Diplomarbeit, 2007
115 Seiten, Note: 1,5
I. Einleitung
II. Problematisierungen und empirische Dimensionen
1. Begriffe und Diskurslinien
1.1 Missbrauch im juristischen Diskurs
1.2 Kulturhistorische Dimension von Sexualität und Kinderschändung
1.3 Zum feministischen Missbrauchsdiskurs und seiner Kritik
2. Zur Empirie sexuellen Missbrauchs
2.1 Betroffene
2.2 Täter
2.3 Anmerkungen zu den Folgen sexuellen Missbrauchs
3. Zusammenfassung
III. Sexualisierte Gewalt und Kindesmisshandlung
4. Sexualisierte Gewalt – eine kritische Begriffsbestimmung
4.1 Gewalt als physische Handlung
4.2 Sexualisierte Gewalt und Kindesmisshandlung
5. Sexuelle Kindesmisshandlung im familialen Kontext
5.1 Kindesmisshandlung und Familie – Erklärungsversuche
5.1.1 Psychopathologische Modelle
5.1.2 Soziologische Erklärungsmodelle
5.1.3 Sozial-situationale Bedingungen von Misshandlungen
5.2 Familie, Sexualisierung und sexuelle Kindesmisshandlung
5.2.1 Latente Inzestdynamiken
5.2.2 Reale Inzestdynamiken
6. Zusammenfassung
IV. Jugendhilfe und sexuelle Kindesmisshandlung
7. Sozialpädagogisches Handeln und sexuelle Kindesmisshandlung
7.1 Sozialpädagogik und sozialpädagogisches Handeln
7.1.1 Handeln zwischen Hilfe und Kontrolle
7.1.2 Subjektorientierung
7.2 Handlungsorientierung
7.2.1 Adressaten
7.2.2 Kindeswohl oder Kinderrechte
7.2.3 Parteilichkeit
7.3 Zusammenfassung
8. Familienorientierte Hilfen
8.1 Rahmenbedingungen – Hilfen zur Erziehung
8.2 Systemischer Ansatz – Was heißt das?
8.3 Zugänge durch Sozialpädagogische Familienhilfe
8.4 Zugänge durch Familienberatung
8.5 Inobhutnahme – am Beispiel „Kinderwohngruppe“
8.6 Kritische Würdigung familienorientierter Hilfeformen
8.7 Zusammenfassung
9. Parteiliche Beratungsstellen und Wohnprojekte
9.1 Parteiliche Mädchenprojekte und Jugendhilfe
9.2 Zugänge durch parteiliche Beratung
9.2.1 Mädchenberatung
9.2.2 Mütterberatung
9.2.3 Parteiliche Beratung als Zeuginnen- und Prozessbegleitung
9.3 Inobhutnahme – am Beispiel „Zufluchtswohnung“
9.4 Kritische Würdigung parteilicher Beratungsarbeit
9.5 Zusammenfassung
10. Gesamtzusammenfassung
V. Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht das Problem sexueller Grenzverletzungen an Kindern, insbesondere im Kontext von Familie, und analysiert, wie diese Thematik sozialpädagogische Interventionsformen in der Jugendhilfe und im Kinderschutz herausfordert.
1.1 Missbrauch im juristischen Diskurs
Zur Annäherung an die Thematik, die sexuelles Interagieren zwischen Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen problematisiert, weil dieses in den Kontext von Gewalthandlungen gebracht wird, ist eine Beschäftigung mit der Rechtsstruktur und den sie umgebenden juristischen Diskursen unvermeidlich. Gerade weil das Recht gesellschaftliches Handeln normativ strukturieren will, indem das Monopol auf Gewaltausübung einzig den staatlichen Institutionen zugebilligt wird, stellt es sich als besonders interessant heraus, in welcher Weise intergenerative sexuelle Kontakte als erlaubt oder unerlaubt klassifiziert werden.
