Magisterarbeit, 1999
100 Seiten, Note: 2,0
1. Vorwort
1.1 Einleitung
1.2 Methode
I. Politikformulierung
2. Agenda-Setting (und Zieldefinition)
2.1 Personen der Wissenschaft und deren Thesen
2.1.1 Haeckel
2.1.2 Schallmayer
2.1.3 Ploetz
2.1.4 Binding & Hoche
2.2 Das nationalsozialistische Menschenbild und dessen Rezeption der Ras senhygiene
2.2.1 Hitler – Mein Kampf
2.2.2 Alfred Rosenberg
2.3 Reaktion auf die rassenhygienischen Forderungen
- Juristen
- Mediziner
- Kirche
- Bevölkerung
2.4 Resümee : Welche Personen und Gruppen waren die Hauptakteure beim Agenda – Setting ?
3. Programmformulierung
3.1 Gesetzesentwürfe vor 1933
3.2 Strukturelle Einflußfaktoren im Dritten Reich
3.3 Wechselwirkungen zwischen Psychiatrie und Rassenhygiene
3.4 Resümee: Welche Personen und Gruppen waren die Hauptakteure der Programmformulierung?
II. Implementation
4. Durchführung
4.1 Die Durchführung der Verbrechen an den Kranken
4.1.1 Der neue Alltag in der Psychiatrie
4.1.2 Zwangssterilisation
4.1.3 Kindereuthanasie
4.1.4 AktionT4
4.1.5 Sonderaktionen und „wilde Euthanasie“
4.1.6 Reaktionen und Widerstand
4.2. Resümee: Welche Personen und Gruppen waren Hauptakteure bei der Planung und Durchführung der Verbrechen an psychisch Kranken?
III Output
5. Nach 1945
5.1 Das Output der NS-Programme
5.2 Strafen und Konsequenzen
5.3 Entschädigungen
5.4 Psychiatrie in der BRD zwischen 1945 und heute
6. Fazit
6.1 Zusammenfassung und Bewertung
6.2 Ausblick
Die Arbeit untersucht auf Basis einer akteurszentrierten Policy-Analyse den Prozess der Psychiatrie im Nationalsozialismus von der theoretischen Fundierung durch Rassenhygieniker bis hin zur praktischen Umsetzung der Krankenmorde. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, welche sozialen und politischen Gruppen sowie Einzelpersonen die verschiedenen Schritte initiierten und ausführten, wobei die Autorin die These vertritt, dass Wissenschaftler hierbei die treibende Kraft waren.
2.1.4 Binding und Hoche
Im Jahre 1920 veröffentlichten Alfred Hoche, Freiburger Ordinarius für Neuropathologie, und der Leipziger Strafrechtslehrer Karl Binding ein nur 62 Seiten schmales Büchlein mit dem Titel “Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens”, das in den folgenden Jahren der Diskussion um die Tötung Kranker anheizte und radikalisierte.
Binding geht in dieser Abhandlung von dem rechtspositivistischen Ansatz aus, das alle Rechtsgüter - auch das Leben - von ihrem Wert für die Gemeinschaft abhängig gemacht werden (vgl. Schmuhl 1991, 115). Nach dieser Annahme kann der Wert eines menschlichen Lebens in bestimmten Fällen so gering werden, daß es keinen Rechtsbruch mehr darstellt, dieses Leben zu beenden. Zwar steht bei Binding der individuelle Wert eines Lebens noch über dem für die Gemeinschaft – dies gilt auch für „die kränksten und gequältesten und nutzlosesten Menschen“ (Binding/Hoche 1920 S. 28) - doch lasse sich das Töten eines unheilbar Kranken durch Mitleid mit dessen Schicksal rechtfertigen. “Unser Mitleiden steigert sich über sein richtiges Maß hinaus bis zur Grausamkeit. Dem Unheilbaren, der den Tod ersehnt, nicht die Erlösung durch den sanften Tod zu gönnen, das ist kein Mitleid, das ist sein Gegenteil.” (Binding/Hoche 1920, S.41).
1. Vorwort: Einführende Darlegung der Relevanz einer Aufarbeitung der Psychiatrie im Nationalsozialismus und der methodischen Herangehensweise.
2. Agenda-Setting (und Zieldefinition): Analyse der wissenschaftlichen Vorläufer des Rassenwahns und der Bedeutung von Sozialdarwinismus und Rassenhygiene im Kaiserreich und der Weimarer Republik.
3. Programmformulierung: Untersuchung der politischen Einbettung rassenhygienischer Konzepte in staatliche Strukturen vor und nach der Machtübernahme 1933.
4. Durchführung: Detaillierte Betrachtung der praktischen Implementierung von Zwangssterilisation und der verschiedenen Phasen der Euthanasie-Programme, einschließlich der Kindereuthanasie und Aktion T4.
5. Nach 1945: Reflexion über die Nachwirkungen, die Aufarbeitung in der BRD, Entschädigungsfragen und die Situation der Psychiatrie nach 1945.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Rolle von Akteuren und die Bedeutung der Policy-Analyse für das Verständnis der Verbrechen.
Psychiatrie, Nationalsozialismus, Rassenhygiene, Euthanasie, Zwangssterilisation, Sozialdarwinismus, Policy-Analyse, Krankenmorde, Medizingeschichte, Aktion T4, Eugenik, Verantwortung, Wissenschaft, Politikformulierung.
Die Magisterarbeit untersucht aus politikwissenschaftlicher Perspektive, wie und durch wen die Verbrechen an psychisch Kranken im Nationalsozialismus geplant und umgesetzt wurden.
Die Arbeit fokussiert sich auf die Rolle der Rassenhygiene, die Rolle der medizinischen Fachkreise, politische Entscheidungsstrukturen im NS-Staat und die Kontinuität der Euthanasie-Ideologie.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Krankenmorde nicht allein von den Nationalsozialisten initiiert wurden, sondern tief in wissenschaftlichen, insbesondere medizinischen Diskursen der vorangegangenen Jahrzehnte verwurzelt waren.
Die Autorin nutzt das Modell der "Policy-Analyse" (Policy-Cycle), um die verschiedenen Stadien von Agenda-Setting, Programmformulierung und Implementierung systematisch zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Phasen der Politikformulierung, in der die theoretischen Grundlagen analysiert werden, und die Phase der Implementation, die die konkreten Mordaktionen und Zwangsmaßnahmen umfasst.
Psychiatrie, Rassenhygiene, Euthanasie, Zwangssterilisation, Sozialdarwinismus, Policy-Analyse und Krankenmorde sind die zentralen Begriffe der Untersuchung.
Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass Ärzte und Psychiater keine bloßen Befehlsempfänger waren, sondern maßgebliche Vordenker und Vollstrecker, die das Rassenhygiene-Paradigma als wissenschaftlich notwendig begründeten.
Ja, die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Notwendigkeit, auch heute wachsam gegenüber biologistischen Denkmustern zu sein, und bewertet kritisch die Ansätze der modernen Humangenetik.
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