Diplomarbeit, 2004
186 Seiten, Note: 1,0
1. EINLEITUNG UND HINFÜHRUNG
1.1 THEMENSTELLUNG UND FORSCHUNGSFRAGE
1.2 STAND DER WISSENSCHAFT
1.3 ARBEITSWEISE
1.4 TEXTKRITISCHE HINWEISE
1.5 EINFÜHRUNG
2. HEIMAT: EINE ANNÄHERUNG
2.1 DER HEIMATBEGRIFF
2.1.1 ZUR ETYMOLOGIE DES WORTES „HEIMAT“
2.1.2 BEGRIFFGESCHICHTE – EIN STREIFZUG DURCH LEXIKALISCHE STANDARDWERKE
2.2 HEIMATBEWEGUNG VERSUS REGIONALISMUS
2.3 WURZELN UND ANFÄNGE DER DEUTSCHEN HEIMATBEWEGUNG
2.4 WIE EIN BEGRIFF IN DAS SCHMUTZIGE FAHRWASSER DER NATIONALIDEOLOGIE GERIET – WIE SOLL MAN HEUTE MIT „HEIMAT“ UMGEHEN?
2.5 HEIMAT ALS POLITIKUM
2.6 SUBJEKTIVE ASPEKTE VON HEIMAT
2.6.1 HEIMAT IN DER LITERATUR UND IN DER SPRACHE
2.6.2 HEIMAT IM GLAUBEN UND IN DER RELIGION
2.6.3 HEIMAT ALS „GUTES GEFÜHL“
2.7 DIE BEDEUTUNG VON MYTHEN, VERBINDENDER TRADITION UND BRÄUCHEN UND FESTEN FÜR DIE BINDUNG ZUR HEIMAT
3. HEIMAT: EIN NATURWISSENSCHAFATLICHES THEMA?
3.1 HEIMAT ALS CONDITIO SINE QUA NON?
3.1.1 DIE BEDÜRFNISPYRAMIDE NACH MASLOW
3.2 DER KULTURBEGRIFF
3.3 KULTURÖKOLOGIE: NATUR UND KULTUR IM ZUSAMMENSPIEL
3.3.1 DAS „MÄNGELWESEN“ MENSCH
3.4 ZUM BEGRIFF DER UNIVERSALIE IM ZUSAMMENHANG MIT DER CONDITIO HUMANA
3.4.1 IST DER MENSCHLICHE WILLE FREI?
3.4.2 ANLAGE UND UMWELT
3.5 SESSHAFTIGKEIT: GEBURTSSTUNDE DER TERRITORIALITÄT?
3.6 ERKENNTNISSE SOZIOBIOLOGISCHER UND ETHOLOGISCHER FORSCHUNG IM ZUSAMMENHANG MIT TERRITORIALITÄT
3.7 HEIMATGEFÜHLE: VORAUSSETZUNG IM GEHIRNORGANISCHEN BEREICH
3.8 GERÜCHE UND GESCHMACKSEMPFINDUNGEN ALS AUSLÖSER HEIMATBEZOGENER GEFÜHLE
3.9 PRÄGUNGSVORGÄNGE
3.10 DIE MUTTER-KIND-BINDUNG ALS VORAUSSETZUNG FÜR ANDERE BINDUNGSPROZESSE
4. IDENTITÄT
4.1 WESEN UND FUNKTION VON MODE- ODER PLASTIKWÖRTERN
4.2 DER IDENTITÄTSBEGRIFF
4.3 WIE ENTSTEHT IDENTITÄT?
4.4 DENKEN UND GEDÄCHTNIS ALS GRUNDLAGEN FÜR EIN IDENTITÄTSBEWUSSTSEIN
4.5 PHILOSOPHISCH-THEORETISCHE ÜBERLEGUNGEN
4.6 KONZEPTE AUS DER PSYCHOLOGIE
4.6.1 ERIK H. ERIKSONS ICH-IDENTITÄT: EIN PSYCHOANALYTISCHES KONZEPT
4.6.2 GEORGE H. MEAD: IDENTITÄT ALS GESELLSCHAFTLICHER PROZESS
4.6.3 HEINER KEUPP: IDENTITÄT ALS TÄGLICHE KNOCHENARBEIT
4.7 KOLLEKTIVE IDENTITÄT
4.7.1 DAS „KOLLEKTIVE GEDÄCHTNIS“, DIE „ARCHETYPEN“ UND DAS „KULTURELLE GEDÄCHTNIS“
4.7.2 DIE THEORIE DER SOZIALEN IDENTITÄT
4.7.3 EIN STREIFLICHT AUF DIE VÖLKERPSYCHOLOGIE („PSYCHISCHE ETHNOLOGIE“)
4.7.4 DER VÖLKERGEDANKE BEI ADOLF BASTIAN (HINWEISE)
4.7.5 DAS HABITUSKONZEPT VON BOURDIEU
4.8 POLITISCHE ASPEKTE VON IDENTITÄT
4.8.1 IDENTITÄTSPOLITIK UND ETHNIZITÄT
4.8.2 ABSCHIEDSGRÜSSE AN DEN NATIONALSTAAT – DER NATIONALISMUS VERWELKT DENNOCH NICHT
4.8.3 DIE EUROPÄISCHE IDENTITÄT
5. HEIMAT UND IDENTITÄT IM VERHÄLTNIS ZUM FREMDEN
5.1 GLOBALISIERUNG
5.2 HOMO HOMINI LUPUS?
5.3 DIE FREMDWAHRNEHMUNG
5.4 SHIFTING-IDENTITY
6. SYNOPSE: HEIMAT UND IDENTITÄT
7. SCHLUSSBEMERKUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielschichtigen und oft inflationär verwendeten Begriffe „Heimat“ und „Identität“, um deren theoretische Grundlagen zu ergründen und die komplexe, brisante Frage zu beleuchten, ob und in welcher Weise diese beiden Begriffe in ein logisches oder politisches Relationalverhältnis zueinander gesetzt werden können.