Das bundesdeutsche Strafgesetzbuch (StGB) regelt mit dem dreizehnten Abschnitt Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Das zu schützende Rechtsgut – die sexuelle Selbstbestimmung – wird als „die Freiheit der Person, über Ort, Zeit, Form und Partner sexueller Betätigung frei zu entscheiden“ (Tröndle/Fischer 2003, S. 1054) interpretiert. Der Gesetzgeber stellt daher unter dem maßgebenden Aspekt des Vorhandenseins sexueller Gewalt (vgl. Menzel/Peters 2003, S. 11ff.), in welcher Form auch immer (z.B. Zuhälterei, Menschenhandel, Nötigung, Vergewaltigung), unterschiedliche Arten des Einwirkens, die eine ungezwungene Selbstentscheidung erheblich erschweren, verhindern oder verunmöglichen, unter Strafe, weil überwiegend davon auszugehen ist, dass eine Grenzverletzung dieses persönlichen Freiheitsraumes einen Angriff auf die personale Würde darstellt, bei dem mit negativen Folgen zu rechnen ist (vgl. Tröndle/Fischer 2003, S. 1054).
I. Einleitung: Diese Einleitung skizziert das Problem sexueller Grenzverletzungen an Kindern im Kontext der Familie und verdeutlicht das theoretische Dilemma bei der Verwendung des Begriffs "sexualisierte Gewalt" im Hinblick auf sozialpädagogische Interventionen.
II. Problematisierungen und empirische Dimensionen: Dieser Abschnitt analysiert juristische, kulturhistorische und feministische Diskurslinien sowie empirische Befunde, um die Problematik der Begriffsbildung "Missbrauch" aufzuzeigen.
III. Sexualisierte Gewalt und Kindesmisshandlung: Kapitel vier und fünf setzen sich kritisch mit Gewaltbegriffen auseinander und untersuchen mittels psychopathologischer, soziologischer und sozial-situationaler Modelle, wie sexuelle Kindesmisshandlung im familialen Kontext entsteht.
IV. Jugendhilfe und sexuelle Kindesmisshandlung: Dieser Teil widmet sich dem sozialpädagogischen Handeln, differenziert zwischen familienorientierten Hilfen und parteilicher Beratung und reflektiert das Dilemma zwischen Hilfe und Kontrolle.
V. Resümee: Das Resümee fasst die Herausforderung für die Jugendhilfe zusammen, eine moderne Dienstleistung zu entwickeln, die Kinder nicht nur stellvertretend schützt, sondern mit ihnen in ihrem Interesse handelt.
Sexuelle Kindesmisshandlung, Sozialpädagogik, Jugendhilfe, Kinderschutz, Sexuelle Gewalt, Missbrauch, Familienorientierte Hilfe, Parteilichkeit, Subjektorientierung, Inzestdynamik, Systemische Beratung, Kindeswohl, Geschlechterverhältnis, Trauma, Pädagogische Professionalität.
Die Arbeit untersucht das Problem sexueller Grenzverletzungen an Kindern, insbesondere im Kontext familialer Beziehungen, und analysiert die daraus resultierenden Anforderungen an sozialpädagogische Interventionsformen.
Die Schwerpunkte liegen auf der kritischen Reflexion der Begriffe "Missbrauch" und "sexuelle Gewalt", der Erforschung von Ursachen und Dynamiken (z.B. Inzest) sowie der Evaluation von Hilfsangeboten in der Jugendhilfe.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sexuelle Kindesmisshandlung als sozialpädagogisches Problem formuliert werden kann und welche professionellen Strategien – etwa familienorientierte oder parteiliche Ansätze – hierfür geeignet sind.
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literatur- und Diskursanalyse, wertet empirische Studien und Kriminalstatistiken aus und integriert Konzepte der Sozialpädagogik, Psychoanalyse und Soziologie.
Der Hauptteil gliedert sich in drei inhaltliche Abschnitte: die theoretische Problematisierung der Begriffe, die soziologische/psychologische Erklärungsmodellierung der Misshandlung sowie die detaillierte Darstellung sozialpädagogischer Handlungskonzepte.
Zentrale Begriffe sind Kindesmisshandlung, Sozialpädagogik, Jugendhilfe, Kinderschutz, Subjektorientierung, Inzestdynamik und das Spannungsfeld zwischen Hilfe und Kontrolle.
Der Autor kritisiert, dass der strafrechtlich geprägte Missbrauchsbegriff oft undifferenziert und skandalisierend wirkt, was eine differenzierte sozialpädagogische Annäherung an die situativen Konfliktlagen in Familien erschwert.
Latente Inzestdynamiken bezeichnen keine direkten sexuellen Akte, sondern eine zugrundeliegende familiale Struktur, in der eine emotionale Vernachlässigung und eine problematische Rollenverteilung herrschen, die das Kind in eine belastende, pseudo-erwachsene Rolle zwingen.
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