Bachelorarbeit, 2007
82 Seiten, Note: 1,7
1. Die gewerbesteuerlichen Hinzurechnungen nach geltender Rechtslage
1.1 Bedeutung und Zielsetzung der Hinzurechnungen gem. § 8 GewStG
1.2. Ausgestaltung der Hinzurechnungen nach geltender Rechtslage
1.2.1 Hinzurechnung von Entgelten für Dauerschulden gem. § 8 Nr.1 GewStG
1.2.2 Hinzurechnung von Miet- und Pachtzinsen gem. § 8 Nr. 7 GewStG
2. Unternehmensgewinne und Steuern im empirischen Überblick
2.1 Unternehmens- und Vermögenseinkommen nach VGR in Deutschland
2.2 Tatsächlich bezahlte Steuern auf das Unternehmens- und Vermögenseinkommen
2.3 Gezahlte Schuldzinsen und Hinzurechnungen in 2001
3. Gesetzentwurf zur Unternehmenssteuerreform 2008
3.1 Motivation der Unternehmenssteuerreform 2008
3.2. Geplante Änderungen der Gewerbesteuer
3.2.1. Geplante Änderungen der gewerbesteuerlichen Hinzurechnungen
3.2.1.1 Strukturelle Änderungen der Hinzurechnungssystematik
3.2.1.2 Modifikation der Hinzurechnungsmerkmale für Schuldzinsen
3.2.1.3 Modifikation der Hinzurechnungsmerkmale für Miet- und Pachtzinsen
3.2.2 Weitere Änderungen der Gewerbesteuer
3.3. Zweck und Ziele der Reformen im Bereich der Gewerbesteuer
3.3.1 Verhinderung des Abflusses von Steuersubstrat
3.3.2 Stärkung der Eigenkapitalstruktur
3.3.3 Verstetigung des Gewerbesteueraufkommens
3.3.4 Erhöhung der Transparenz der Besteuerung
3.4. Gewerbesteuerliche Auswirkungen laut BMF und Bewertung der Folgen der Reform aus Unternehmenssicht
3.4.1 Geschätzte Mehr-/Mindereinahmen im Bereich der Gewerbesteuer
3.4.2 Prognostizierte Entwicklung des Gewerbesteueraufkommens
3.4.3 Bewertung der Unternehmenssteuerreform aus Unternehmenssicht
3.5. Kritik an den Änderungen der Gewerbesteuer
3.5.1 Negative Substanzsteuereffekte durch Ausweitung der Hinzurechnungstatbestände
3.5.2 Verletzung des Äquivalenzprinzips
4. Ökonomische Analyse der Modifizierung der Hinzurechnungsvorschriften
4.1 Analysemethodik und getroffene Annahmen
4.2. Analyse der Ausweitung der Hinzurechnungen anhand von Modellen
4.2.1 Model einer steuervermeidenden Gesellschaft
4.2.2 Modellierung einer kleinen Gesellschaft
4.2.3 Monte-Carlo-Simulation
5. Abschließendes Fazit
Die Arbeit analysiert die ökonomischen Auswirkungen der Ausweitung gewerbesteuerlicher Hinzurechnungen im Rahmen der Unternehmenssteuerreform 2008. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob diese Maßnahmen das Ziel der Bundesregierung – die Verhinderung des Abflusses von Steuersubstrat – erreichen können, oder ob sie zu kontraproduktiven steuerlichen Belastungen führen.
1.1 Bedeutung und Zielsetzung der Hinzurechnungen gem. § 8 GewStG
Die Gewerbesteuer ist gem. § 3 II AO eine Real-, oder auch Objektsteuer. Das bedeutet, sie ist eine Sachsteuer, die auf Gegenständen oder Vorgängen ruht. Im Fall der Gewerbesteuer ist das Objekt, das besteuert werden soll, die Ertragskraft des Gewerbebetriebs. Aus diesem Grund sollen die Person des Gewerbetreibenden und dessen Eigenschaften, die Wahl der Rechtsform (Rechtsformneutralität), die Art der Finanzierung (Finanzierungsneutralität) und die Gewinnverwendung die Gewerbesteuerbelastung nicht beeinflussen.
Die Ertragskraft des Gewerbebetriebs wird somit nur durch den Gewerbeertrag, „[…] – vereinfachend gesprochen – alles das, was der Gewerbebetrieb als solcher, unabhängig von den persönlichen Verhältnissen des Betriebsinhabers einschließlich der von diesem gewählten Finanzierungsformen, objektiv erwirtschaftet hat“, gemessen. Problematisch ist jedoch, dass gem. § 7 GewStG mit dem im Rahmen der Ermittlung des einkommens- oder körperschaftssteuerlichen Gewinns korrigierten Gewinn aus Gewerbebetrieb folglich die Bemessungsgrundlage einer Personensteuer der Ausgangspunkt zur Bestimmung des Gewerbeertrags ist.