2.1 Der Heimatbegriff
„Heimat“ ist einer jener Begriffe, die sich besonders schwer definieren lassen. Der Grund mag wohl darin liegen, dass es sich um einen Begriff handelt, mit dem die Menschen entsprechend ihrer individuellen Erfahrungen unterschiedliche Gefühle verbinden – kurz die individuell-emotionale Komponente des Begriffs ermöglicht keine allgemein gültige Definition (vgl. Mertens 2001: 43). Die begriffliche Bedeutung des Wortes für den Einzelnen scheint sich aus der spezifisch, individuell-biographischen Situation zu ergeben, die Vorstellungen von Heimat sind daher interindividuell, aber auch intraindividuell verschieden und veränderlich, sie werden geprägt durch Landschaft, Sprache, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, vor allem aber auch durch die individuelle Befindlichkeit.
Man könnte somit sagen, „Heimat“ kann nicht nur neu gefunden sondern auch immer wieder neu erfunden werden. Das Definitionsproblem ersparen sich viele politische Lexika und Handbücher, indem sie das Wort erst gar nicht aufnehmen (ebd.).
1. EINLEITUNG UND HINFÜHRUNG: Diese Einleitung führt in die Themenstellung ein, skizziert den Forschungsstand und erläutert die interdisziplinäre methodische Vorgehensweise der Arbeit.
2. HEIMAT: EINE ANNÄHERUNG: Dieses Kapitel widmet sich der etymologischen und begriffsgeschichtlichen Herleitung von „Heimat“ und beleuchtet die historische Entwicklung sowie die politische Instrumentalisierung des Begriffs.
3. HEIMAT: EIN NATURWISSENSCHAFATLICHES THEMA?: Hier wird untersucht, ob Heimatgefühle und Territorialität auf biologischen Grundlagen basieren, unter Einbeziehung von Soziobiologie, Ethologie und Anthropologie.
4. IDENTITÄT: Dieser Abschnitt analysiert das theoretische Konzept der Identität, von philosophischen Grundlagen über psychologische Konzepte bis hin zu modernen identitätspolitischen Aspekten.
5. HEIMAT UND IDENTITÄT IM VERHÄLTNIS ZUM FREMDEN: Dieses Kapitel verknüpft beide Konstrukte und analysiert, wie sie in Relation zur Alterität, zur Globalisierung und zur Fremdwahrnehmung stehen.
6. SYNOPSE: HEIMAT UND IDENTITÄT: Die Synopse führt die zuvor behandelten Fäden zusammen, um Schnittstellen zwischen Heimat und Identität aufzuzeigen und die zentrale Forschungsfrage kritisch zu reflektieren.
7. SCHLUSSBEMERKUNG: Abschließend wird resümiert, dass eine apodiktische Antwort auf die Forschungsfrage nicht möglich ist, sondern ein behutsamer Umgang mit den Begriffen gefordert ist.
Heimat, Identität, Interdisziplinarität, Soziobiologie, Ethologie, Territorialität, Globalisierung, Ethnizität, kollektives Gedächtnis, conditio humana, Kulturökologie, Migrationsströme, Fremdwahrnehmung, nationale Identität, Identitätspolitik.
Die Arbeit untersucht die komplexen und „phantomhaften“ Begriffe „Heimat“ und „Identität“, wobei sie versucht, deren Bedeutungsvielfalt durch eine interdisziplinäre Herangehensweise zu strukturieren und kritisch zu durchleuchten.
Die zentralen Felder umfassen die Begriffsgeschichte von Heimat, die naturwissenschaftlichen Grundlagen territorialen Verhaltens, verschiedene Identitätstheorien (psychologisch und soziologisch) sowie das Spannungsfeld zwischen Identität, Heimat und dem Fremden.
Das Ziel ist es, die politisch brisante Frage zu erörtern, ob und wie die Begriffe Heimat und Identität in ein logisches oder deckungsgleiches Verhältnis zueinander gebracht werden können.
Es handelt sich um eine interdisziplinäre Theoriearbeit, die Erkenntnisse aus Ethnologie, Volkskunde, Philosophie, Anthropologie, Human- und Soziobiologie, Ethologie, Soziologie, Psychologie, Geschichte, Politikwissenschaft und Theologie miteinander verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in Abschnitte über die Annäherung an Heimat, die Frage ihrer biologischen Fundierung (Territorialität), Konzepte der Identität sowie deren Beziehung zueinander im Kontext der Fremderfahrung und Globalisierung.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Heimat, Identität, Territorialität, conditio humana, Globalisierung, kollektives Gedächtnis und Ethnizität.
Der Autor beleuchtet die stammesgeschichtliche Herkunft des Menschen, um zu erörtern, ob territoriales Verhalten bereits in unseren biologischen Anlagen (prähistorische Jäger- und Sammlerkulturen) verwurzelt ist oder ein erworbenes Kulturprodukt darstellt.
Er warnt ausdrücklich vor der Instrumentalisierung kollektiver Identität zu exkludierenden, nationalistischen oder gewaltsamen Zwecken und fordert einen reflektierten, kritischen Umgang mit solchen Konstrukten.
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