnen: Beleuchtung der Visionen von mobilen, flexiblen Wohnformen durch den Einsatz von additiven Kunststoffelementen.
Pop-Art und Massenkultur: Betrachtung der Wechselbeziehung zwischen Kunst, Design und der massenkulturellen Konsumwelt.
Farbexperimente: Dokumentation des Paradigmenwechsels hin zu kräftigen Farben im Wohnbereich durch den Einsatz durchgefärbter Kunststoffe.
Zum Mond - Zukunfts- und Technologiebegeisterung: Analyse der Raumfahrtbegeisterung als Impulsgeber für futuristische Wohnkonzepte und -formen.
Psychedelische Erlebnisse: Erforschung der Nutzung von Kunststoffen für raumgreifende, bewusstseinsverändernde architektonische Installationen.
Von der Entwicklung der Petrochemie bis zur Ölkrise: Ökonomische und ökologische Einordnung der Kunststoffproduktion und des Bruchs durch die Ölkrise 1973.
Schlußbemerkung: Zusammenfassendes Fazit über die Etablierung des Kunststoffs als eigenständiges, gestaltendes Material in Möbeldesign und Wohnkultur.
Kunststoff, Möbeldesign, Wohnkultur, 1968, Polymere, Industrial Design, Polyurethan, PVC, Pop-Art, Architektur, Materialästhetik, Petrochemie, Sitzmöbel, Designgeschichte, Massenkultur.
Die Arbeit befasst sich mit der kulturellen und gestalterischen Rolle von Kunststoffen im Möbeldesign und der Wohnkultur um das Jahr 1968 und analysiert deren Einfluss auf die zeitgenössische Lebenswelt.
Zu den zentralen Themen gehören die technischen Voraussetzungen der Kunststoffverarbeitung, der Einfluss gesellschaftlicher Bewegungen wie der 68er-Revolte, die Rolle des Hedonismus, der Raumfahrtbegeisterung sowie die ökonomische Abhängigkeit von der Petrochemie.
Das Ziel ist zu ergründen, wie das Material Kunststoff durch seine technischen Eigenschaften (Formbarkeit, Farbe) Visionen von Designern ermöglichte und in welchem Spannungsfeld zwischen utopischen Wohnkonzepten und industrieller Realität sich diese Entwicklung bewegte.
Die Autorin nutzt eine interdisziplinäre Analyse aus Designgeschichte, Kulturwissenschaft und Technikgeschichte, ergänzt durch Primärquellen wie Experteninterviews und zeitgenössische Publikationen.
Der Hauptteil gliedert sich in technische Grundlagen zur Kunststoffverarbeitung, historische Kontexte des Designs, Fallbeispiele für „mobile“ und „psychedelische“ Wohnkonzepte sowie die kritische Reflexion des Themas durch die Ölkrise 1973.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kunststoff, Designgeschichte, 1968, Wohnkultur, Polymere, Pop-Art und Materialästhetik maßgeblich geprägt.
PUR-Schaum ermöglichte in den späten 1960er Jahren durch Verfahren wie das Spritzgießen oder Aufschäumen völlig neue, skulpturale Formen, die mit traditionellen Materialien wie Holz nicht realisierbar gewesen wären.
Die Ölkrise führte zu einer gesteigerten ökologischen Sensibilität und einer Abkehr von der „Plastik-Ära“, da Kunststoff zunehmend als Symbol für Verschwendung und ökologische Belastung wahrgenommen wurde.
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