Diplomarbeit, 2003
124 Seiten, Note: 1,5
Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Trichotillomanie
2.1.1 Historischer Überblick
2.1.2 Klassifikation
2.1.3 Beschreibung der Symptomatik
2.1.4 Laborbefunde
2.1.5 Körperliche Untersuchungsbefunde
2.1.6 Störungsbeginn und Verlauf
2.1.7 Soziale Beeinträchtigung
2.1.8 Prävalenz
2.1.9 Komorbidität
2.1.10 Familienprävalenz
2.1.11 Neurobiologie
2.1.11.1 Neurotransmitter
2.1.11.2 Neuropathologie
2.1.11.3 Neuropsychologie
2.1.12 Pharmakologie
2.1.13 Differentialdiagnosen
2.2 Impulsivität
2.2.1 Historischer Überblick
2.2.2 Störungen der Impulskontrolle bei psychiatrischen Erkrankungen
2.2.3 Impulsivität und Antrieb
2.2.4 Impulsivität und Kognition
2.2.5 Impulsivität und Affektregulation
2.2.6 Zusammenfassendes Modell der Impulsivität
2.3 Obsessive- Compulsive- Spectrum Disorders
2.3.1 Vergleich von Trichotillomanie (TTM) und Zwangsstörungen (OCD)
3 Fragestellungen
4 Methoden
4.1 Auswahl der Stichproben
4.2 Beschreibung der Stichproben
4.2.1 Altersstruktur
4.2.2 Alter bei Beginn- und Dauer der Erkrankung
4.2.3 Familienstand
4.2.4 Anzahl der Kinder
4.2.5 Schulabschluss
4.2.6 Berufsgruppen
4.3 Operationalisierung
4.3.1 Unabhängige Variablen
4.3.1.1 DSM- IV Diagnosekriterien
4.3.1.2 Psychiatric Institute Trichotillomania Scale (PITS)
4.3.2 Abhängige Variablen
4.3.2.1 Barratt Impulsiveness Scale- 10 (BIS- 10)
4.3.2.2 Matching Familiar Figure Test (MFFT)
4.3.2.3 Hamburger Zwangsinventar- Kurzform (HZI- K)
4.3.2.4 Frankfurter Aufmerksamkeits- Inventar (FAIR)
4.3.3 Kontrollvariablen
4.3.3.1 Demographischer Fragebogen
4.3.3.2 Beck Depressions Inventar (BDI)
4.3.3.3 Trail Making Test (TMT)
4.3.3.4 Mehrfachwahl Wortschatz Test- B (MWT- B)
4.4 Versuchsdesign
4.4.1 Versuchsplan
4.4.2 Fallzahlen
4.4.3 Zielstellungen
4.4.4 Hypothesen
4.4.4.1 Hypothesen zu den Gruppenunterschieden
4.4.4.2 Hypothesen zum Schweregrad der Trichotillomanie
4.4.4.3 Hypothesen zu den Konstruktzusammenhängen
4.4.5 Datenauswertung
5 Ergebnisse
5.1 Auswertung der Erhebungsinstrumente
5.1.1 Unabhängige Variablen
5.1.1.1 DSM- IV Diagnose Check (beide Gruppen)
5.1.1.2 PITS (Psychiatric Institute Trichotillomania Scale)
5.1.2 Abhängige Variablen
5.1.2.1 BIS- 10 (Barratt Impulsiveness Scale- 10)
5.1.2.2 MFFT (Matching Familiar Figure Test)
5.1.2.3 HZI- K (Hamburger Zwangsinventar- Kurzform)
5.1.2.4 FAIR (Frankfurter Aufmerksamkeits Inventar)
5.1.3 Kontrollvariablen
5.1.3.1 BDI (Beck Depressions Inventar)
5.1.3.2 TMT (Trail Making Test)
5.1.3.3 MWT- B (Mehrfachwahl Wortschatz Test- B)
5.2 Übergreifende Datenanalyse
5.2.1 Der Schweregrad der Trichotillomanie und andere Konstrukte
5.2.1.1 Schweregrad der Trichotillomanie und Impulsivität
5.2.1.2 Schweregrad der Trichotillomanie und kognitiver Arbeitsstil
5.2.1.3 Schweregrad der Trichotillomanie und Zwanghaftigkeit
5.2.1.4 Schweregrad der Trichotillomanie und Aufmerksamkeit
5.2.2 Andere Konstruktzusammenhänge
5.2.2.1 Zwanghaftigkeit und Impulsivität
5.2.2.2 Zwanghaftigkeit und kognitiver Arbeitsstil
5.2.2.3 Zwanghaftigkeit und Aufmerksamkeit
5.2.2.4 Impulsivität und Aufmerksamkeit
5.2.2.5 Impulsivität und kognitiver Arbeitsstil
5.2.2.6 Aufmerksamkeit und kognitiver Arbeitsstil
6 Diskussion
7 Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht die Trichotillomanie als eine mögliche Impulskontrollstörung im Vergleich zu Zwangsspektrumsstörungen, mit einem besonderen Fokus auf die Zusammenhänge zwischen Impulsivität, kognitivem Arbeitsstil, Zwanghaftigkeit und Aufmerksamkeit bei betroffenen Patienten im Vergleich zu einer gesunden Kontrollgruppe.
