Diplomarbeit, 2007
125 Seiten, Note: 1,7
A. Allgemeiner Teil
1 Korruption als Element der Wirtschaftskriminalität
1.1 Problemstellung: Wirtschaftskriminalität
1.2 Korruption als fester Bestandteil wirtschaftlicher Systeme in Deutschland
1.3 Fragestellungen und Gang der Arbeit
2 Die unterschiedlichen Definitionsformen von Korruption
2.1 Bewertung des Phänomens Korruption
2.1.1 Ökonomischer Definitionsansatz
2.1.2 Soziologischer Definitionsansatz
2.1.3 Politologischer Definitionsansatz
2.1.4 Juristischer Definitionsansatz
2.1.5 Moraltheologischer Definitionsansatz
2.1.6 Ethischer Definitionsansatz unter dem Gesichtspunkt der Staatsräson
2.2 Zusammenfassung der Begrifflichkeit Korruption
3 Ökonomische Erkenntnisse der Korruption
3.1 Ausmaß und Schäden von Korruption als Element der Wirtschaftkriminalität in Deutschland
3.2 Ansätze der Korruptionsempirie
3.2.1 Datenanalyse polizeilicher Kriminalstatistik
3.2.2 Verständnis von Transparency International
3.2.2.1 Berechnungsansätze des Corruption Perception Index
3.2.2.2 Ergebnisse und Trends der CPI Analyse 2006
3.2.2.3 Ergänzung des CPI: Der Bribe Payers Index
3.3 Ökonomische Empirie von Korruption
3.3.1 Korruption und Bruttoinlandsprodukt
3.3.2 Dilemmasituation der Korruption
3.3.3 Statische Korruptionsspieltheorie
3.3.4 Zusammenfassung
4 Straftaten gegen den freien Wettbewerb
4.1 Strafbarkeit von Korruption in Deutschland
4.2 Korruptionshandlungen im privaten Sektor
4.3 Wettbewerbsbeschränkende Absprachen bei Ausschreibungen
4.3.1 Begriff der Submission
4.3.2 Zweckmäßigkeit von Submissionsverfahren
4.3.3 Beschreibung und Handlungsansatz der Submissionskartelle
4.3.4 Geschütztes Rechtsgut des § 298 StGB
4.3.5 Tatbestand des § 298 StGB
4.3.6 Eingriffnahme von Submissionsverfahren
4.3.7 Zusammenfassung
4.4 Bestechlichkeit und Bestechung im geschäftlichen Verkehr
4.4.1 Geschütztes Rechtsgut des § 299 StGB
4.4.2 Definierte Täterkreise
4.4.3 Tatbestände des § 299 Abs. 1 StGB
4.4.3.1 Handeln im geschäftlichen Verkehr
4.4.3.2 Vorteilhaftigkeit und Sozialadäquanz
4.4.3.3 Eigentliche Handlung
4.4.3.4 Bevorzugung
4.4.3.5 Unlauterbarkeit
4.4.3.6 Vollendung
4.4.4 Tatbestände des § 299 Abs. 2 StGB
4.4.4.1 Handeln im geschäftlichen Verkehr
4.4.4.2 Tathandlung zum Zweck des Wettbewerbs
4.4.4.3 Innergeschäftliche Tathandlung
4.4.4.4 Vollendung
4.4.5 Zusammenfassung
4.5 Wirksamkeit von zivilrechtlichen Rechtsgeschäften
4.5.1 Nichtigkeit nach § 134 BGB
4.5.2 Nichtigkeit nach § 138 Absatz 1 BGB
4.5.3 Nichtigkeit des Hauptvertrages
4.5.4 Ansprüche des Geschädigten
4.5.4.1 Herausgabe des Bestechungsgeldes
4.5.4.2 Schadensersatz gegen den Beauftragten
4.5.4.3 Schadensersatz gegen den Korrumpeur
4.5.5 Zusammenfassung
5 Korruption und Steuerstrafrecht
5.1 Steuerrechtliche Problemstellung
5.2 Steuerliches Grundgesetz
5.2.1 Abgrenzung und Definition der steuerrechtlichen Norm § 40 AO
5.2.2 Auslegung und Zusammenfassung
5.3 Gewinn auf Basis des Einkommenssteuerrechts
5.3.1 Reglementiertes Abzugsverbot für Bestechungs- und Schmiergelder
5.3.2 Zusammenfassung
5.4 Korruption in Tateinheit mit Steuerhinterziehung
5.4.1 Unternehmerische Sphäre: Schmiergelder außerhalb der Buchführung
5.4.2 Unternehmerische Sphäre: Schmiergelder innerhalb der Buchführung
5.5 Private Sphäre: Schmiergelder als sonstige Einkünfte
5.6 Zusammenfassung
