Magisterarbeit, 2007
99 Seiten, Note: 1,1
1. Einleitung
2. Die Situation der Zeugen Jehovas in Deutschland Forschungsbeispiele aus der Region Südostbayern
2.1. Methodenreflexion, Transkription, Darstellung und Arbeitsthesen
3. Die Risikogesellschaft und der Modernisierungsprozess
3.1. Definition und Kritik des Individualisierungsbegriffs
3.2. Die fabrizierte Unsicherheit
3.3. Freisetzung fester Gewissheiten und normativer Grundsätze
3.4. Zwänge, Bindungen, Kontrollen
3.5. Psychische, soziale und materielle Ressourcen
3.6. Schutz vor Identitäts- und Sinnkrisen
3.6.1. Das gesicherte Identitätsgehäuse der kulturellen Identität
4. Kultur, Kulturzentrismus und Fremdenfeindlichkeit
4.1. Kulturstandards, Werte und kulturelle Vielfalt
4.1.1. Kultur repräsentieren oder die Konstruktion von Kultur
5. Bedingungen einer kulturellen Identität: Wissensbestände und kulturelle Muster. Fallbeispiele aus der Region Südostbayern
5.1. Die „alltägliche Lebenswelt“ von Alfred Schütz
6. Theoretische Grundlegungen kulturzentristischen Verhaltens oder wie generiert sich Fremdenfeindlichkeit
6.1. Zur Funktion der Fremdheitskonstruktion
6.2. Ursachen und Folgen von Fremdenfeindlichkeit
6.2.1. Das Konzept des sozialen Vorurteils und der Stereotypisierung
6.2.1.1. Systematisierung und Strukturierung der Umwelt
6.2.1.1.1. Die Reizklassifikationstheorie und das Minimale Gruppen-Paradigma
6.2.2. Die Theorie der sozialen Identität (SIT)
6.2.2.1. Die Ordnung der sozialen Umwelt
6.2.2.2. Das Bedürfnis nach einem Platz im sozialen System
6.2.2.3. Der instrumentelle Charakter des sozialen Vergleichs
6.2.2.4. Streben nach einer positiven Identität
6.3. Der Versuch eines Resümees aus systemtheoretischer Perspektive und eine erweiterte Sichtweise
6.3.1. Der Terror des „Fremden“ als erweiterte Perspektive
7. Schluss
Die Arbeit untersucht die Entstehung von Fremdheit und Fremdenfeindlichkeit gegenüber Konvertiten religiöser Minderheiten in der modernen Risikogesellschaft. Zentral ist die Frage, wie durch kulturzentristische Reflexe und soziale Vorurteile eine stabile Identität in einer zunehmend komplexen und verunsichernden Umwelt konstruiert wird.
Fallbeispiel: Hildegard Schauer, Brauchtum und Irritation (Ti/05.06.2007)
Hildegard Schauer, 66 Jahre alt, verwitwet seit September 1991. Sie lebt seit 1959 in einer kleinen Gemeinde mit ca. 2200 Einwohnern, in der südostbayerischen Region. Bis 1988 bekannte sie sich zur evangelischen Gemeinde, konvertierte dann, durch den Einfluss ihrer beiden Söhne, zur Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas.
Angegangen ist es durch meine Söhne, die zuerst die Wahrheit (ZJ-umgsprl: verstanden als die „wahre“ biblische Lehrmeinung) kennen gelernt haben, dann haben sie (Freunde, Bekannte) gemerkt, ich würde auch in diese Richtung tendieren und haben das dann ein bisschen belächelt. Krasser war es dann bei meinen Nachbarn, als ich mich das erste Mal darüber unterhielt, wurde ich dann so ein bisschen für verrückt erklärt, die Reaktion war, wie kann ich so was überhaupt machen. Das ist ja eine Sekte und wie könnte ich mich mit so etwas überhaupt beschäftigen. Sie haben mir das dann praktisch ausreden wollen. Die Reaktion von meinen Nachbarn war dann krasser nach dem Tod von meinem Mann. Wir hatten eine sehr herzliche Beziehung zu den Nachbarn und die Feste spielten eine sehr große Rolle, ob es Geburtstage waren oder Weihnachten, wir haben uns gegenseitig eingeladen und das war der Lebensinhalt von meinen Nachbarn. Als sie plötzlich hörten, dass ich mich mit Zeugen Jehovas beschäftigte, wussten sie dann, dass ich an diesen Feiern nicht mehr teilnehmen würde, war das ein tiefer Einschnitt in die Freundschaft.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie religiöse Konversionen zu einer Identitätsherausforderung und zur Konstruktion eines Fremdheitstypus führen.
