Diplomarbeit, 2006
117 Seiten, Note: sehr gut
Geowissenschaften / Geographie - Kartographie, Geodäsie, Geoinformationswissenschaften
1 Einführung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Problemfelder und Defizite
1.3 Allgemeine Zielsetzung
1.4 Konkrete Zielformulierung
1.4.1 Erstes Hauptziel
1.4.2 Zweites Hauptziel
1.4.3 Relevanz der formulierten Ziele
1.5 Positionierung der Arbeit im Forschungsfeld der Kartographie
1.6 Aufbau und Gliederung
2 Semiotik
2.1 Einführung
2.1.1 Forschungsfeld und Grundbegriffe
2.2 Dyadische Zeichenmodelle
2.3 Triadische Zeichenmodelle
2.4 Dyadische vs. triadische Zeichenmodelle: Vergleich und Auswahl
2.5 Exkurs zur Philosophie von Charles S. Peirce
3 Das semiotische Modell von Charles S. Peirce
3.1 Erste Zeichentrichotomie
3.1.1 Qualizeichen
3.1.2 Sinzeichen
3.1.3 Legizeichen
3.2 Zweite Zeichentrichotomie
3.2.1 Ikon
3.2.2 Index
3.2.3 Symbol
3.3 Dritte Zeichentrichotomie
3.3.1 Rhema (Rheme)
3.3.2 Dicent (Dikent-Zeichen, Dicizeichen)
3.3.3 Argument
3.4 Ikon vs. Index vs. Symbol
4 Kategorisierung
4.1 Diskrete klassische Kategorien
4.2 Kategorienbildung auf Grundlage von Prototypen
4.3 Prototyp und Semiotik
5 Auswahl von Testsignaturen aus einer kartographischen Zeichentypologie
5.1 Grundelemente kartographischer Gestaltung
5.1.1 Grundelemente im 2D-Darstellungsraum
5.1.2 Grundelemente im 3D-Darstellungsraum
5.2 Typologie kartographischer (2D-) Repräsentamen
5.3 Typologie kartographischer Signaturen
5.4 Konkrete Signaturenauswahl zur exemplarischen semiotisch-prototypischen Analyse
6 Empirische Erfassung prototypischer Attribute
6.1 Festlegung des Erhebungsverfahrens
6.2 Auswertung der schriftlichen Antworten
6.2.1 Die Objektkategorien Baum vs. Gebüsch im Rahmen der schriftlichen Beantwortung
6.2.2 Die Objektkategorien Bildstock vs. Marterl im Rahmen der schriftlichen Beantwortung
6.3 Auswertung der graphischen Antworten
6.3.1 Die Objektkategorien Baum vs. Gebüsch im Rahmen der graphischen Beantwortung
6.3.2 Die Objektkategorien Bildstock vs. Marterl im Rahmen der graphischen Beantwortung
6.4 Allgemeine Gestaltungsprinzipien
6.4.1 Allgemeine Gestaltungsprinzipien der Objektkategorien: Baum vs. Gebüsch
6.4.2 Allgemeine Gestaltungsprinzipien der Objektkategorie: Bildstock/Marterl
7 Semiotische Analyse und Bewertung der Testsignaturen
7.1 Vergleichskriterien
7.2 Analyseszenario
7.3 Analyse der Testsignaturen
7.3.1 Baum vs. Gebüsch
7.3.2 Bildstock/Marterl vs. Kreuz
7.4 Allgemeine semiotische Anmerkungen zu den Signaturen der ÖK50
7.5 Überlegungen zur Neugestaltung kartographischer Signaturen
7.6 Kommentar zum Gebrauch der kritisierten Signaturen in der ÖK50 (UTM)
8 Semiotisch begründete Neugestaltung von 3D-Signaturen
8.1 Anmerkungen zur verwendeten Software
8.2 3D-Signaturen für die Objektkategorie Baum
8.2.1 Entwurf zur Objektkategorie Baum (statisch)
8.2.2 Entwurf zur Objektkategorie Baum (animiert)
8.3 3D-Signaturen für die Objektkategorie Gebüsch
8.4 3D-Signaturen für die Objektkategorie Bildstock/Marterl
9 Zusammenfassung und Ausblick
9.1 Resümee zur konkreten Zielformulierung
9.2 Konsequenzen
9.2.1 Implikationen des Referenzobjektes
9.2.2 Implikationen des Interpretanten
9.3.2 Implikationen des Repräsentamens
9.3 Potential der Semiotik für die Kartographie & semiotisches Potential der Kartographie
10 Literatur
Die Arbeit untersucht den Stellenwert dreidimensionaler Repräsentationen in der Kartographie, indem sie eine theoretische Basis für die Gestaltung kartographischer Signaturen entwickelt. Ziel ist es, auf Grundlage der Semiotik nach Charles S. Peirce und der Prototypentheorie, Regeln für eine ikonisch ausgerichtete Gestaltung zu formulieren, die unabhängig von konkreten Publikationsmedien und technologischen Einschränkungen Bestand haben.