2.1.1 Historischer Überblick
Den Begriff der Trichotillomanie (TTM) prägte 1889 der französische Dermatologe Hallopeau, indem er die griechischen Wörter trich (Haar), tillo (die Bewegung des Herausziehens) und mania (Vorliebe für bestimmte Objekte) zu einem neuen Begriff zusammensetzte. Er beschrieb damit das Verhalten eines jungen Mannes, welcher sich büschelweise Haare an allen behaarten Stellen seines Körpers ausriss (zitiert nach Dielmann, 1969). Auslöser sei dabei ein Juckreiz, der bei diesen Patienten zu einer Psychose mit Zwangsvorstellungen führe, die sie zum Ausreißen zwängen. Zu den von Hallopeau beschriebenen charakteristischen Merkmalen zählten:
a) Hautjucken am ganzen Körper,
b) eine Art wahnsinniger Druck, der den Patienten dazu bringe sich die Haare mit dem Zweck der Erleichterung auszureißen,
c) kein krankhaftes Erscheinungsbild von Haut und Haaren sowie
d) eine Chronifizierung der Erkrankung (zitiert nach Christenson & Mackenzie, 1994a).
Galewsky (1928; zitiert nach Asam & Träger, 1973) beschreibt die Erkrankung als anormalen Trieb anscheinend gesunder Individuen, sich mit Gewalt die Haare ihres Körpers auszureißen. Besonders Kopfhaare, Augenbrauen, Wimpern, Bart und in seltenen Fällen auch Schamhaare, seien davon betroffen. Je nach der pathologischen Einstellung des Patienten erfolge dieses wahllos oder ähnlich wie bei der Alopecia areata fleckenweise. Für den Dermatologen Schwarzkopf (1931) stellt die Trichotillomanie (TTM) ähnlich dem Daumenlutschen eine motorische Entspannungsreaktion dar, wobei vor allem Impulse im Ermüdungszustand zum Auszupfen der Haare führen (zitiert nach Otto & Rambach, 1964). Homburger (1926) betrachtet das Haareausreißen wie auch das Daumenlutschen als mögliche frühkindliche Normalerscheinungen. Er ordnet das Verhalten den schlechten Gewohnheiten zu, durch die u.a. starke Affekte abreagiert würden.
1 Einleitung: Diese Einleitung skizziert die historische Betrachtung der Trichotillomanie, deren Klassifikationsproblematik und die Einordnung als mögliche Zwangsspektrumsstörung, welche den Ausgangspunkt für die vorliegende Untersuchung bildet.
2 Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel liefert eine fundierte Übersicht über das Krankheitsbild, die Konzepte der Impulsivität und die theoretische Fundierung von Zwangsspektrumsstörungen, um die empirische Fragestellung theoretisch zu verorten.
3 Fragestellungen: Basierend auf dem theoretischen Rahmen werden hier die zentralen Forschungsfragen formuliert, welche insbesondere die Unterschiede zwischen Trichotillomanie-Betroffenen und Kontrollpersonen sowie die Zusammenhänge zwischen den untersuchten psychologischen Konstrukten fokussieren.
