Magisterarbeit, 2007
96 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
1. Die Sozialgeschichte der ethnographischen Museen
2. Der Prozess der Musealisierung
2.1. Die Logik des Sammelns
2.2. Die Inszenierung des musealen Objekts
3. Das Museum als kulturelles Gedächtnis
4. Ästhetisches Erleben im Museum
5. Das Museum als Bildungsort
6. Das Museum und die Konfrontation mit dem Eigenen und Fremden
7. Ausblick – das ethnographische Museum in einer globalisierten Welt
Die Magisterarbeit untersucht die Funktionen ethnographischer Museen in der heutigen Zeit und analysiert, welchen Beitrag diese Institutionen für den Einzelnen und die Gesellschaft leisten. Dabei wird erforscht, wie sich diese Museen von rein wissenschaftlichen Sammlungen zu öffentlichen Foren gewandelt haben und wie sie heute zwischen der Bewahrung von Traditionen und den Herausforderungen einer globalisierten, hybriden Welt vermitteln können.
2.2. Die Inszenierung des musealen Objektes
Das wichtigste Medium zur Präsentation von Sammlungsstücken ist die Ausstellung. Das Museum ist ein Ort, an dem ausgewählte Themen anhand von gesammelten Objekten vermittelt werden sollen. Die Ausstellung ermöglicht den themenorientierten Zugriff auf die Sammlungsstücke und stellt die musealen Gegenstände in einen Beziehungs- und Bedeutungszusammenhang. Ein isoliert betrachteter Gegenstand kann dem Betrachter bedeutungslos erscheinen. Erst innerhalb eines thematischen Kontextes wird das Objekt befähigt, etwas über sich und seine Vergangenheit auszusagen.
Museale Ausstellungen innerhalb des ethnographischen Museums zielen darauf ab, die Funktions- und Bedeutungszusammenhänge der ausgestellten Objekte in ihrem historischen Zusammenhang sichtbar machen. „So wie die Sammlung nicht nur eine Anhäufung von Dingen darstellt, sondern als eine Gesamtheit, ein Ganzes aus Dingen, Problemen und Erkenntnissen aufzufassen ist, ist eben auch die museale Ausstellung nicht nur das Ergebnis des öffentlichen Herzeigens, des Zurschaustellens dieser Dinge, sondern sie ist die Möglichkeit, mit deren Hilfe jene Botschaften vermittelt werden sollen, die in den Dingen aufgehoben und von uns erkannt worden sind.“ (FLÜGEL 2005:) Den Kuratoren, die die Ausstellungen konzipieren, kommt die Aufgabe zu, die Auseinandersetzung mit den Objekten in bestimmte Richtungen zu lenken. „Sie machen durch die Art der Inszenierung mehr oder weniger vielfältige Interpretationsangebote und schaffen Assoziationsmöglichkeiten.“ (MUTTENTHALER 2002:4)
Eine Ausstellung wird mit Hilfe verschiedener Präsentationsmedien gestaltet: Architektonische Konstruktionen, Vitrinen, grafische Materialien, Licht, Ton, Videoinstallationen…etc. Diese Medien nehmen eine wichtige Vermittlungs- und Verweisfunktion im Präsentationskontext ein. Für Jana Scholze können Ausstellungen als Orte verstanden werden, an denen Signifikations- und Kommunikationsprozesse stattfinden. „Für diese Prozesse formulieren Ausstellungskuratoren Inhalte, Absichten und Erwartungen, welche von den Gestaltern mit Hilfe von Ausstellungsobjekten und Gestaltungsmaterialien in räumliche Arrangements übertragen werden.“ (SCHOLZE 2004:12)
Einleitung: Die Einleitung skizziert die historische Entwicklung des Museums als Institution und stellt die Forschungsfrage nach den aktuellen Funktionen ethnographischer Museen in der Gesellschaft.
