Bachelorarbeit, 2007
77 Seiten, Note: 1,1
1 Einleitung
2 Historische Einordnung – der malaiische Amoklauf
2·1 Ursprung des Begriffs »Amok«
2·2 »Kriegerischer Amok«
2·3 »Individueller Amok«
2·4 Bilanz
2·5 Artverwandte Phänomene
3 »Amok« im Spektrum homizidal-suizidaler Handlungen
3·1 Selbstmordangriff – japanische Kamikazeangriffe
3·1·1 historischer Abriss
3·1·2 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
3·1·3 Bilanz
3·2 Selbstmordattentat – Sprengstoffanschläge im Nahen-Osten
3·2·1 Historischer Abriss
3·2·2 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
3·2·3 Bilanz
3·3· Das Phänomen »Amok« in westlichen Industriestaaten
3·3·1 exemplarische Vorstellung eines Amoklaufes: »Der Amoklauf von Erfurt«
4 »Amok« – Eine Begriffsdefinition
4·1 Merkmale des Amokläufes
4·2 Persönlichkeitsstruktur des Amokläufers
4·3 Zusammenfassung der Begriffsdefinition
5 Dichotomisierung mit Hilfe DURKHEIMscher Termini
5·1 Der Altruistische Amoklauf
5·2 Der egoistisch-anomische Amoklauf
6 Anwendung der Anomietheorie auf das Phänomen »Amok«
6·1 Die Anomietheorie von Robert K. MERTON
6·2 Anwendung auf das Phänomen »Amok«
7 Fazit
8 Anhang
8·1 Karte
8·2 Liste ausgewählter Amokläufe
8·3 Abschiedsbrief von Sebastian Bosse
Die Arbeit untersucht das Phänomen "Amok" bei Jugendlichen in Bildungseinrichtungen durch die Linse soziologischer Theorien. Das primäre Ziel ist es, den Amoklauf als spezielle Form abweichenden Verhaltens zu verstehen, einzuordnen und von anderen homizidal-suizidalen Handlungen abzugrenzen.
·3·3·1· Exemplarische Vorstellung eines Amoklaufes: »Der Amoklauf von Erfurt«79
Robert Steinhäuser betritt am 26.04.2002 gegen 10.50 Uhr (unmaskiert) mit einem Rucksack und einer Sporttasche das Gutenberg-Gymnasium in Erfurt. Im Erdgeschoss, auf dem Weg zur Herrentoilette, trifft er auf den Hausmeister der Schule, den er fragt, ob die Direktorin anwesend sei. Der Hausmeister kann dies nicht bestätigen, und nach einer kurzen Unterhaltung beendet Steinhäuser das Gespräch und betritt die Herrentoilette. Bei sich führt er eine Pistole Glock 17 mit fünf Magazinen (zusätzlich mehr als 300 Schuss), eine Pumpgun Marke Mossberg 590 Mariner mit 162 Patronen, eine Machete, ein Tauchermesser, Pistolenhalter, Ohrstöpsel, ein schwarzes T-Shirt, ein schwarzes Kapuzenshirt, schwarze Schuhe, schwarze Hose, schwarze Handschuhe und eine schwarze Wollmaske. Steinhäuser legt die mitgebrachte Kleidung an, lädt seine Waffe80, zieht die Sturmmaske über und verlässt die Herrentoilette wieder. Zurück lässt er einen Großteil seiner Ausrüstung, möglicherweise hatte er vor, sich bei Bedarf auf der Toilette erneut mit Munition auszurüsten.
1 Einleitung: Vorstellung des Themas, Eingrenzung auf Amokläufe Jugendlicher an Bildungseinrichtungen und Darlegung der methodischen Vorgehensweise.
2 Historische Einordnung – der malaiische Amoklauf: Untersuchung der ursprünglichen, kriegerischen und individuellen Formen des Amoklaufs im malaiischen Archipel.
3 »Amok« im Spektrum homizidal-suizidaler Handlungen: Abgrenzung des modernen Amoklaufs von politisch oder militärisch motivierten Selbstmordangriffen.
4 »Amok« – Eine Begriffsdefinition: Erarbeitung von Merkmalen des Amoklaufs und Analyse der typischen Persönlichkeitsstruktur der Täter.
5 Dichotomisierung mit Hilfe DURKHEIMscher Termini: Einordnung von Amokläufen in die Kategorien altruistischer sowie egoistisch-anomischer Suizid.
6 Anwendung der Anomietheorie auf das Phänomen »Amok«: Analyse der Taten mittels Robert K. Mertons Anomietheorie und Identifikation des "Rebellion"-Typs.
7 Fazit: Zusammenfassende Einordnung des Amoklaufs als Folge gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und fehlender Integration.
Amok, Amoklauf, Jugendkriminalität, Soziologie, Anomietheorie, Durkheim, Merton, Gewalt, Persönlichkeitsstruktur, Bildungseinrichtung, Suizid, Homizidal-suizidale Handlungen, Radikalisierung, Isolation, Rebellion.
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Einordnung von Amokläufen Jugendlicher an Schulen und Universitäten.
Die historische Entwicklung des Amok-Begriffs, der Vergleich mit politisch motivierten Selbstmordattentaten sowie die psychologischen und soziologischen Hintergründe der Täter.
Wie lassen sich Amokläufe Jugendlicher als spezifische Form abweichenden Verhaltens mit Hilfe soziologischer Theorien, insbesondere der Anomietheorie, erklären und klassifizieren?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie eine exemplarische Fallstudie des Amoklaufs von Erfurt, um Theorien von Durkheim und Merton auf das Phänomen anzuwenden.
Der Hauptteil analysiert die Persönlichkeitsstruktur der Täter, die Rolle von Kränkungen und die Bedeutung von Medien sowie soziale Integrationsprobleme.
Neben "Amok" sind dies primär "Anomie", "Desintegration", "Ressentiment" und "Rebellion".
Im Gegensatz zum kulturell "eingeplanten" malaiischen Amoklauf ist der moderne Schulamoklauf in westlichen Gesellschaften durch eine individuelle, oft medienverstärkte Krisenbewältigung und Rebellion geprägt.
Das Internet fungiert als Plattform für Propaganda, Ideologiebildung, Glorifizierung der Tat und ermöglicht es den Tätern, ihre Absichten durch "Leakings" kundzutun.
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