Diplomarbeit, 2007
85 Seiten, Note: 1,0
Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
1. Einleitung
2. Alexithymie – Theoretischer Hintergrund
2.1 Konstrukt und Herkunft der Alexithymie
2.1.1 Historische Entwicklung
2.1.2 Primäre und Sekundäre Alexithymie
2.1.3 Zum aktuellen Stand der Alexithymieforschung
2.1.4 Kritik am Alexithymie-Konzept
2.2 Entstehungsmodelle der Alexithymie
2.2.1 Neurobiologische Ursachen der Alexithymie
2.2.2 Psychologische Ursachen der Alexithymie
2.2.2.1 Psychoanalytischer Ansatz
2.2.2.2 Kognitionspsychologischer Ansatz
2.3 Klinische Bedeutsamkeit von Alexithymie
2.3.1 Alexithymie bei psychosomatischen Patienten
2.3.1.1 Alexithymie und somatoforme Störungen
2.3.1.2 Alexithymie und Essstörungen
2.3.2 Alexithymie bei psychiatrischen Patienten
2.3.2.1 Alexithymie und Zwangsstörungen
2.3.2.2 Die „alexithyme Persönlichkeitsstörung“
2.4 Psychotherapie und Behandlungsansätze der Alexithymie
2.4.1 Behandlungsansätze primärer und sekundärer Alexithymie
2.4.2 Alexithymie, eine Störung des psychotherapeutischen Prozesses
2.4.3 Aktuelle Überlegungen zur Behandlung der Alexithymie am Beispiel des Zürcher Ressourcenmodells
2.5 Untersuchungsmethoden der Alexithymie
2.5.1 Toronto Alexithymie-Skala-20 (TAS)
2.5.1.2 Testgrundlagen
2.5.1.3 Testverwertung und Evaluation
2.5.1.4 Kritik an der TAS-20
2.5.2 Levels of Emotional Awareness
2.5.3 Beth Israel Questionnaire
2.5.4 Bermond-Vorst Alexithymia Questionnaire (BVAQ)
3. Fragestellung und Hypothesen
4. Methodenteil
4.1 Stichprobenbeschreibung
4.2. Durchführung der Untersuchung
4.3 Methoden der Datenerhebung
4.3.1 SCL-90-R
4.3.2 FPI-R
4.4 Methoden der Datenauswertung
5. Ergebnisse
5.1 Ergebnisse hinsichtlich Alexithymie allgemein
5.2 Ergebnisse hinsichtlich der Ausprägung alexithymer Merkmale bei psychiatrischen und psychosomatischen Patienten
5.3 Ergebnisse hinsichtlich Alexithymie und psychosozialen Belastungen
5.4 Alexithymie und persönliche Rückschläge
6. Diskussion der Ergebnisse
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbreitung und Störungsspezifität von Alexithymie (Gefühlsblindheit) bei psychiatrischen im Vergleich zu psychosomatischen Patienten. Das primäre Ziel ist es zu belegen, dass Alexithymie kein exklusives psychosomatisches Phänomen ist, sondern gleichermaßen in psychiatrischen Patientengruppen auftritt, und dabei Zusammenhänge zu Persönlichkeitsmerkmalen und psychischer Belastung zu analysieren.
2.1.1 Historische Entwicklung
Unabhängig von einander entdeckten in den 60er Jahren sowohl französische als auch amerikanische Wissenschaftler spezifische Merkmale psychosomatischer Patienten. Diese Eigenschaften kennzeichneten sich durch eine eingeschränkte Affektwahrnehmung, Fantasiearmut und eine gestörte Verbalisierung emotionaler Inhalte und wurden von Seiten der französischen Arbeitsgruppe als „operatives Denken“ (pensée operatoire) und von den amerikanischen Autoren als „Alexithymie“ bezeichnet. (Ahrens, 1987). Noch sehr viel früher, bereits 1924, sprach Ferenczi von einem fantasielosen Menschentypos. Ihm fiel auf, dass die meisten psychosomatischen Patienten von affektgeladenen Ereignissen sprachen, ohne jedoch emotionale Reaktionen zu zeigen (von Rad, 1983, zit. nach Schäfer, 2003). Neben Zilboorg (1933), der alexithyme Merkmale als ein Dissoziationsphänomen betrachtete, stellte Fenichel (1945) die Theorie auf, dass ein starker Abwehrvorgang das Wahrnehmen emotionaler Prozesse verhindert. Diese Unfähigkeit Gefühle zu erfassen und auszudrücken führe zu körperlichen Erregungen und letztendlich zu Organschäden (von Rad, 1983; Mitscherlich, 1967, beides zit. nach Schäfer, 2003).