4 Methoden: Dieser Abschnitt beschreibt detailliert die Stichprobenauswahl, die operationalisierten Erhebungsinstrumente (BIS, MFFT, HZI-K, FAIR) sowie das Versuchsdesign und die Hypothesenbildung der Studie.
5 Ergebnisse: Die Ergebnisse präsentieren die deskriptiven und inferenzstatistischen Auswertungen der Daten, welche sowohl die Gruppenvergleiche als auch die übergreifenden Konstruktzusammenhänge innerhalb der Patienten- und Kontrollgruppe beleuchten.
6 Diskussion: In der Diskussion werden die empirischen Befunde interpretiert, kritisch mit dem theoretischen Hintergrund und bisheriger Forschungsliteratur abgeglichen und methodische Limitationen sowie Implikationen für zukünftige Forschungsansätze aufgezeigt.
7 Zusammenfassung: Dieses Kapitel bietet einen kompakten Überblick über die Zielsetzung, die methodische Vorgehensweise und die wesentlichen Erkenntnisse der vorliegenden Arbeit.
Trichotillomanie, Impulsivität, Zwanghaftigkeit, Aufmerksamkeit, Kognitiver Arbeitsstil, Zwangsspektrumsstörungen, Impulskontrollstörung, Psychodiagnostik, Barratt Impulsiveness Scale, Matching Familiar Figure Test, Hamburger Zwangsinventar, Frankfurter Aufmerksamkeits-Inventar
Die Arbeit untersucht psychologische Merkmale wie Impulsivität, den kognitiven Arbeitsstil, Zwanghaftigkeit und Aufmerksamkeitsleistungen bei Menschen mit Trichotillomanie im Vergleich zu einer klinisch unauffälligen Kontrollgruppe.
Die zentralen Themen sind die Trichotillomanie, die Konzepte der Impulsivität und deren Beziehung zu kognitiven Arbeitsstilen sowie die theoretische Debatte, ob Trichotillomanie eine Form von Zwangsstörung oder eine eigenständige Impulskontrollstörung ist.
Das primäre Ziel ist es, durch einen empirischen Vergleich festzustellen, ob sich Patienten mit Trichotillomanie anhand der genannten Konstrukte von gesunden Personen unterscheiden und ob der Schweregrad der Störung mit diesen psychologischen Faktoren korreliert.
Es wird eine Querschnittsstudie durchgeführt, bei der standardisierte Testverfahren (Barratt Impulsiveness Scale, Matching Familiar Figure Test, Hamburger Zwangsinventar, Frankfurter Aufmerksamkeits-Inventar) eingesetzt und mittels statistischer Verfahren (t-Tests, Korrelationsanalysen) ausgewertet werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende theoretische Einleitung, die Beschreibung des methodischen Vorgehens sowie die detaillierte Präsentation und Diskussion der empirischen Ergebnisse bezüglich der Unterschiede und Zusammenhänge zwischen den untersuchten Konstrukten.
Wesentliche Begriffe sind Trichotillomanie, Impulsivität, kognitiver Arbeitsstil, Zwanghaftigkeit, Aufmerksamkeitsleistung sowie die Einordnung in das Modell der Zwangsspektrumsstörungen.
Der Schweregrad wird als unabhängige Variable verwendet, um zu prüfen, ob eine höhere Ausprägung der Trichotillomanie-Symptomatik mit einer stärkeren Beeinträchtigung der Impulskontrolle oder Aufmerksamkeit einhergeht.
Die Studie konnte keine signifikanten Unterschiede zwischen der TTM-Gruppe und der Kontrollgruppe in den meisten Konstrukten finden und favorisiert weiterhin die Zuordnung der Trichotillomanie als Impulskontrollstörung statt als Zwangsstörung.
Sie ist relevant, da in der Fachliteratur debattiert wird, ob die Trichotillomanie eher dem impulsiven oder dem zwanghaften Pol eines Kontinuums zuzuordnen ist; diese Arbeit liefert empirische Daten zu dieser theoretischen Kontroverse.
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