Masterarbeit, 2007
87 Seiten, Note: 1,0
1. Der Dichter als Prophet einer kollektiven Subjektwerdung
1.1 Philosophischer Einfluss und literaturwissenschaftliche Rezeption
1.1.1 Novalis und Magischer Idealismus
1.1.2 Novalis und Religiöser Irrationalismus
1.1.3 Novalis als dialektische Aufhebung Fichtes
1.1.4 Fichte und Novalis
1.1.5 Novalis und die Postmoderne
1.2 Gefühl und Reflexion bei Novalis
1.3 Ordo inversus – Novalis’ Reflexionsfigur
2. Natur und Bergbau als Spiegel der menschlichen Seele
2.1 Natur und Technik „bearbeiten“ die Seele
2.1.1 Die Darstellung des Bergbaus und der Natur
2.1.2 Das Motiv der weiblichen Natur
2.2 Bekannter Fremder: Der geheimnisvolle Bergmann
3. Poetische Subjekte im Zeichen der Ökonomie
3.1 Konfrontation von Poesie und Ökonomie
3.2. Natur als Tauschwert der Ökonomie
3.3. Kapitalistische Bereicherung und Schätze der Innerlichkeit
3.4 Bergbau und Dichtung im Spannungsfeld poetischer Subjektwerdung
4. Träume als poetische Initiation
4.1 Der Traum von der blauen Blume
4.2 Das Kennenlernen der Geliebten im zweiten Traum
5. Interaktive Kommunikation und Selbstreflexion
5.1 Kommunikatives Handeln als Reifeprozess der Seele
5.2 Die Konstruktion des poetischen Subjekts
5.3 Die Verortung des Subjekts in der Poesie
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie in Novalis’ Roman Heinrich von Ofterdingen eine kommunikative Selbstreflexion als identitätsstiftende Poetisierung des Subjekts ausgestaltet ist. Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine Initiation von innen und außen die mentale Reife des Protagonisten initiiert wird, welche als Grundlage für seine Entwicklung zum Dichter dient.
3.1 Konfrontation von Poesie und Ökonomie
Der Ofterdingen gilt als „… Summe eines ganzen Schaffens …“ in Hinsicht auf Novalis’ philosophisches und poetisches Verständnis. Ein durch die Technik und Neuzeit entstandenes Gefühl der Überlegenheit des Menschen über die Natur ist zu dieser Zeit gerade erst im Anfangsstadium. Novalis legt ganz bewusst die Romanzeit ins Mittelalter zurück. Das Mittelalter wird hier aber nicht historisch richtig und vollständig als gesellschaftliches Ideal dargestellt, sondern erscheint in einer Art „… Dämmerung […] der gerührte[n] Stimmung …“ (S. 21, V. 8f.).
Von Hardenberg stellt damit den Umgang der Gesellschaft mit Natur und Ökonomie in einer Übergangsstimmung dar, die durch die Poesie einen Weg der Vereinigung finden sollten. Dabei schreibt er die Helligkeit dem handelnden Ökonomen, den Abend und die Dämmerung hingegen den Künsten zu. Der junge Heinrich trifft zu Beginn seiner Reise auf die Kaufleute. Sie sind die klaren Stellvertreter der Ökonomie und bringen die helldunkel Lichtmetaphorik selbst zur Sprache: „Je eifriger der Erwerbfleiß die Tage benutzt, desto ausschließlicher ist der Abend den reizenden Vergnügen der schönen Künste und des geselligen Umgangs gewidmet.“ (S. 22, V. 13ff.) Schon hier zeigt sich die Einstellung der Kaufleute gegenüber Poesie und Dichtung. Es ist für sie eine Form der Unterhaltung nach getaner „kaufmännischer“ Arbeit. Denn der Dichter bzw. der geistige Denker ist ihrer Ansicht nach „… viel zu vertieft in der Kunde der überirdischen Welt […], als dass er nach Einsicht und Ansehen in irdischen Dingen …“ (S. 24, V. 18f.) streben könnte.
1. Der Dichter als Prophet einer kollektiven Subjektwerdung: Dieses Kapitel analysiert die philosophischen Grundlagen, insbesondere die Einflüsse von Fichte und die Reflexionsfigur des Ordo inversus, um Novalis' Verständnis des Dichtertums als Medium zur Wiederherstellung eines goldenen Zeitalters zu beleuchten.
2. Natur und Bergbau als Spiegel der menschlichen Seele: Hier wird untersucht, wie Novalis Naturwelten und den Bergbau als zentrale Schlüssel zur Seele des Protagonisten einsetzt und wie diese Motive eine tiefergehende Selbstreflexion ermöglichen.
3. Poetische Subjekte im Zeichen der Ökonomie: Dieses Kapitel behandelt das Spannungsfeld zwischen poetischem Schaffen und kapitalistischem Nützlichkeitsdenken sowie die Versuche des Dichters, ökonomische Gegebenheiten in einen poetischen Gesamtzusammenhang zu integrieren.
4. Träume als poetische Initiation: Der Fokus liegt auf der Funktion von Träumen als Initiationsereignisse, durch die Heinrich seine poetische Bestimmung erkennt und eine Handlungsmotivation entwickelt.
5. Interaktive Kommunikation und Selbstreflexion: Das abschließende Hauptkapitel diskutiert, wie durch die Interaktion mit Mentoren und das Lesen von Texten eine reflexive Selbstfindung stattfindet, die Heinrichs Ausbildung zum Dichter finalisiert.
Novalis, Heinrich von Ofterdingen, Frühromantik, Poetisierung, Subjektwerdung, Selbstreflexion, Magischer Idealismus, Ordo inversus, Bergbauromantik, Kommunikation, Identität, Poesie, Ökonomie, Traum, Transzendentalphilosophie.
Die Arbeit untersucht den Bildungs- und Reifeprozess des Protagonisten Heinrich im Roman Heinrich von Ofterdingen von Novalis, wobei der Fokus auf der kommunikativen Selbstreflexion liegt.
Die zentralen Themen umfassen die Rolle des Dichters, die Poetisierung des Subjekts, die Bedeutung von Natur und Technik, die Wechselwirkung zwischen Ökonomie und Dichtung sowie die psychologische Funktion von Träumen.
Das Ziel ist es, den Weg Heinrichs zum vollendeten Dichter durch die Verbindung von innerer Selbstreflexion und interaktiver Kommunikation im Kontext der frühromantischen Philosophie darzustellen.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse des Primärtextes, ergänzt durch die Einbeziehung zeitgenössischer philosophischer Schriften sowie relevanter literaturwissenschaftlicher Interpretationen.
Der Hauptteil analysiert die philosophischen Einflüsse auf Novalis, die Bedeutung von Natur und Bergbau als Spiegel der Seele, die Poetisierung der Ökonomie, die Funktion der Träume sowie die Rolle der interaktiven Kommunikation für die Identitätsbildung.
Zu den zentralen Begriffen zählen Poesie, Identität, Selbstreflexion, Magischer Idealismus, Ordo inversus und die Poetisierung der Ökonomie.
Der Bergbau fungiert als zentrales Motiv, das einerseits den technologischen Fortschritt und ökonomische Interessen repräsentiert und andererseits als Metapher für den Abstieg in das Innere der Seele und die Entdeckung der „Bergwerke der Seele“ dient.
Die Arbeit verdeutlicht, dass die Sprache als Medium begrenzt ist. Die Poesie dient dazu, diesen Mangel zu überbrücken und den eigentlich unaussprechlichen Sinn oder das „Ungesagte“ zu erfassen, was für die finale Identitätsstiftung des Dichters entscheidend ist.
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