Diplomarbeit, 2000
62 Seiten, Note: 5.5
Vorbemerkung
1. Einleitung
1.1. Einführung und Motivation
1.2. Vorgehen
1.3. Fragestellung
1.4. Eingrenzung des Themas
1.5. Begriffsklärung
1.5.1. Aggression
1.5.2. Selbstbehauptung
1.5.3. Gewalt
1.5.4. Gewalthandeln
1.5.5. Jugendgewalt
1.6. Gender (Geschlechtsrolle)
2. Theorien zur Entstehung von Aggression
2.1. Instinkt- oder Aktionsmodelle
2.2. Reaktionsmodelle
2.2.1. Frustrations-Aggressions-Hypothese
2.2.2. Theorie der aversiven Reize
2.3. Lerntheoretischer Ansatz
2.3.1. Instrumentelles Lernen
2.3.2. Lernen durch Beobachtung und Lernen am Modell
2.4. Fazit
2.5. Interaktionsmodell
3. Adoleszenz
3.1. Dynamischer Interaktionismus
3.2. Jugendalter und Adoleszenz als kritische Lebensphase
3.3. Individualisierung und Desintegration
4. Biografische Lebensbewältigung
5. Jugendcliquen
6. Der Einfluss der Medien
7. Empirische Forschungsergebnisse
7.1. Thesen
7.2. Fazit
8. Grundlegendes zu Prävention und Intervention
8.1. Einleitung
8.2. Menschenbild
8.3. Adoleszenzverständnis
8.4. Leitsätze professioneller sozialpädagogischer Arbeit
8.5. Fazit
9. Prinzipien der Prävention und Intervention
9.1. Empowerment
9.2. Milieubildung
9.2.1. Die personal-verstehende Dimension
9.2.2. Die aktivierende Dimension
9.2.3. Die pädagogisch-interaktive Dimension
9.2.4. Die Dimension des Ressourcenmanagements
9.3. Die Verschmelzung von Intervention und Prävention
10. Entwicklung neuer Bewältigungsstrategien (Coping)
10.1. Selbstwirksamkeit
10.2. Konstruktive Copingstrategien
11. Methoden
11.1. Trainingskurse und -programme
11.2. Jungenarbeit
11.3. Erlebnispädagogische Angebote
11.4. Medienpädagogische Projekte
11.5. Interaktionspädagogische Techniken
12. Zum Umgang mit gewaltbereitem Verhalten Jugendlicher
12.1. Zentrale Grundvoraussetzungen
12.2. Konkrete Verhaltensregeln
13. Die Grenzen in der Arbeit mit gewaltbereiten Jugendlichen
14. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
14.1. Zusammenfassung der Bedingungen und Ursachen
14.2. Prävention und Intervention / Beantwortung der Fragestellung
15. Kritische Würdigung
16. Schlusswort
Die Arbeit untersucht die Ursachen von Jugendgewalt als Form der Krisenbewältigung und analysiert sozialpädagogische Möglichkeiten zur Prävention und Intervention. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Welche sozialpädagogischen Präventionen und Interventionen können Jugendliche darin unterstützen, auf Gewalthandeln zu verzichten?“
1.5.1. Aggression
Der Begriff Aggression entstammt dem lateinischen „aggredi“, was sowohl herangehen, sich nähern, auf jemanden, eine Situation oder Sache zugehen als auch angreifen, anfallen, überfallen bedeutet. Diese etymologische Mehrdeutigkeit legt die Unterscheidung zwischen einer konstruktiven - ich nenne sie Selbstbehauptung - und einer destruktiven Form der Aggression nahe. Auch F. Hacker definiert den Begriff als „(...) manifestes oder latentes Angriffsverhalten (...) im Spektrum von (...) sozial gelerntem und sozial vermittelten Formen von Selbstbehauptung bis hin zur Grausamkeit“ (Hacker, 1973, S. 73).
Im allgemeinen Sprachgebrauch und auch in der Fachliteratur wird unter Aggression meist die destruktive Bedeutung verstanden und der Begriff häufig mit Gewalttätigkeit, einem gewalttätigen Übergriff (vgl. unten "Gewalt/Gewalthandeln") gleichgesetzt. So lautet die Definition etwa bei P. Zimbardo (1988, S. 425) : „Aggression beim Menschen wird definiert als körperliches oder verbales Handeln, das mit der Absicht ausgeführt wird, zu verletzen oder zu zerstören. Gewalt ist Aggression in ihrer extremen und sozial nicht akzeptablen Form.“ Oder bei Ch. Scharfetter (1976, S. 98): „Aggression ist das Verhalten, das auf Vertreibung, Kränkung, Beschädigung, Verletzung oder Tötung eines Menschen, eines Tieres, einer Sache zielt.“
Auch ich verwende den Aggressionsbegriff im Folgenden in Übereinstimmung mit den meisten Autoren im destruktiven Sinne (ansonsten spreche ich von „Selbstbehauptung“, vgl. unten), plädiere jedoch für eine Entkoppelung der Begriffe "Aggression" und "Gewalt", da Aggressionen sich auch auf den emotionalen Bereich beschränken können und nicht jedes Gefühl der Aggression in eine Gewalthandlung nach aussen münden muss. Der Begriff der Aggression ist meines Erachtens also eher personenzentriert während Gewalt eine Interaktion zwischen mehreren Personen (oder bei Vandalismus zwischen „Person und Gegenstand“) beinhaltet (Ausnahme: Autoaggression, welche in Gewalt gegen sich selbst mündet).
