Examensarbeit, 2007
117 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Vorüberlegungen – Kollektives Gedächtnis und Erinnerungsdiskurse
2.1. Formen und Aspekte des kollektiven Gedächtnisses
2.1.1. Das kollektive Gedächtnis
2.1.1.1. Das kommunikative Gedächtnis
2.1.1.2 Das kulturelle Gedächtnis
2.2. Öffentliche und familiäre Erinnerungsdiskurse
2.2.1. Öffentliche Vergangenheitsbewältigung
2.2.2. Das Familiengedächtnis
2.2.3. Generationsromane im Kontext von Gedächtnis und Erinnerung
3. Monika Marons Pawels Briefe – Zwischen Erinnerungskampf und Erinnerungsdialog
3.1. Warum jetzt erinnern? – Marons Auslöser des Erinnerungsprozesses
3.2. Visuelles Erinnerungsmedium: die Fotografien
3.3. Orte als familiäres Erinnerungsmedium
3.4. Hella und Monika Maron: Varianten der persönlichen Erinnerung
3.5. Zwischenbilanz – Monika Marons Erinnerungskonzept
4. Stephan Wackwitz´ Ein unsichtbares Land – Zwischen Aversion und Identifikation
4.1. Erste Spuren zur Familiengeschichte – Auslöser des Erinnerungsprozesses
4.2. Familiäre und kulturelle Erinnerungsstrategien
4.2.1. Fichte vs. Schleiermacher & Co.: Zur Bedeutung der kulturellen Archive
4.2.2. Unglaubliche und gespenstische Begebenheiten: Zur Rolle der familiären Archive
4.2.3. Die 68er – Generation: Eine kritische Selbstbefragung
4.3. Zwischenbilanz – Stephan Wackwitz Erinnerungskonzept
5. Schlussbetrachtung: Perspektiven des Erinnerns und Vergessens
Die Arbeit untersucht die literarische Spurensuche in der Familiengeschichte in den Werken "Pawels Briefe" von Monika Maron und "Ein unsichtbares Land" von Stephan Wackwitz. Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, wie die Autoren versuchen, Brüche im kollektiven und familiären Gedächtnis durch literarische Erinnerungsarbeit zu überbrücken und die eigene Identität im Kontext der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts neu zu definieren.
3.1. Warum jetzt erinnern? – Marons Auslöser des Erinnerungsprozesses
„Seit ich beschlossen habe, dieses Buch zu schreiben, frage ich mich, warum jetzt, warum erst jetzt, warum jetzt noch.“ Mit dieser durch Unsicherheit gekennzeichneten Fragestellung beginnt die Geschichte des Großvaters Pawel Iglarz und der Familie Marons. Pawel Iglarz ist keine literarische Erfindung, es hat ihn gegeben, mit diesem Namen und mit seinem tragischen Schicksal. Er war ein zum Baptismus konvertierter Jude polnischer Herkunft, der Anfang des 20. Jahrhunderts mit seiner vom Katholizismus konvertierten Frau Josefa von Polen nach Deutschland emigrierte. In Berlin bauten sich die beiden eine neue Existenz als Schneider auf, was jedoch aufgrund der politischen Umstände nicht von Dauer bleiben sollte. 1938 wurde Pawel nach Polen ausgewiesen, dort im Ghetto Belchatow interniert und aller Wahrscheinlichkeit im Jahre 1942 im Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) von den Nazis ermordet. Josefa folgte ihrem geliebten Ehemann zurück nach Polen, lebte dort in äußerster Armut in der Nähe des Ghettos und starb, ohne ihren Mann noch einmal wieder gesehen zu haben, vor dessen Ermordung an einer unbehandelten Krankheit.
Eine erste Teilantwort auf die eingangs gestellte Frage lautet: „Erinnerungen haben ihre Zeit“. Maron erläutert diese Aussage und ergänzt: „Irgendwann, denken wir, muß ich das genau wissen.“ In diesen beiden Aussagen liegt die Feststellung, dass einige Erinnerungen ihre Zeit brauchen, bevor sie sich zu Erzählungen verdichten können oder nach Erzählungen verlangen. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die zeitliche Distanz zu den Geschehnissen und eben diese hat Monika Maron nun.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der familiären Spurensuche in der Gegenwartsliteratur ein und skizziert die methodische sowie theoretische Herangehensweise der Arbeit.
2. Vorüberlegungen – Kollektives Gedächtnis und Erinnerungsdiskurse: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen zum Verständnis von kollektivem, kommunikativem und kulturellem Gedächtnis sowie deren Bedeutung für Familienerinnerungen dar.
3. Monika Marons Pawels Briefe – Zwischen Erinnerungskampf und Erinnerungsdialog: Das Kapitel analysiert Monika Marons Roman hinsichtlich ihrer persönlichen Suche nach dem jüdischen Großvater und der Auseinandersetzung mit ihrer kommunistischen Mutter.
4. Stephan Wackwitz´ Ein unsichtbares Land – Zwischen Aversion und Identifikation: Hier wird Stephan Wackwitz´ Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit seines Großvaters sowie seine selbstkritische Reflexion als ehemaliger 68er-Aktivist untersucht.
5. Schlussbetrachtung: Perspektiven des Erinnerns und Vergessens: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Einordnung der Ergebnisse und einer Reflexion über das Potential literarischer Erinnerungsdiskurse.
Familiengeschichte, Erinnerung, Vergessen, Gedächtnis, Gegenwartsliteratur, Generationsroman, Nationalsozialismus, Monika Maron, Stephan Wackwitz, kulturelles Gedächtnis, Familiengedächtnis, NS-Vergangenheit, 68er-Bewegung, Identität.
Die Arbeit untersucht, wie deutsche Autoren der nachgeborenen Generation durch Literatur versuchen, Lücken in ihrer Familiengeschichte zu schließen, die durch das Schweigen der Elterngeneration und die Folgen des Nationalsozialismus entstanden sind.
Die zentralen Themen sind das kollektive und familiäre Gedächtnis, der Prozess der Verdrängung und das Spannungsfeld zwischen persönlicher Identitätsfindung und historischer Verantwortung.
Es soll analysiert werden, wie literarische Texte von Maron und Wackwitz als Medien der Erinnerung fungieren und wie sie den Prozess des Erinnerns und Vergessens innerhalb einer Familie reflektieren.
Die Arbeit nutzt kulturwissenschaftliche Gedächtnistheorien (insbesondere von Maurice Halbwachs sowie Jan und Aleida Assmann) zur Analyse der primärliterarischen Werke.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Textanalyse der Romane, wobei insbesondere der Gebrauch von Gedächtnismedien wie Fotografien, Briefen und Orten sowie die Auseinandersetzung mit den Vorfahren im Zentrum stehen.
Familiengeschichte, Erinnerung, Vergessen, NS-Vergangenheit und Generationenroman.
Hella fungiert als Zeitzeugin und Bindeglied zur Vergangenheit, doch ihr euphemistisches Erinnerungsvermögen und ihr kommunistisches Weltbild bilden einen zentralen Konfliktpunkt für Marons Erinnerungsarbeit.
Wackwitz nutzt seine eigene Biografie und seinen politischen Aktivismus, um das Schweigen der Kriegsgeneration und die eigene Faszination für radikale Ideologien kritisch zu hinterfragen und eine Brücke zu seinem Großvater zu schlagen.
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