B. Besonderer Teil
6 Szenario: Analyse von Theorie und Praxis im Falle eines Korruptionsverdachtes in einem mittelständischen Unternehmen
6.1 Einstiegsszenario
6.2 Ansätze der Strafverfolgungsbehörden
6.2.1 Ansätze der Staatsanwaltschaft
6.2.2 Ansätze der Polizei
6.3 Ansätze Rechtanwälte
6.4 Ansätze Dritter
6.5 Zusammenfassung der Verdachtsansätze
7 Analyse der eigentlichen Korruptionsproblematik
7.1 Gefährdete Abteilungsbereiche und -positionen
7.2 Erkennungsmerkmale der Korruption
7.2.1 Konstellationen des wirtschaftlichen Handelns
7.2.2 Konstellationen des persönlichen Handelns von Mitarbeitern
7.2.3 Analyse von Korruptionsnetzwerken
7.3 Wirkungskraft von Verhaltensrichtlinien
7.4 Die Stellung des Korruptionsbeauftragten
7.5 Einzelanalyse und Fazit zur „gesunden“ Prävention
8 Eigenes Fazit zum Phänomen Korruption und deren Präventionsproblematik
Die vorliegende Arbeit untersucht die ökonomischen, rechtlichen und steuerrechtlichen Rahmenbedingungen von Korruption in Deutschland, um proaktive Präventionsmaßnahmen für mittelständische Unternehmen zu entwickeln und deren Wirksamkeit anhand eines Szenarios zu bewerten.
3.3.2 Dilemmasituation der Korruption
Zur weiteren Bewertung von Korruption und deren Vorteilhaftigkeit einzelner Akteure soll das Prinzip des Gefangenendilemmas benutzt werden. Dieses Dilemmamodell basiert auf der Annahme der Pricipal-Agenten-Theorie, die Erklärungsansätze für die Dilemmasituation beschreibt. Nach dem Prinzip der Theoriebildung grundsätzlich als eine allgemeine und systematische Strukturierung von Objekten und deren Beziehungen innerhalb und außerhalb bestehender Umwelteinflüsse angesehen werden kann. Gleichzeitig können zwischen den Wirtschaftssubjekten Interessenskonflikte und Informationsasymmetrie simuliert werden, um das Modell dynamischer zu gestalten. Die Theorie soll die Auftragsbeziehungen zwischen einem übergeordnetem Prinzipal, der auch als Auftraggeber definiert werden kann und einem ausführendem Agenten, auch Auftragnehmer genannt, beschreiben.
Grundsätzlich ist anzunehmen, dass der Agent über einen Handlungsspielraum verfügt, um Aufträge zu akquirieren und somit seinen eigenen Nutzen zu maximieren. Dies kann auch im Rahmen krimineller Handlungen geschehen und durch den Prinzipal nur bedingt kontrolliert werden. Ein implementiertes System von Sanktionen und Anreizen kann helfen, Entscheidungen des Agenten mit denen des Prinzipals abzugleichen. Um diesen Sachverhalt genauer zu untersuchen, soll eine Auftragsvergabe mittels Dilemmasituation simuliert werden. Grundsätzlich versteht man unter einem Gefangenendilemma ein bekanntes Paradoxon der ökonomischen Spieltheorie. Es kann als Paradoxon beschrieben werden, weil es zu Abweichungen der individuell vernünftigsten und kollektiv besten Entscheidungsvariante kommt. Das Modell bewertet deshalb eine Situation, die eine Vorteilhaftigkeit von individuellen und kollektiven Entscheidungen und deren Ergebnissen klassifiziert.
Gleichzeitig ist das Modell des Gefangenendilemmas beliebt, weil es den Konflikt zwischen Gleichgewicht von Entscheidungen und Effizienzen von Auszahlungsdominanzen verdeutlicht und deshalb auch für das Phänomen Korruption verwendet werden kann. Zum einfacheren Verständnis soll diese Situation mit zwei Unternehmen A und B beschrieben werden.