1. Einleitung: Einführung in die Motivation des Autors, Eingrenzung des Themas auf männliche Jugendliche in der Adoleszenz sowie Klärung zentraler Begriffe wie Aggression, Selbstbehauptung und Jugendgewalt.
2. Theorien zur Entstehung von Aggression: Überblick über psychologische und soziologische Ansätze, von Instinkt- über Reaktionsmodelle bis hin zu lerntheoretischen Ansätzen und dem Interaktionsmodell.
3. Adoleszenz: Erörterung der Entwicklungsphase Adoleszenz als kritische Übergangsphase sowie der Bedeutung von Individualisierung und Desintegration in der heutigen Gesellschaft.
4. Biografische Lebensbewältigung: Vorstellung des Ansatzes von Böhnisch, der Gewalt als Versuch zur Wiedererlangung von Handlungsfähigkeit in Krisensituationen begreift.
5. Jugendcliquen: Analyse der Funktion von Peer-Groups für die Identitätsbildung und deren Bedeutung für die Verstärkung oder Abfederung von Gewaltverhalten.
6. Der Einfluss der Medien: Diskussion über die mediale Gewalt und deren tatsächliche Relevanz im Kontext sozialer Bedingungen.
7. Empirische Forschungsergebnisse: Gegenüberstellung theoretischer Erwägungen mit den Ergebnissen des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen.
8. Grundlegendes zu Prävention und Intervention: Reflexion über das Menschenbild und das pädagogische Verständnis im Umgang mit Jugendlichen in Krisen.
9. Prinzipien der Prävention und Intervention: Darstellung der Konzepte Empowerment und Milieubildung als zentrale Säulen sozialpädagogischen Handelns.
10. Entwicklung neuer Bewältigungsstrategien (Coping): Fokus auf Selbstwirksamkeit und der Aufbau konstruktiver Fähigkeiten als Alternative zum destruktiven Verhalten.
11. Methoden: Zusammenfassung konkreter Angebote wie Anti-Gewalt-Trainings, Jungenarbeit und erlebnispädagogische Projekte.
12. Zum Umgang mit gewaltbereitem Verhalten Jugendlicher: Ableitung praktischer Verhaltensregeln aus der sozialpädagogischen Arbeit.
13. Die Grenzen in der Arbeit mit gewaltbereiten Jugendlichen: Definition von professionellen Grenzen, bei deren Überschreitung institutionelle Maßnahmen erforderlich werden.
14. Zusammenfassung und Schlussfolgerungen: Synthese der Ergebnisse und Beantwortung der zentralen Fragestellung hinsichtlich einer ganzheitlichen, beziehungsorientierten Jugendarbeit.
Jugendgewalt, Adoleszenz, Sozialpädagogik, Aggression, Gewaltprävention, Intervention, Empowerment, Milieubildung, Biografie, Handlungsfähigkeit, Coping, Männlichkeit, Delinquenz, soziale Integration, Interaktion
Die Arbeit befasst sich mit den Ursachen von Jugendgewalt bei männlichen Jugendlichen und entwickelt sozialpädagogische Ansätze zur Prävention und Intervention.
Im Zentrum stehen die Entstehung von Aggression, die Herausforderungen des Jugendalters, die Rolle von Jugendcliquen sowie moderne sozialpädagogische Konzepte wie Empowerment und Milieubildung.
Das Ziel ist es, sozialpädagogische Möglichkeiten zu identifizieren, die Jugendliche in der Adoleszenz dabei unterstützen, destruktive Gewalthandlungen zugunsten konstruktiver Bewältigungsstrategien aufzugeben.
Der Autor stützt sich auf eine Kombination aus psychologischen Aggressionstheorien, dem sozialpädagogischen Ansatz der „biografischen Lebensbewältigung“ nach Böhnisch sowie aktuellen empirischen Forschungsbefunden der Kriminologie.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Ursachenanalyse (Theorien, Adoleszenz, soziale Einflüsse, Empirie) und einen praktischen Teil, der Prinzipien und Methoden der Prävention und Intervention, sowie die Rolle der pädagogischen Fachkraft beleuchtet.
Neben Jugendgewalt und Sozialpädagogik sind Empowerment, Milieubildung, Selbstwirksamkeit und der Dynamische Interaktionismus zentrale Begriffe.
Der Autor führt aus, dass Gewalthandeln oft ein typisch männliches Bewältigungsmuster darstellt, bei dem eigene Hilflosigkeit externalisiert wird, um Stärke und Anerkennung zu demonstrieren.
Das Interventionsparadox beschreibt die scheinbar unüberwindbare Kluft zwischen dem theoretischen Wissen über die psychosozialen Probleme der Klienten und der praktischen Umsetzung dieses Wissens im pädagogischen Alltag.
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