1. Die Sozialgeschichte der ethnographischen Museen: Dieses Kapitel beschreibt die Genese ethnographischer Museen von fürstlichen Wunderkammern bis hin zur wissenschaftlichen Disziplin der Ethnologie im Kontext kolonialer Bestrebungen.
2. Der Prozess der Musealisierung: Es wird analysiert, wie Gegenstände durch ihre Aufnahme in ein Museum ihren ursprünglichen Status verlieren und als Bedeutungsträger in einen neuen, musealen Kontext überführt werden.
3. Das Museum als kulturelles Gedächtnis: Das Museum wird als externe Gedächtnisspeicherfunktion definiert, die Identität reproduziert und gesellschaftlichen Traditionsverlust kompensiert.
4. Ästhetisches Erleben im Museum: Hier steht die ästhetische Wirkung der Objekte im Fokus sowie die Frage, ob und wie ethnographische Artefakte als „Kunst“ wahrgenommen werden können.
5. Das Museum als Bildungsort: Das Kapitel untersucht den bildungspolitischen Auftrag des Museums und die didaktischen Herausforderungen bei der Wissensvermittlung an ein diverses Publikum.
6. Das Museum und die Konfrontation mit dem Eigenen und Fremden: Es wird diskutiert, inwiefern ethnographische Museen zur Identitätsbildung beitragen und ob sie das Fremde eher als Bedrohung oder als Bereicherung für das Verständnis der eigenen Kultur inszenieren.
7. Ausblick – das ethnographische Museum in einer globalisierten Welt: Das abschließende Kapitel reflektiert über die Zukunft des Museums in einer Zeit globaler Vernetzung und hybrider Identitäten.
Ethnographisches Museum, Musealisierung, kulturelles Gedächtnis, Identitätsbildung, Globalisierung, Wissensvermittlung, Authentizität, koloniale Vergangenheit, Ausstellungsdidaktik, materielle Kultur, Eurozentrismus, interkultureller Dialog, Kunst und Artefakt, soziale Identität, Museumspädagogik.
Die Arbeit untersucht die gesellschaftlichen Funktionen ethnographischer Museen in der heutigen Zeit, wobei der Fokus auf der Transformation dieser Institutionen von reinen Sammlungsorten hin zu Orten des interkulturellen Dialogs liegt.
Zentrale Themen sind die Sozialgeschichte der Museen, der Prozess der Musealisierung, die Rolle der Museen als kulturelles Gedächtnis, die Ästhetisierung von Objekten sowie die bildungspolitische und identitätsstiftende Bedeutung ethnographischer Sammlungen.
Ziel ist es zu ergründen, welchen Nutzen ethnographische Museen in einer globalisierten Welt haben, in der Wissen ohnehin leicht verfügbar ist und kulturelle Identitäten zunehmend verschwimmen.
Die Autorin nutzt kulturwissenschaftliche, museologische und soziologische Theorien, unter anderem von Jan Assmann, Peter Sloterdijk und Pierre Bourdieu, um die musealen Funktionen zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der vier Kernfunktionen: Erinnerung (Gedächtnis), Bildung (Wissensvermittlung), Identitätsbildung (Konfrontation mit dem Eigenen/Fremden) und Ästhetik (Erleben im Museum).
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Musealisierung, kulturelles Gedächtnis, ethnographisches Museum, Identitätsstiftung und Globalisierung charakterisieren.
Sie kritisiert einen unreflektierten Umgang mit der kolonialen Sammlungsgeschichte und eine oft eurozentristische Perspektive, bei der fremde Kulturen statisch dargestellt werden, anstatt ihre Dynamik und Hybridität zu würdigen.
Die Autorin warnt davor, dass die wissenschaftlichen Kernaufgaben eines Museums vernachlässigt werden könnten, wenn Museen sich lediglich als reine Eventlocations zur bloßen Besucherunterhaltung definieren.
Es dient als Beispiel für einen modernen, themenzentrierten Ansatz, der sich von einer starren geographischen Ordnung abwendet und interaktive sowie museumspädagogische Wege geht, um fremde Kulturen greifbarer zu machen.
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