Lizentiatsarbeit, 2007
109 Seiten, Note: 1.3
1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Forschungsstand
1.3 Aufbau
2. ‚Vergangenheitsbewältigung’ - ein facettenreicher Begriff
2.1 Grundlegendes und Herkunft des Wortes
2.2 Was ist ‚Vergangenheitsbewältigung’? - Ein theoretisches Konzept
2.2.1 Ziel
2.2.2 Wege
2.2.3 Politische Ebenen
2.2.4 Die Akteure
3. Der öffentlicher Diskurs über die nationalsozialistische Zeit in den 1950er Jahren
4. Mentalitäten in der Bundesrepublik während den 1950er Jahren
5. Vergangenheitspolitik oder die Bewältigung der ‚Vergangenheitsbewältigung’
5.1 Der Abschluss der Entnazifizierung und die 131er
5.2 Von der Entnazifizierung zur Renazifizierung
5.3 Die Kriegsverbrecherfrage - Deutschland und die alliierten Kriegsverbrecherprozesse
5.4 Deutsche Reaktionen auf die alliierten Prozesse
5.5 Die Kriegsverbrecherfrage nach der Gründung der Bundesrepublik
6. Die 1950er Jahre - Verbrechen ohne Täter
7. Das Ende der 1950er Jahre - Ein Einstellungswechsel bahnt sich an
8. Erste Skandale und antisemitische Vorfälle rütteln die Bevölkerung auf
9. Aufklärungsarbeit - vor und nach den Schmierereien und den ersten Skandalen
10. „Auch das noch! Der Eichmann-Prozess in Jerusalem“
11. Die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg
12. Der Frankfurter Auschwitz-Prozess
12.1 Die Vorgeschichte
12.1.1 Der ehemalige Auschwitz-Häftling Adolf Rögner erhebt Anzeige gegen Wilhelm Boger
12.1.2 Zufällig aufgetauchte Dokumente, die Fritz Bauer zugestellt werden
12.2 Die Ermittlungen - ein steiniger Weg
12.3 Der Prozess vom 20. Dezember 1963 bis zum 19. August 1965
12.4 Die Angeklagten und deren Vernehmung
12.5 Die Anklage und die juristische Bewertung
12.6 Die Zeugen
12.7 Das Urteil
12.8 Der Auschwitz-Prozess - Ein Kommentar
13. Schluss
Die Arbeit untersucht den Wandel im Umgang der bundesdeutschen Gesellschaft mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit in den 1950er und frühen 1960er Jahren, mit besonderem Fokus auf der politisch-justitiellen Ebene und dem einsetzenden Lernprozess.
1.2 Forschungsstand
Am 8. Mai 1945 schwiegen die Waffen, es wurde die bedingungslose Kapitulation unterzeichnet - die Geschichte der Hitler-Diktatur war aber damit keineswegs beendet. Die ‚zweite Geschichte’ des Nationalsozialismus begann danach unmittelbar.
„Es ist die bis heute andauernde, konfliktreiche Geschichte der Schuldbewältigung und Schuldverdrängung, des politischen Wandels, des trauernden Gedenkens, des öffentlichen Erinnerns und Vergessens, der historiographischen Deutung und Umdeutung, des Erfindens und Erzählens.“
Die Forschung hat sich also inzwischen nicht mehr allein mit der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt, sondern vermehrt eben auch mit ihrer zweiten Geschichte. Zahlreich hat man sich der Thematik beschäftigt und für die 1950er dominiert die Ansicht, dass die eigene Vergangenheit verdrängt und beschönigt wurde, wie es etwa Alexander und Margarethe Mitscherlich formulierten. Ihr Werk „Die Unfähigkeit zu trauern“, gilt als eines der wichtigsten Beiträge, welche diese Sichtweise darstellen. Sie forderten, dass nach der Entstehung von Schuld „Reue und das Bedürfnis der Wiedergutmachung“ folgen sollten. Es stellte sich aber ein „Rückzug“ ein, man hielt den Rückzug für besser „als furchtloses Wühlen in der Vergangenheit. Wenn überhaupt Erinnerung, dann als Aufrechnung der eigenen gegen die Schuld der anderen.“
Einleitung: Einführung in das Thema der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik sowie die Fragestellung und der Forschungsstand.
