Magisterarbeit, 2005
110 Seiten, Note: 1,5
1. Einleitung
2. Die Wurzeln der skandinavischen Kriminalliteratur
2.1. Sjöwall/Wahlöö: Der Mann, der sich in Luft auflöste
2.2. Sjöwall/Wahlöö: Das Ekel aus Säffle
2.3. Sjöwall/Wahlöö: ‚Schöpfer des Schwedenkrimis’
3. Karin Fossum, Stumme Schreie
3.1. Kurze Inhaltsangabe
3.2. Inhalts- und Strukturanalyse
3.2.1. Figuren und Milieu
3.2.1.1. Konrad Sejer
3.2.1.2. Jacob Skarre
3.2.1.3. Gunder Jomann
3.2.1.4. Poona Bai
3.2.1.5. Gøran Seter
3.2.1.6. Das Dorf Elvestad und seine Bewohner
3.3. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Norwegen. Realer Hintergrund und literarisches Motiv in „Stumme Schreie“
3.4. Das Selbstbild Norwegens – Über die Konstruktion von Wirklichkeit
4. Åke Edwardson, Die Schattenfrau
4.1. Kurze Inhaltsangabe
4.2. Inhalts- und Strukturanalyse
4.2.1. Figuren und Milieu
4.2.1.1. Eric Winter
4.2.1.2. Fredrik Halders
4.2.1.3. Helene und Jenny Andersen
4.2.1.3. Göteborg
4.3. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Schweden. Realer Hintergrund und literarisches Motiv in „Die Schattenfrau“
4.4. Das schwedische Selbstbild
5. Gunnar Staalesen, Im Dunkeln sind alle Wölfe grau
5.1. Kurze Inhaltsangabe
5.2. Inhalts- und Strukturanalyse
5.2.1. Privatdetektiv und Milieu
5.2.1.1. Varg Veum
5.2.1.2. Bergen
5.3. Der Wohlfahrtsstaat in der Krise
5.4. Das norwegische Gesundheitssystem
5.5. Vergangenheitsbewältigung im Krimi: Norwegen unter dem Hakenkreuz
6. Der skandinavische Kriminalroman in der Tradition des sozialen Realismus
7. Der ‚Nordland- Mythos’
8. Ausblick
Die Arbeit untersucht das Phänomen des skandinavischen Kriminalromans, insbesondere inwieweit dieser sozialkritische Themen aufgreift und literarisch verarbeitet, wobei der Fokus auf den Zusammenhängen zwischen gesellschaftlichen Realitäten und deren fiktionaler Umsetzung liegt.
3.2.1.1. Konrad Sejer
Konrad Sejer ist der Protagonist in den Romanen Karin Fossums. Er ist Kommissar im Morddezernat und ein Einzelgänger, beruflich hat er nur engeren Kontakt zu Jakob Skarre: „Er hielt seine Kollegen auf Distanz“63. Sejer wird als ruhig und überlegt konstruiert: „Niemals hatte er etwas Hastiges oder Übereiltes an sich. Und er dachte immer nach, ehe er etwas sagte.“64 Seine äußerliche Erscheinung unterstreicht den Charakter eines ruhigen, aber aufmerksamen Menschen, seine „hohe Gestalt“65 hat ‚Wachturmcharakter’, jemand, der alles überschauen kann, alles überblickt und ordnet, auch seine körperliche Stärke wird von seinen Gegnern wahrgenommen, hier aus der Perspektive Gørans: „Er hatte etwas Leichtes, Unbeschwertes, obwohl er so groß war. Langgliedrig, mit breiten Schultern und scharfen Zügen. ... Ein zäher, ausdauernder Teufel von Mann.“66 Ein sehr korrekter, fast schon emotionsloser oder zumindest seine Emotionen kontrollierender Ermittler mit „... Spannung in seinen Zügen, eine Wachsamkeit in den grauen Augen, die von Ernst, Interesse und Glut zeugte.“67 Fossum schafft einen Kommissar, der in ein fast schon typisches Ermittlermuster skandinavischer Krimis passt. Wortkarg, aber immer bedacht, ein grauer einsamer Wolf mit wenig sozialen Kontakten auf der Jagd nach Verbrechern und dem Bösen schlechthin. So ähnelt er Staalesens Privatdetektiv Varg Veum, Mankells Kommissar Wallander und bis zu einem gewissen Grad auch Åke Edwardsons Kommissar Eric Winter.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in den Boom der skandinavischen Kriminalliteratur in Deutschland ein und formuliert die sozialkritische These des skandinavischen Kriminalromans.