1 Korruption als Element der Wirtschaftskriminalität: Einführung in das Thema der Wirtschaftskriminalität in Deutschland und erste theoretische Annäherung an das Phänomen der Korruption.
2 Die unterschiedlichen Definitionsformen von Korruption: Umfassende Darstellung multidisziplinärer Definitionsansätze, um eine einheitliche Grundlage für die Arbeit zu schaffen.
3 Ökonomische Erkenntnisse der Korruption: Analyse der Schadensaspekte und empirische Betrachtung durch Indizes sowie spieltheoretische Modellierung des Korruptionsphänomens.
4 Straftaten gegen den freien Wettbewerb: Untersuchung der strafrechtlichen Normen sowie der Auswirkungen auf wettbewerbsbeschränkende Absprachen und zivilrechtliche Folgen.
5 Korruption und Steuerstrafrecht: Betrachtung der steuerrechtlichen Behandlung von Korruptionsgeldern und deren Bedeutung im Rahmen der Steuerhinterziehung.
6 Szenario: Analyse von Theorie und Praxis im Falle eines Korruptionsverdachtes in einem mittelständischen Unternehmen: Untersuchung einer Korruptionsvermutung in einer GmbH durch Einholung von Expertenmeinungen von Strafverfolgern und Anwälten.
7 Analyse der eigentlichen Korruptionsproblematik: Identifikation gefährdeter Bereiche im Unternehmen, Erkennungsmerkmale und Netzwerkanalysen.
8 Eigenes Fazit zum Phänomen Korruption und deren Präventionsproblematik: Zusammenfassende Bewertung der Möglichkeiten der Korruptionsprävention für Unternehmen unter Berücksichtigung rechtlicher und organisatorischer Faktoren.
Korruption, Wirtschaftskriminalität, Wettbewerbsrecht, Strafgesetzbuch, Compliance, Bestechung, Bestechlichkeit, Korruptionsprävention, Spieltheorie, Gefangenendilemma, Steuerstrafrecht, Compliance, Submissionskartelle, Transparenz, Risikomanagement
Die Diplomarbeit untersucht das komplexe Phänomen Korruption unter besonderer Berücksichtigung ihrer Auswirkungen auf den freien Wettbewerb in Deutschland sowie rechtliche und steuerrechtliche Handlungsrahmen.
Die zentralen Felder umfassen die Wirtschaftskriminalität, die Definition und Messbarkeit von Korruption, die strafrechtlichen Aspekte, zivilrechtliche Risiken sowie die Prävention in Unternehmen.
Das Ziel der Arbeit ist es, das Phänomen Korruption fundiert zu erörtern und Theorie sowie Praxis miteinander zu vereinen, insbesondere durch die Bewertung eines Szenarios in einem mittelständischen Unternehmen.
Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre Herangehensweise, die juristische Analysen, ökonomische Spieltheorie (Gefangenendilemma) und empirische Datenanalysen (z.B. CPI) kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in einen allgemeinen Teil zu den theoretischen und rechtlichen Grundlagen (Straf- und Steuerrecht) und einen besonderen Teil mit einer Fallstudie zu einem Korruptionsverdacht in einer GmbH.
Wichtige Begriffe sind Korruption, Bestechung im geschäftlichen Verkehr, Strafgesetzbuch, Wettbewerbsbeschränkungen, steuerliche Abzugsverbote und proaktive Präventionsstrategien.
Die Arbeit beleuchtet die spezifischen Tatbestände für Amtsträger im öffentlichen Dienst sowie die entsprechenden Paragraphen für Angestellte und Beauftragte im geschäftlichen Privatverkehr.
Das Modell dient dazu, das spieltheoretische Paradoxon zu verdeutlichen, bei dem individuelle Anreize für Korruption trotz des kollektiven Schadens (unteroptimales Ergebnis) die dominante Strategie darstellen.
Die Arbeit zeigt auf, wie durch das steuerliche Abzugsverbot von Schmiergeldern sowie eine verstärkte Mitteilungspflicht zwischen Finanzbehörden und Staatsanwaltschaften Korruption indirekt sanktioniert und bekämpft wird.
Mittelständische Unternehmen werden als besonders gefährdet eingestuft, da ihnen oft spezialisierte Compliance-Abteilungen fehlen und die Anonymität sowie fehlende interne Kontrollsysteme korrupte Handlungen begünstigen können.
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