Um 1948 sprach Ruesch von auffallenden Eigenschaften bei psychosomatischen Patienten hinsichtlich ihrer Persönlichkeitsstruktur und ihres Sozialverhaltens, welche auf ein primitives Strukturniveau hinwiesen. In diesem Zusammenhang entdeckte er die „infantile Persönlichkeit“, die sich besonders durch Abhängigkeit und unreife Formen der Konfliktbewältigung kennzeichnet. Nach Ruesch (1948) käme es bei diesen Patienten zu einem Entwicklungsstopp, welcher mit einer herabgesetzten Fähigkeit des symbolischen Selbst-Ausdruckes einhergeht. Folge dieses Defizites sei, dass affektive Spannungszustände durch körperliche Veränderungen in Form eines Symptomes ausgedrückt werden (Ahrens, 1987).
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Phänomen der Alexithymie ein, beschreibt deren klinische Erscheinungsbilder und formuliert die Forschungsfrage hinsichtlich der Prävalenz in verschiedenen Patientengruppen.
2. Alexithymie – Theoretischer Hintergrund: Hier werden die historischen Wurzeln, verschiedene Entstehungsmodelle (neurobiologisch, psychologisch) sowie die klinische Bedeutung der Alexithymie bei psychosomatischen und psychiatrischen Patienten theoretisch fundiert diskutiert.
3. Fragestellung und Hypothesen: In diesem Abschnitt werden die drei zentralen Hypothesen der Untersuchung basierend auf dem theoretischen Hintergrund formuliert.
4. Methodenteil: Dieses Kapitel erläutert das methodische Vorgehen, beschreibt die Stichprobe von 58 Patienten sowie die eingesetzten psychometrischen Testverfahren (TAS-20, SCL-90-R, FPI-R) und deren Auswertung.
5. Ergebnisse: Hier werden die statistischen Ergebnisse der Untersuchung präsentiert, insbesondere die Häufigkeitsverteilung von Alexithymie und die Korrelationen mit Persönlichkeitsmerkmalen sowie psychischer Belastung.
6. Diskussion der Ergebnisse: Das letzte Kapitel reflektiert kritisch die Untersuchungsergebnisse, beleuchtet mögliche Fehlerquellen und bietet einen Ausblick auf notwendige zukünftige Forschungen sowie Implikationen für die therapeutische Praxis.
Alexithymie, Gefühlsblindheit, Psychosomatik, Psychiatrie, Psychische Belastung, TAS-20, SCL-90-R, FPI-R, Persönlichkeitsmerkmale, Trauma, Somatisierung, Zwangsstörung, Essstörungen, Emotionalität, Diagnostik
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Alexithymie (Gefühlsblindheit) und hinterfragt kritisch die Annahme, dass es sich primär um ein psychosomatisches Phänomen handelt, indem sie die Ausprägung bei psychiatrischen Patienten analysiert.
Zentrale Themen sind die theoretische Herleitung der Alexithymie, ihre Entstehungsmodelle, Zusammenhänge mit anderen psychischen Störungen und die Anwendung validierter psychometrischer Testverfahren zur Erfassung des Konstrukts.
Das Ziel ist der Nachweis, dass alexithyme Merkmale nicht nur bei psychosomatischen, sondern ebenfalls bei psychiatrischen Patienten signifikant vorkommen, sowie die Klärung der Korrelationen zu Persönlichkeitseigenschaften.
Die Autoren nutzen eine empirische Untersuchung an einer Stichprobe von 58 Patienten aus drei Kliniken, wobei standardisierte Testverfahren (TAS-20, SCL-90-R, FPI-R) eingesetzt und statistisch mit SPSS ausgewertet wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine ausführliche theoretische Aufarbeitung des Alexithymie-Konzepts sowie in den praktischen Teil, in dem die Datenerhebung, Stichprobenbeschreibung und die statistische Ergebnisauswertung detailliert dargestellt werden.
Wesentliche Begriffe sind Alexithymie, Gefühlsblindheit, Psychosomatik, psychiatrische Patienten, psychometrische Testverfahren, Persönlichkeitsmerkmale und psychische Belastung.
Das ZRM wird als alternativer, vielversprechender Behandlungsansatz vorgestellt, da es darauf abzielt, die Selbststeuerung und den Umgang mit Emotionen zu fördern, ohne die für Alexithyme oft überfordernde verbale Analyse in den Vordergrund zu stellen.
Traumatische Erfahrungen werden als potenzieller Auslöser für sekundäre Alexithymie betrachtet, da das Abspalten von Emotionen als Schutzmechanismus zur Bewältigung solcher Erfahrungen fungieren kann.
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