Ohne entsprechende Korrekturen hätten oben genannte Faktoren, wie z.B. die Wahl der Rechtsform, Einfluss auf die Gewerbesteuerbelastung und der Objektcharakter der Gewerbesteuer würde verletzt. Aus diesem Grund sind gewerbesteuerliche Modifikationen nötig, damit die Gewerbesteuer eine reine Objektsteuer bleibt. Diese gewerbesteuerlichen Modifikationen sind die Hinzurechnungen gem. § 8 GewStG und die Kürzungen gem. § 9 GewStG, die auf den Gewinn aus Gewerbebetrieb angewendet werden. Durch die Hinzurechnungen wird gewährleistet, dass bestimmte Beträge, die auf Grund einkommens- oder körperschaftssteuerlicher Vorschriften den Gewinn aus Gewerbebetrieb gemindert haben, wieder in den Gewerbeertrag einfließen. Folglich handelt es sich bei Hinzurechnungen dem Grunde nach um ein Abzugsverbot von Ausgaben, die Rahmen der Einkommen- oder Körperschaftsteuer abzugsfähig sind. Mit Hilfe der Kürzungen wird erreicht, dass die Beträge den Gewerbeertrag mindern, die bei der Gewinnermittlung nach EStG oder KStG noch nicht abzugsfähig waren.
1. Die gewerbesteuerlichen Hinzurechnungen nach geltender Rechtslage: Erläutert die theoretischen Grundlagen der Hinzurechnungen als Korrekturinstrument zur Wahrung des Objektcharakters der Gewerbesteuer.
2. Unternehmensgewinne und Steuern im empirischen Überblick: Untersucht die statistische Entwicklung von Unternehmensgewinnen und Steueraufkommen vor der Reform, um Motivationsgründe für den Gesetzgeber aufzuzeigen.
3. Gesetzentwurf zur Unternehmenssteuerreform 2008: Analysiert den Reformvorschlag, die geplanten Änderungen der Hinzurechnungstatbestände und deren angestrebte Ziele aus Sicht des BMF und betroffener Unternehmen.
4. Ökonomische Analyse der Modifizierung der Hinzurechnungsvorschriften: Führt eine modellbasierte Analyse durch, um die praktischen Auswirkungen der Neuregelungen für verschiedene Gesellschaftsformen zu quantifizieren.
5. Abschließendes Fazit: Bewertet die Ergebnisse der Arbeit und zieht den Schluss, dass die Reformziele in der gewählten Form nur teilweise erreicht werden und zu unerwünschten Belastungen führen.
Gewerbesteuer, Hinzurechnung, Unternehmenssteuerreform 2008, Steuersubstrat, Gewinnverschiebung, Objektsteuer, Fremdfinanzierung, Eigenkapitalstruktur, Finanzplan, Kapitalwert, Betriebsausgaben, Steuervermeidung, Gewerbeertrag, Äquivalenzprinzip, Substanzbesteuerung.
Die Arbeit untersucht die ökonomischen Folgen der Ausweitung von gewerbesteuerlichen Hinzurechnungen durch die Unternehmenssteuerreform 2008 in Deutschland.
Die zentralen Felder sind die gewerbesteuerliche Hinzurechnungssystematik, Möglichkeiten der Steuergestaltung durch Unternehmen sowie die Auswirkungen von Reformmaßnahmen auf die Investitionsfähigkeit und Steuerlast von Kapital- und Personengesellschaften.
Das Ziel ist zu analysieren, ob die geplante Ausweitung der Hinzurechnungen effektiv den Abfluss von Steuersubstrat verhindert oder ob sie zu ungewollten, existenzgefährdenden Nebenwirkungen für Unternehmen führt.
Der Autor verwendet eine modellbasierte Analyse mittels vollständiger Finanzpläne sowie eine Monte-Carlo-Simulation, um die steuerlichen Auswirkungen unter unsicheren Rahmenbedingungen zu untersuchen.
Der Hauptteil befasst sich mit der Motivation der Reform, der detaillierten Darstellung der Gesetzesänderungen sowie der ökonomischen Analyse der Auswirkungen für unterschiedliche Gesellschaftsformen (große vs. kleine Gesellschaften).
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Gewerbesteuer, Hinzurechnung, Steuervermeidung, Eigenkapitalfinanzierung und Finanzplanalalyse definieren.
Das Modell zeigt zwar eine Steigerung des Steueraufkommens bei großen Gesellschaften, verdeutlicht aber gleichzeitig, dass die Maßnahmen für kleine Unternehmen, die keine Steuervermeidung betreiben, zu einer existenzbedrohenden Belastung führen.
Der Autor schlussfolgert, dass die Hinzurechnungen in der geplanten Form kein geeignetes Instrument sind, da die negativen Auswirkungen außerhalb des gewünschten Anwendungsbereichs die positiven Effekte bei der Sicherung des Steuersubstrats überwiegen.
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