‚Vergangenheitsbewältigung’ - ein facettenreicher Begriff: Theoretische Analyse des Begriffs und seiner vier Dimensionen nach Helmut König.
Der öffentlicher Diskurs über die nationalsozialistische Zeit in den 1950er Jahren: Untersuchung der Stimmungslage und der öffentlichen Auseinandersetzung in Westdeutschland.
Mentalitäten in der Bundesrepublik während den 1950er Jahren: Analyse der gesellschaftlichen Einstellung und der Kontinuität von Vorurteilen.
Vergangenheitspolitik oder die Bewältigung der ‚Vergangenheitsbewältigung’: Darstellung der politischen Bestrebungen zur Amnestierung und Wiedereingliederung.
Die 1950er Jahre - Verbrechen ohne Täter: Beschreibung der Doppelstrategie aus Distanzierung vom NS-Regime und Integration des Personals.
Das Ende der 1950er Jahre - Ein Einstellungswechsel bahnt sich an: Analyse der beginnenden kritischen Auseinandersetzung und des Generationenwechsels.
Erste Skandale und antisemitische Vorfälle rütteln die Bevölkerung auf: Betrachtung von Skandalen und antisemitischen Wellen als Auslöser für Umdenkprozesse.
Aufklärungsarbeit - vor und nach den Schmierereien und den ersten Skandalen: Darstellung der Institutionalisierung von Bildung und Forschung zur NS-Zeit.
„Auch das noch! Der Eichmann-Prozess in Jerusalem“: Analyse der Wirkung dieses Prozesses auf das öffentliche Bewusstsein in Deutschland.
Die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg: Erläuterung der Bedeutung und Funktion dieser neuen Ermittlungsbehörde.
Der Frankfurter Auschwitz-Prozess: Detaillierte Darstellung der Vorgeschichte, des Prozesses und dessen Bedeutung als Wendepunkt der Erinnerungskultur.
Vergangenheitsbewältigung, Nationalsozialismus, Bundesrepublik, Entnazifizierung, Amnestie, Auschwitz-Prozess, Erinnerungskultur, Antisemitismus, Doppelstrategie, 131er-Gesetz, Kontinuität, Aufarbeitung, NS-Verbrechen, Fritz Bauer, Zweite Geschichte.
Die Arbeit analysiert, wie sich die Einstellung der Bundesrepublik Deutschland zur NS-Vergangenheit von der Gründung bis in die frühen 1960er Jahre gewandelt hat.
Zu den zentralen Themen gehören die Entnazifizierung, die sogenannte „Vergangenheitspolitik“, die Integration belasteter Eliten, antisemitische Vorfälle sowie der Einfluss von NS-Prozessen auf das öffentliche Bewusstsein.
Das Ziel ist es, den Lernprozess in der deutschen Nachkriegsgesellschaft aufzuzeigen: den Bruch zwischen dem anfänglichen Beschweigen und der späteren kritischen Auseinandersetzung.
Es handelt sich um eine historische Arbeit, die eine Vielzahl an Quellen, Literatur und Zeitdokumenten auswertet, um die politisch-justitielle Auseinandersetzung sowie den gesellschaftlichen Mentalitätswandel zu beleuchten.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der 1950er Jahre, geprägt durch Amnestie und Verdrängung, sowie den Übergang in die 1960er Jahre, der durch erste Skandale, institutionelle Neuanfänge wie die Zentrale Stelle in Ludwigsburg und den Frankfurter Auschwitz-Prozess gekennzeichnet ist.
Begriffe wie Vergangenheitsbewältigung, Auschwitz-Prozess, Doppelstrategie, gesellschaftliche Kontinuität und Erinnerungskultur stehen im Zentrum der Analyse.
Er gilt als Wendepunkt, da er erstmals massenhaft Täter und Opfer konfrontierte und die Details des Völkermordes einer breiten Öffentlichkeit durch Medien und Fernsehen zugänglich machte.
Sie ermöglichte eine systematisierte und effektive strafrechtliche Verfolgung von NS-Tätern, da sie nicht mehr nur auf punktuelle Anzeigen reagierte, sondern proaktiv Ermittlungen zu Tatkomplexen einleitete.
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