Diplomarbeit, 2007
110 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1. Vorbemerkung
1.2. Die Debatte um den deutschen Sonderweg als Beispiel für Diskussionen um Interpretationen der Epoche des Kaiserreichs
1.3. Warum ist eine heutige Betrachtung der bildungsgeschichtlichen Entwicklung nach wie vor notwendig?
1.4. Aktuelle Forschungslage zur Frage nach der sozialen Mobilität mittels Schulbildung im Kaiserreich
1.5. Aufbau der Arbeit
1.6. Definition verwendeter Begriffe
2. Grundstruktur des Bildungssystems im Kaiserreich
2.1. Vorbemerkung
2.2. Was macht das Bildungssystem aus?
2.3. Die Volkschule
2.4. Das zentrale Problem der Volksschulen, das Mittelschulwesen und die Progymnasien
2.5. Die höheren Schulen
3. Der zyklische Wechsel von Mangel und Überfüllung in akademischen Berufen
3.1. Vorbemerkung
3.2. Das theoretische Modell von Mangel und Überfüllung in akademischen Berufen
3.3. Das Bildungsverhalten im Kaiserreich
3.4. Gab es aufgrund der Überfüllungsphasen Änderungen bei der Studienfachwahl?
3.5. Zusammenfassende Thesen
4. Schließung, soziale Abgrenzung, Chancenunterschiede – Beeinträchtigte Reproduktionsinteressen etablierter Klassen und die Eigendynamik des Bildungssystems
4.1. Vorbemerkungen
4.2. Die Wahrnehmung der Überfüllung als Bedrohung der eigenen Position
4.3. Maßnahmen der Schließung und sozialen Ausgrenzung
4.4. Wirksamkeit der Maßnahmen – War soziale Mobilität im Kaiserreich möglich?
4.5. Zusammenfassende Thesen
5. Der Einfluss der Familie
5.1. Vorbemerkung
5.2. Familie im Zeichen von Struktur – und Funktionswandel
5.3. Welche familialen Faktoren waren für die Realisierung des Aufstiegs notwendig?
6. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht, inwieweit das Bildungssystem im deutschen Kaiserreich von 1871 bis 1914 soziale Mobilität förderte und ob es zu einer leistungsorientierten Gesellschaft beitrug oder privilegierte Klassen schützte. Dabei wird analysiert, wie etablierte Schichten auf den Aufstiegsdrang des Mittelstands reagierten und welchen Einfluss die Familiensozialisation auf die Bildungsbeteiligung ausübte.
1.2. Die Debatte um den deutschen Sonderweg als Beispiel für Diskussionen um Interpretationen der Epoche des Kaiserreichs
„Denn ein unumgänglicher Fluchtpunkt des bilanzierenden Urteils bleibt die Erklärung jenes Absturzes, der die deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert nur sehr wenige Jahre nach dem Untergang des Kaiserreichs in die unverhüllte Barbarei geführt hat. Wer könnte schon die Erklärungsbedürftigkeit dieses Zivilisationsbruchs ernsthaft bestreiten?“
(Hans-Ulrich Wehler in „Deutsche Gesellschaftsgeschichte“, III. Band, S. 1251)
Betrachtet man die Debatte um den deutschen Sonderweg, so muss man bedenken, dass die Interpretationen der Sonderwegsthese sich nach 1945 verändert haben. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs stand die These des deutschen Sonderwegs, unter anderem genährt durch das Bewusstsein um die drei gewonnenen Reichseinigungskriege 1864-1871, für die Erfolgsgeschichte des deutschen Staates mit seiner erfolgreichen Verkopplung von Modernisierung in wirtschaftlicher Hinsicht und Tradition in der Herrschaft. Tradition in der Herrschaft bedeutet in diesem Zusammenhang das Festhalten an alten, absolutistischen Merkmalen wie zum Beispiel der Tatsache, dass die höchsten Ämter bei Militär und Regierung nach wie vor bevorzugt mit Adligen besetzt wurden und deren Besetzung nicht auf demokratischem Wege durch das Parlament erfolgte, sondern der Reichskanzler darüber entschied.
1. Einleitung: Definiert die Fragestellung zur sozialen Mobilität im Kaiserreich und setzt den historischen Kontext in Bezug auf die „Sonderweg“-Debatte.
2. Grundstruktur des Bildungssystems im Kaiserreich: Analysiert die Struktur des mehrgliedrigen Schulwesens und die Bedeutung von Berechtigungen für den Zugang zu Staatsämtern.
3. Der zyklische Wechsel von Mangel und Überfüllung in akademischen Berufen: Untersucht die ökonomischen Zyklen und deren Einfluss auf die Studienfachwahl sowie die Theorie der „doppelten Selektivität“.
4. Schließung, soziale Abgrenzung, Chancenunterschiede – Beeinträchtigte Reproduktionsinteressen etablierter Klassen und die Eigendynamik des Bildungssystems: Erörtert, wie etablierte Eliten versuchten, den Zugang zu akademischen Berufen durch Schließungsstrategien zu begrenzen.
5. Der Einfluss der Familie: Beleuchtet den Strukturwandel der Familie und deren Rolle als zentraler Akteur bei der Bereitstellung von Bildungsressourcen.
6. Zusammenfassung: Fasst die Ergebnisse zur Frage der sozialen Durchlässigkeit und der Notwendigkeit des Aufstiegs im Kaiserreich zusammen.
Kaiserreich, Bildungssystem, Soziale Mobilität, Sonderweg, Überfüllung, akademische Berufe, Bildungsbürgertum, Schließung, Reproduktion, Berechtigungswesen, Leistungsgesellschaft, Familiensozialisation, Bildungsbeteiligung, Schulpolitik, Staatsdienst.
Die Diplomarbeit untersucht die Rolle des Bildungssystems im Kaiserreich zwischen 1871 und 1914 hinsichtlich seiner Funktion als Vehikel für sozialen Aufstieg und Mobilität.
Die Arbeit behandelt die Struktur des Bildungssystems, die zyklische Überfüllung in akademischen Berufen, die Abwehrstrategien etablierter Eliten und den Einfluss der Familie auf den Bildungserfolg.
Es soll geklärt werden, ob das Kaiserreich auf dem Weg zu einer offenen, leistungsorientierten Gesellschaft war oder ob es primär ein System zur Wahrung privilegierter Klassenstrukturen blieb.
Der Autor führt eine bildungshistorische Analyse durch, die auf der Auswertung aktueller Forschungsliteratur und zeitgenössischer Historikerdebatten basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Bildungsstruktur, der Qualifikationskrisen durch Überfüllung in akademischen Berufen und der sozialen Schließungsmechanismen der Eliten.
Wichtige Begriffe sind insbesondere soziale Mobilität, Sonderweg-Debatte, Berechtigungswesen, Bildungsbürgertum und der Prozess der sozialen Schließung.
Das Berechtigungswesen verknüpfte bestimmte Bildungsabschlüsse mit Zugangsrechten zum Staatsdienst, was Bildung zu einem essenziellen Mittel für Aufstieg und Statussicherung machte.
Aufgrund zyklischer Überfüllungsphasen („Qualifikationskrisen“) konnte nach einem langen und teuren Studium oft keine angemessene Anstellung garantiert werden, was besonders Familien der unteren und mittleren Klassen stark belastete.
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