1.1 Ausgangssituation
Ich beginne diese Arbeit zum Abschluss meines Studiums mit einer Frage, die mir seit dessen Beginn regelmäßig gestellt wurde und wird. “Was ist Kartographie und was sind die Aufgaben all derer, die sich diesem Studium und dieser Wissenschaft widmen?“ Hierauf ließe sich nun mit einer Reihe von Zitaten antworten, mit welchen seit rund 100 Jahren an einer Positionierung und somit auch Abgrenzung der Kartographie als selbstständiger wissenschaftlicher Disziplin gearbeitet wird und dies ebenso erfolgreich wie unvollendet. Eine chronologisch geordnete Auswahl mag dies verdeutlichen:
„Kartographie ist die Lehre von der Logik, Methodik und Technik der Konstruktion, Herstellung und Ausdeutung von Karten und anderen kartographischen Ausdrucksformen, die geeignet sind, eine räumlich richtige Darstellung von der Wirklichkeit zu erwecken.“ [ARN-1966]
In Bezug auf den anglo-amerikanischen und – in entsprechender Übersetzung – auch auf den hispano-amerikanischen Raum grenzen ROBINSON et al. den Aufgabenbereich der Kartographie im Jahr 1995 ab wie folgt [ROB-1995]:
1. Collecting and selecting the data for mapping
2. Manipulating and generalizing the data, designing and constructing the map
3. Reading or viewing the map
4. Responding to or interpreting the information
Das deutschsprachige Lehrbuch zur Kartographie von HAKE et al. führt seinen gleich lautenden Titel mit folgenden Worten ein:
„Die Kartographie ist ein Fachgebiet, das sich befasst mit dem Sammeln, Verarbeiten, Speichern und Auswerten raumbezogener Information sowie in besonderer Weise mit deren Veranschaulichung durch kartographische Darstellungen.“ [HAK-2002]
Ohne diese Definitionen im Einzelnen diskutieren zu wollen, sei auf eine Konstante hingewiesen, die für die Kartographie konstituierend zu sein scheint: die modellhafte Darstellung raumbezogener Information. Obwohl diese Darstellungen immer schon Kommunikationsfunktionen trugen, wurden sie in der Kartographie erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts explizit als Kommunikationsmittel verstanden, in der Folge mit kommunikations-wissenschaftlichen Erkenntnissen angereichert [FRE-2001] und so an den KartennutzerInnen orientiert.
1 Einführung: Diese Einleitung skizziert den Stellenwert der Kartographie als Wissenschaft und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der theoretischen Basis für kartographische Visualisierungen.
2 Semiotik: Es werden grundlegende Zeichentheorien (insbesondere von Saussure und Peirce) vorgestellt und diskutiert, um die Eignung des triadischen Modells für die kartographische Praxis zu begründen.