2. Die Situation der Zeugen Jehovas in Deutschland Forschungsbeispiele aus der Region Südostbayern: Dieses Kapitel skizziert die soziale Situation der Zeugen Jehovas und erläutert die methodische Herangehensweise der qualitativen Fallstudien.
3. Die Risikogesellschaft und der Modernisierungsprozess: Es wird analysiert, wie Individualisierungsprozesse Verunsicherungen erzeugen, die den Wunsch nach stabilen Identitätsgehäusen und kulturellen Standards verstärken.
4. Kultur, Kulturzentrismus und Fremdenfeindlichkeit: Das Kapitel erörtert das komplexe Verständnis von Kultur und wie ein kulturzentristischer Reflex zur Abwertung des Fremden beiträgt.
5. Bedingungen einer kulturellen Identität: Wissensbestände und kulturelle Muster. Fallbeispiele aus der Region Südostbayern: Hier wird anhand von Lebensweltkonzepten untersucht, wie kulturelle Muster die soziale Wahrnehmung und Grenzziehung strukturieren.
6. Theoretische Grundlegungen kulturzentristischen Verhaltens oder wie generiert sich Fremdenfeindlichkeit: Es folgt eine tiefgehende sozialpsychologische Analyse von Vorurteilen, Stereotypen und der Theorie der sozialen Identität als Schutzmechanismen gegen Fremdheit.
7. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass die Fremdheitskonstruktion eine Reaktion auf die Bedrohung vertrauter Weltbilder ist und als Puffer in der Risikogesellschaft dient.
Fremdheit, Kulturzentrismus, soziale Identität, religiöse Konversion, Zeugen Jehovas, Risikogesellschaft, Vorurteile, Stereotypisierung, Lebenswelt, soziale Kategorisierung, Gruppendifferenzierung, interkulturelle Kommunikation, Identitätskrisen, Stigmatisierung, Sozialpsychologie
Die Arbeit reflektiert sozialwissenschaftlich, wie Fremdheit in der modernen Gesellschaft konstruiert wird, insbesondere durch den Prozess der religiösen Konversion.
Zentrale Themen sind die Auswirkungen der Individualisierung auf das Sicherheitsbedürfnis, der soziologische Begriff des Kulturzentrismus und sozialpsychologische Theorien zu Vorurteilen.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie kulturelle Wertorientierungen als "Schutzschilde" fungieren und in einer als riskant wahrgenommenen Umwelt zu einer stigmatisierenden Ausgrenzung von Konvertiten führen.
Der Autor nutzt die qualitative Sozialforschung, insbesondere das problemzentrierte Interview nach Witzel, um Fallbeispiele aus der Region Südostbayern zu analysieren.
Der Hauptteil befasst sich theoretisch mit Modernisierungsprozessen, der Theorie der sozialen Identität von Tajfel und der Terror Management Theorie als Erklärungsansatz für Fremdenfeindlichkeit.
Die wichtigsten Begriffe umfassen Fremdheit, Kulturzentrismus, soziale Identität, Risikogesellschaft und soziale Kategorisierung.
Die Risikogesellschaft erzeugt durch Modernisierungsprozesse Unsicherheit und Desorientierung, was Individuen dazu bewegt, rigide kulturelle Identitäten als stabilisierende Anker zu nutzen.
Das Fallbeispiel verdeutlicht, wie eine aktive gesellschaftliche Integration durch den Akt der Konversion und das Entfernen eines religiösen Symbols ("verbrannter Herrgott") schlagartig in totale soziale Ablehnung umschlagen kann.
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