2. Die Wurzeln der skandinavischen Kriminalliteratur: Es wird die Entwicklung der skandinavischen Krimis von den Anfängen bis zu den prägenden Werken von Sjöwall und Wahlöö nachgezeichnet.
3. Karin Fossum, Stumme Schreie: Dieses Kapitel analysiert das Werk "Stumme Schreie" hinsichtlich seiner spezifischen Struktur, der Charakterzeichnung und der impliziten Behandlung gesellschaftlicher Probleme in einer norwegischen Dorfgemeinschaft.
4. Åke Edwardson, Die Schattenfrau: Eine eingehende Untersuchung von Edwardsons Roman, wobei besonders die Darstellung von Göteborg als krimineller Moloch und die komplexe Figur des Eric Winter beleuchtet werden.
5. Gunnar Staalesen, Im Dunkeln sind alle Wölfe grau: Das Kapitel widmet sich dem Privatdetektiv Varg Veum und der kritischen Auseinandersetzung mit norwegischer Geschichte, dem Wohlfahrtsstaat und der Einsamkeit.
6. Der skandinavische Kriminalroman in der Tradition des sozialen Realismus: Hier wird die These gestützt, dass der skandinavische Krimi ein legitimer Nachfolger des realistischen Romans ist und durch seine Struktur eine hohe Realitätsnähe erreicht.
7. Der ‚Nordland- Mythos’: Der letzte inhaltliche Abschnitt analysiert die historische und kulturelle Faszination der deutschen Leser für Skandinavien und deren Einfluss auf den Erfolg der Krimis.
Skandinavischer Kriminalroman, Sozialkritik, Realismus, Sjöwall/Wahlöö, Karin Fossum, Åke Edwardson, Gunnar Staalesen, Nordsehnsucht, Fremdenfeindlichkeit, Wohlfahrtsstaat, Ermittlerfiguren, Literaturanalyse, Soziokrimi.
Die Arbeit analysiert das Phänomen des skandinavischen Kriminalromans und untersucht, inwieweit diese Literatur sozialkritische Themen behandelt und wie sie den Erfolg in Deutschland erzielt.
Zu den zentralen Themen gehören die Sozialkritik im Kriminalroman, die Darstellung gesellschaftlicher Missstände, die Rolle der Ermittlerfiguren sowie die historische und kulturelle Rezeption skandinavischer Literatur in Deutschland.
Das primäre Interesse gilt der Frage, wie skandinavische Krimis sozialkritische Themen literarisch verarbeiten und inwieweit sie als Nachfolger des realistischen Romans betrachtet werden können.
Die Arbeit stützt sich auf literaturwissenschaftliche Analysen, ergänzt durch sozialanthropologische und ethnographische Studien, um den Wahrheitsgehalt der in den Krimis dargestellten gesellschaftlichen Motive zu prüfen.
Der Hauptteil analysiert exemplarisch drei Romane – "Stumme Schreie" von Karin Fossum, "Die Schattenfrau" von Åke Edwardson und "Im Dunkeln sind alle Wölfe grau" von Gunnar Staalesen – hinsichtlich ihres Aufbaus und ihrer Sozialkritik.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Skandinavischer Kriminalroman, Sozialkritik, Realismus, Nordsehnsucht und Gesellschaftskritik charakterisieren.
Die "Nordsehnsucht" beschreibt die historisch gewachsene positive Einstellung deutscher Leser gegenüber Skandinavien, die als ein zentraler Grund für das anhaltende Interesse an dieser Literatur identifiziert wird.
Die Arbeit zeigt, dass die Autoren das Thema Rassismus sehr unterschiedlich behandeln, wobei die Darstellung oft subtil in den Hintergrund der fiktionalen Realität eingebettet ist, ohne dabei explizite politische Forderungen zu stellen.
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