3 Das semiotische Modell von Charles S. Peirce: Das Modell von Peirce wird vertieft analysiert und auf die kartographische Signatur angewandt, wobei die ikonische Ikonizität als zentrales Gestaltungsziel abgeleitet wird.
4 Kategorisierung: Die Prototypentheorie wird eingeführt, um zu erklären, wie Kategorien (Objektgruppen) mental repräsentiert werden und welche Rolle dabei typische Merkmale spielen.
5 Auswahl von Testsignaturen aus einer kartographischen Zeichentypologie: Es erfolgt die Auswahl der spezifischen Objektkategorien für die empirische Untersuchung, basierend auf einer Analyse kartographischer Grundelemente.
6 Empirische Erfassung prototypischer Attribute: Dieses Kapitel erläutert das methodische Vorgehen der Befragung (schriftlich und zeichnerisch) zur Erhebung prototypischer Merkmale der gewählten Kategorien.
7 Semiotische Analyse und Bewertung der Testsignaturen: Die Ergebnisse der empirischen Studie werden ausgewertet und die semiotische Qualität bestehender Signaturen der ÖK50 kritisch bewertet.
8 Semiotisch begründete Neugestaltung von 3D-Signaturen: Basierend auf den vorherigen Erkenntnissen werden exemplarische 3D-Signaturen entworfen, die prototypische Eigenschaften ikonisch umsetzen.
9 Zusammenfassung und Ausblick: Die zentralen Ergebnisse werden resümiert und die Bedeutung einer semiotisch-prototypischen Fundierung für zukünftige kartographische Entwicklungen dargelegt.
Kartographie, Semiotik, Charles S. Peirce, Prototypentheorie, Signatur, Ikonizität, 3D-Visualisierung, Kartographische Darstellung, Kategorisierung, cue validity, Modellbildung, Wahrnehmung, Kartenzeichen, Objektkategorie, Visuelle Variablen.
Die Diplomarbeit untersucht das semiotische Fundament kartographischer Zeichen (Signaturen) und entwickelt eine Methode, um diese auf Basis der Prototypentheorie begründet zu gestalten.
Die zentralen Themenfelder umfassen die allgemeine Kartographie, die Semiotik (Zeichentheorie), die Kognitionswissenschaften (Prototypentheorie) und die kartographische 3D-Visualisierung.
Das Ziel ist die semiotische Begründbarkeit kartographischer Zeichen zu formulieren, um davon ausgehend eine Methode zu entwickeln, mit der kartographische Repräsentationen (insbesondere Signaturen) zutreffender und nutzerorientierter gestaltet werden können.
Die Arbeit nutzt einen interdisziplinären Ansatz. Sie verbindet zeichentheoretische Analysen (nach Peirce) mit kognitionspsychologischen Ansätzen (Prototypentheorie) und führt eine empirische Befragung durch, um prototypische Merkmale von Objekten zu ermitteln.
Im Hauptteil erfolgt zunächst die theoretische Herleitung der Gestaltungsprinzipien, gefolgt von einer empirischen Untersuchung (Befragung zu Baum, Gebüsch, Bildstock und Marterl) und der praktischen Anwendung der entwickelten Theorie bei der Gestaltung von 3D-Signaturen.
Die wichtigsten Begriffe sind Kartographie, Semiotik, Ikonizität, Prototypentheorie und die Gestaltung kartographischer Signaturen.
Peirces Modell ist ein triadisches System, das neben dem Zeichenträger auch das Objekt und den Interpretanten berücksichtigt. Es ist offen für verschiedene Medientypen und ermöglicht eine komplexe Analyse der Zeichenbeziehungen, was der Vielfalt kartographischer Ausdrucksformen gerecht wird.
Klassische Ansätze nutzen starre, binäre Definitionen. Die hier gewählte Methode auf Basis der Prototypentheorie erkennt hingegen "Familienähnlichkeiten" und Abstufungen in der Zugehörigkeit, was der realen menschlichen Wahrnehmung und Kategorisierung von Objekten in der Landschaft besser entspricht.
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